Endurance-WM in Oschersleben (Archivversion)

Feste feiern

Die Speedweek in Oschersleben, das Mekka der deutschen Langstreckenszene: 53000 Fans bekamen während des fünften Laufs zur diesjährigen Endurance-WM eine perfekte Show geboten. Das MOTORRAD ACTION TEAM war mit von der Partie.

Ein Starterfeld, das sich liest wie das Who is who der deutschen Motorradrennszene, dazu als Sahnehäubchen die besten internationalen Privat-Teams. Freier Zutritt zum Fahrerlager, damit die Fans die Triumphe und die vielen kleinen und großen Tragödien eines 24-Stunden-WM-Rennens hautnah miterleben können. Drumherum ein Programm, prall gefüllt mit den unterschiedlichsten Rennklassen, Stunt-Show, Live-Musik, kostenlosen Probefahrten mit Buell- und Triumph-Modellen. Drei Tage Unterhaltung nonstop. Und das alles zu wahrhaft moderaten Preisen. Stahlend blauen Himmel und Sonnenschein gibt’s gratis dazu. Ein schöner Traum? Keineswegs. Denn zumindest im Osten der Republik verstehen sie etwas von Motorrad-Rennsport. 1998 wurde sie aus der Taufe gehoben, die Speedweek im Motopark von Oscherleben. Damals mit einem nationalen 24-Stunden-Rennen als krönendem Höhepunkt. Ein voller Erfolg. Das ehrgeizige Ziel der Macher: Schnellstmöglich einen 24-Stunden-WM-Lauf ausrichten. Keine fixe Idee, sondern bereits ein Jahr später Realität. Nur die allesamt aus Frankreich stammenden Werksteams fehlten, wie auch in diesem Jahr. Aber das konnte der Veranstaltung nichts anhaben. Das Starterfeld war trotzdem proppenvoll. Welches deutsches Top-Rennteam lässt sich so eine Chance schon entgehen? Endlich einmal vor 53000 Fans zeigen, was man drauf hat, statt bei spärlich besuchten DM-Rennen diskret unter sich zu bleiben.Aber die Speedweek ist ebenso die Gelegenheit für viele »echte« Amateure, sich in der Stocksport-Klasse und der eigens für Oschersleben geschaffenen »Proto B«-Kategorie mit den Cracks der Szene zu messen. Denn was bei einem Grand Prix oder Superbike-WM-Lauf undenkar wäre, gehört bei der Langstrecken-WM einfach dazu: Der ungleich erscheinende Kampf »David gegen Goliath« von kleinen Privatteams gegen superb organisierte Mannschaften wie beispielsweise M+P Phase One, der WM-Leader aus England. Auch wenn einige Amateur-Teams nach dem Training die Segel streichen mussten, weil sie an der Qualifikationshürde scheiterten. Ein Indiz dafür, wie hoch das Niveau in Oscherleben inzwischen liegt.Die Qualifikation war für das MOTORRAD-ACTION-TEAM freilich kein Problem, das Ziel, die prestigeträchtige Pole Position, wurde jedoch verfehlt. Gerade als Bertrand Sebileau mit extragriffigen Qualifyer-Reifen zu seiner schnellen Runden ansetzte, kollabierte das Triebwerk der Suzuki. Kein Beinbruch für das Team, weil im Rennen ein anderer Motor zum Einsatz kommen sollte, von Motorenspezialist Schäfer nicht auf schiere Spitzenleistung, sondern größtmögliche Standfestigkeit ausgelegt. Ebenfalls problemlos für das Rennen qualifiziert: die Mannschaft rund um Testredakteur Jörg Schüller und ACTION-TEAM-Chef Hanns-Martin Fraas, der beim Pro Mille Racing Team eine Aprilia RSV mille SP pilotierte. Und auch Fernseh-Promi Alex Jolig – ja, genau der aus der »Big Brother«-WG – nahm diese Hürde. Also doch kein reiner PR-Gag des Steinhausen-Teams, Alex startete beim Rennen anstelle von Nummer-drei-Fahrer Benny Jerzenbeck. Wie erwartet gaben die deutschen Cracks vor heimischem Publikum zu Beginn den Ton an, wollten zeigen, dass sie mit den arrivierten internationalen Teams mithalten können. Allen voran Herbert Kaufmann, der zusammen mit Superstock-EM-Pilotin Katja Poensgen und Markus Wegschneider eine Schäfer-Suzuki GSX-R 750 bewegte. Der Supersport-600-Fahrer drehte am Gas, als wähnte er sich in einem Kurzstreckenrennen. Leider forderte die frühe, hitzige Rennhälfte bereits die ersten Opfer. Kollege Schüller wollte gerade Katja Poensgen überholen, als die Zylinderkopfdichtung seiner Honda Fireblade den Geist aufgab. Jörg musste in die Box, das Team schuftete, was