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Die Tricks des Motocross-Freestylers Wie Thomas Pagès zu einem der besten Motocross-Freestyler wurde

Die Tricks, die Motocross-Freestyler inszenieren, lassen selbst Insidern den Atem stocken. Thomas Pagès gehört zu den Besten - weil er sich entschloss, Nein zu sagen.

Porträt: Thomas Pagès

Thomas Pagès könnte Student sein, vielleicht Sportlehrer. Schlank, schmal, feine Gesichtszüge, gute Manieren. Einer vom Typ Wunsch-Schwiegersohn. Zumindest solange er für Frau Schwiegermama die passenden Worte für seine berufliche Tätigkeit findet. Freiberufler, gut verdienend, weltweit tätig. Es wäre immerhin nicht geschwindelt.

Denn der Südfranzose aus Seignosse, ein paar Kilometer nördlich von Bayonne gelegen, ist Motocross-Freestyle-Profi. Einer der besten der Erde. Immerhin aktueller Vizemeister in der hochkarätigsten Freestyle-Serie der Welt, der Red Bull X-Fighters-Tour. Dank der medialen Macht des namensgebenden Sponsors dieser Serie millionenfach im Internet angeklickt, von Hunderttausenden in den Stadien von Dubai bis Sydney bejubelt und doch erst in München bekannt geworden. Vielleicht, ja ganz sicher, weil sich der 27-Jährige bis zu jenem August-Abend dieses Jahres im Olympia-Stadion treu geblieben ist und einfach Nein gesagt hat. Nein zum Backflip.

Zu glauben, sich ohne Backflip in der nach immer mehr Nervenkitzel gierenden Szene behaupten zu können, das war nicht mehr Ignoranz, das grenzte an Überheblichkeit, ja Naivität. Denn der Rückwärtssalto mit dem Motorrad avancierte bereits kurz nach dessen Premiere durch den Freestyle-Pionier Carey Hart im Jahr 2000 zum Standardrepertoire aller Kunstflieger. Ein Platz an der Spitze eines Freestyle-Contests ohne die motorisierte Upside-down-Einlage war schlichtweg unmöglich. Und deshalb machte auch Thomas mit bis der Backflip sein erstes Opfer forderte. Bei einem Wettbewerb in Costa Rica rotierte Jeremy Lusk, einer der Besten der Branche, nicht aus und knallte kopfüber auf den Landehügel. 48 Stunden später erlag der 24-Jährige seinen Verletzungen. Es war jener Tag, an dem Thomas Pagès sich entschloss, Nein zu sagen. Als sein fünf Jahre älterer Bruder Charles kaum zwölf Monate später nach einem misslungenen Frontflip (Vorwärtssalto) beim Supercross von Paris-Bercy nur knapp mit dem Leben davonkam, stand für Thomas endgültig fest: Entweder hatte sich Freestyle-Motocross für ihnmerledigt oder er musste einen neuen, ganz eigenen Weg zum Erfolg finden.

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Foto: Red Bull Photofiles
Nein zum Backflip, die Dritte: Auch hier ist deutlich zu erkennen, dass jegliches Risiko umgangen ist.
Nein zum Backflip, die Dritte: Auch hier ist deutlich zu erkennen, dass jegliches Risiko umgangen ist.

Und er fand ihn. Wieder und wieder hämmerte sich der Yamaha-Pilot auf den Trainingsrampen seine neu kreierten Sprünge ein. Flair, Volt oder Special Flip heißen die Tricks, bei denen der Gallier, die Maschine in der Luft loslassend, um die eigene Achse rotiert oder (siehe Foto oben) nach einer 450-Grad-Drehung den im rechten Winkel zum Absprung aufgeschütteten Landehügel hinabrollt. Unkonventionelle Inszenierungen, die ihn - welche Ironie des Schicksals - mittlerweile längst aus der Masse der Backflipper herausheben und denen er deshalb letztlich auch diesen ganz eigenen Weg zurück an die Spitze zu verdanken hat.

Denn der Sieg in München, er war der erste, mit dem ein Freestyler eine Jury ohne Backflip-Variationen überzeugen konnte. Es ist eben doch gut, auch einmal Nein sagen zu können.                                                             

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Foto: Red Bull Photofiles
An guten Tagen landet Pagès den Flair nach einer 540-Grad-Drehung.
An guten Tagen landet Pagès den Flair nach einer 540-Grad-Drehung.

Freestyle-Termine

Während sich Thomas Pagès und die Superstars der Freestyle-Szene in der Red Bull X-Fighters-Tour weltweit von den Rampen katapultieren, konzentrieren sich die Events der Night of the Jumps (www.nightofthejumps.de) sowohl was Fahrer als auch Austragungsorte anbetrifft auf Zentral- und Osteuropa. Und das durchaus erfolgreich. Die Tour ist professionell organisiert, die Show gut inszeniert und bietet mit fünf Stationen im deutschsprachigen Raum moderate Anfahrtswege.

Neu: Die von der Szenen-Ikone Travis Pastrana initiierte Nitro Circus-Tour (www.nitro circuslive.com). Auf Motorrädern, BMX-Bikes und skurrilen Mobilen aller Art (Einkaufswagen, Rollstuhl etc.) präsentiert die US-Truppe eine abgefahrene Show und gastiert damit erstmals in Europa. Immerhin viermal in Deutschland beziehungsweise Österreich.

 

Night of the Jumps
27. April 2013München
3./4. Mai 2013Basel
24./25. Mai 2013Hamburg
17./18. Januar 2014
Linz
7./.8. März 2014Berlin
10. Mai 2014Mannheim
31. Mai 2014Gelsenkirchen
4. Oktober 2014Köln
Nitro Circus
23. November 2013Hamburg
26. November 2013Manchester
28. November 2013Birmingham
29. November 2013London
5. Dezember 2013Antwerpen
7. Dezember 2013Arnheim
9. Dezember 2013

Köln

12. DezemberBerlin

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