Elefantentreffen 1996 (Archivversion) Brrrrrr! / Kurz notiert

Stefan kam dieses Jahr mit Handy. Er war schon öfters da - und seine Frau hatte ihn immer fahren lassen. Aber diesmal war alles anders. Der Münchner hatte einen handfesten Ehekrach riskiert. Seine Frau erwartete ihr erstes gemeinsames Kind. Doch Stefan blieb stur: »Du kannst ja anrufen, wenn’s losgeht«, sagte er - und fuhr zum Elefantentreffen.Dort angekommen, stellte er fest, daß noch knapp 8000 andere Biker sich von Schneeschauern und dem angekündigten Eisregen nicht hatten abschrecken lassen. Zum 40. Mal hatte der Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM) das Treffen organisiert.Über die Jahre hat es sich ganz schön gemausert: »Eigentlich ist ja bei uns alles viel größer, aber das Elefantentreffen ist das größte Wintertreffen für Biker weltweit«, sagt Ross King. Und der 65jährige Amerikaner muß es ja wissen, denn er war mitsamt seiner Honda ST 1100 aus Washington nach Frankfurt geflogen und von dort auf seiner Pan European in den Bayerischen Wald gebrummt. Der Weg hat sich für ihn gelohnt: »So etwas Verrücktes wie hier habe ich noch nie erlebt. Cool.«Ziemlich untertrieben, es war nicht nur kühl, sondern saukalt. Zu kalt für zwei Holländer, darum fackelten sie zur Gaudi ihr Gespann mit Benzin ab. Getreu dem Motto: »Der schnelle Weg zum eigenen Rat Bike«, staubten sie die arme Honda CB 750 anschließend mit dem Feuerlöscher ein. Beim Elefantentreffen macht die Zivilisation eben manchmal Pause.Es ist diese Mischung aus Anarchie und Abgas, die ständig über dem Kessel von Thurmansbang hängt, wegen der auch Jens aus Bonn jedes Jahr wieder kommt. Und warum das Spetakel ausgerechnet im Winter sein muß, dafür hat der BMW-Treiber eine griffige Begründung: »Die Tittenshows auf den Sommertreffen kann ich echt nicht mehr sehen.«1997 wird Stefan ziemlich sicher auch wieder aufkreuzen. Dann wird er wohl Papa sein. Während des Elefantentreffens blieb sein Funktelefon aber stumm. schü

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