das Zeug hielt, nahm das Rennen wieder auf – jedoch nur für eine Runde. Motorschaden – aus und vorbei. Da halfen auch ein paar kühle Biere wenig, den Frust zu bewältigen.Lecker Bierchen, das war auch draußen bei den Fans gefragt. Auf den Gerstensaft verstehen sie sich im Osten prima. Und auf Party. Vor allem nach dem malerischen Sonneruntergang über der verzwickten Rennstrecke von Oscherleben. Alkohol floss in zwar Strömen, das Fest strebte seinem Höhepunkt entgegen, ohne jedoch in Krawall auszuarten. Absolutes Highlight der Speedweek: die Show der Super-Moto-Fraktion auf der per Flutlicht illuminierten Kartbahn. Erstmals als DM-Lauf ausgeschrieben und mit extra angelegtem Offroad-Abschnitt. Der neue Superstar auf Frankreich, Thierry van den Bosch, und seine Kompangnons von der »Wilde Reiter GmbH« zeigten eine Show vom Feinsten, zigtausend Fans feierten sie frenetisch. Langsam nährte sich die Geisterstunde, das Drama auf der Rennstrecke nahm seinen Lauf. Für das ACTION TEAM begann der letzte Akt kurz vor 23 Uhr. Zu Beginn des Rennens auf einem hervorragenden dritten Platz gelegen, kassierte die Truppe rund um Testchef Lindner viele Runden Rückstand. Weil sich der Lichtmaschinenrotor gelöst hatte, musste die GSX-R zweimal außerplanmäßig in die Box. Als sei dies nicht schon genug, platzte schließlich noch der Motor am Ende der Startgeraden. Fahrer Fernando Cristóbal rutschte auf dem Motoröl aus, flog im hohem Bogen ins Kies und verletzte sich die Hand so stark, dass ein Zurückschieben der demolierten Maschine unmöglich war. Zu Tode betrübt erschien der Spanier ohne GSX-R in der Box und verkündete das Aus.Doch auch andere favorisierte deutsche Teams verschonte das Schicksal nicht. Thomas Klink vom Yamaha-Laaks-Team verlor nach heftigem Lenkerschlagen auf der Start-Ziel-Geraden die Kontrolle über seine R1 und stürtzte furchterregend. Wie durch ein Wunder kam er mit schweren Prellungen davon, der Traum von einem Podiumsplatz rückte aber in weite Ferne. Am Morgen segelte dann Laaks-Fahrer Michael Schulten per Highsider ins Aus, musste die zerschundene Yamaha in der brütenden Hitze fast um die gesamte Strecke schieben. Fortuna war den den deutschen Top-Teams wirklich nicht hold. Katja Poensgen strandete mit spektakulärem Motorschaden, Supersport-600-EM-Fahrer Stefan Scheschowitz stürzte schwer, zerlegte seine Suzuki nachhaltig und brach sich zu allem Überfluss auch noch den Mittelhandknochen.An der Spitze fuhr das französische GMT 94 rund um Christophe Guyot wie aus einer anderen Welt. Die Kawasaki ZX-7R lief wie ein Uhrwerk, die Fahrer spulten mit einer beinahe beängstigender Konstanz ihre Turns ab. Dahinter stritten sich Phase One und das Schweizer Bolliger-Team um Platz zwei. Auf den ersten Seiten des Zeitenmonitors erschien aber auch eine Truppe, die man dort nicht erwartet hätte: das SMS-Team, im letzten Jahr Sieger der »Proto B«-Wertung. Keine Eintagsfliege, wie sich jetzt zeigen sollte. Mit minimalem Budget, dafür mit umso mehr Engagement waren die Gebrüder Schulz nebst Freund Jan Martensen angetreten. 1500 Mark erhielten die drei von Freunden, den Rest zahlen sie, wie so viele Privatiers, komplett aus eigenen Tasche. Sie taten es den großen Vorbildern vom GMT 94-Team gleich, hielten sich mit ihrer fast serienmäßigen Yamaha R6 – einer freundlichen Leihgabe eines Händlers – geschickt aus allen Rangeleien heraus und blieben bis auf einen Plattfuß von Defekten verschont. Der Lohn für ihre Mühe: zehnter Gesamtrang und der erneut Sieg in der »Proto B«.Die vielleicht schönste Szene des gesamten Rennes folgte dann beim Finale des 24-stündigen Marathons. Die Fahrer der drei führenden Teams fuhren gemeinsam über den Zielstrich. Eine einzigartige, aber für die Endurance-Szene wiederum so typische Geste. In diesem Fall für das GMT 94-Team, das seinen ersten Langstrecken-WM-Sieg feiern konnte.
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Langstreckenrennen: Endurance-WM Oschersleben (Archivversion)

Gesamtergebnis nach 861 Runden = 3157 Kilometer Fahrer (Nation) Maschine Runden1. Scarnato/Dussauge/Guyot F/F/F Kawasaki 8612. Mertens/Linden/Nowland F/S/ AUS Suzuki 8533. Graf/Kellenberger/Heiler CH/CH/D Kawasaki 8524. Cuzin/Donischal/Kempener F/F/B (1. Stocksport) Yamaha 8405. Jaenisch/Blug/Arndt D/D/D Suzuki 8356. Scheeder/Müller/Wacker D/D/D (2. Stocksport) Suzuki 8327. Strauch/Roethig/Borkowsky D/D/D (3. Stocksport) Kawasaiki 83210. Schulz/Martensen/Schulz D/D/D (1. Proto B) Yamaha 819WM-Stand Superbikes Fahrer Punkte1. Linden/Nowland je 1173. Scarnato/Dussauge/Guyot je 1126 Mertens 110World-Cup Stocksport Fahrer Punkte1. Cuzin 1702. Donischal/Kempener je 1004. Carrara 70

Langstreckenrennen: Endurance-WM Oschersleben (Archivversion)

Ergebnisse;Lauf: Thierry van den Bosch (F) Husqvarna Gilles Salvador (F) KTMJürgen Künzel D) KTMEddy Seel (B) HusqvarnaKlaus Kinigadner (A) KTMToni Sedlacek (D) KawasakiHarald Ott (D) KawasakiAchim Trinkner (D) HusqvarnaRoger Bantli (CH) KTMJens Hainbach (D) HusabergLauf:Thierry van den Bosch (F) HusqvarnaJürgen Künzel (D) KTMGilles Salvador (F) KTMEddy Seel (B) HusqvarnaHarald Ott (D) KawasakiKlaus Kinigadner (A) KTMToni Sedlacek (D) KawasakiMika Sironen (SF) KawasakiRoger Bantli (CH) KTMMarcel Götz (CH) KTMDM-StandThierry van Bosch (F) 104Klaus Kinigadner (A) 88Harald Ott 64Jürgen Künzel 64Mika Sironen (SF) 63Gilles Salvador (F) 62Roger Bantli (CH) 44Achim Trinkner 43Eddy Seel (B) 3210.Toni Sedlacek 32.

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