Enduro du Touquet (Archivversion) Sand IN Sicht

Acht Kilometer Startgerade, 953 Starter, 200000 Zuschauer. Die Daten demonstrieren Superlative. In der Tat gehört das Strandrennen in Le Touquet zu den ganz Großen des Offroad-Sports. Und genau deshalb ist es wichtig, dort zu
gewinnen – so man Demeester, Bethys oder Mousée heißt. Denn ein Sieg in
Le Touquet ist in der Grande Nation
allemal mehr wert als mancher Enduro-WM-Titel. Und dafür – das gilt zumindest für besagte Herren – bereitet man sich gern drei Monate lang auf sandigen Motocross-Pisten und im Fitness-Studio auf den Tag X an der Kanalküste vor.
Wobei es die Protagonisten samt zahlreicher Gefolgschaft, darunter 19 Deutsche, bei der diesjährigen Auflage Mitte
Februar leichter hatten als je zuvor. Nach Querelen mit den Umweltbehörden mussten die Veranstalter klein beigeben und
die Dünenpassage auf einen kümmerlichen Rest von 800 Metern zusammenschrumpfen. Dennoch: Die gigantische Startgerade mit Topspeed-Werten der Spitzenmaschinen um die 170 km/h entschädigte die Fans, freie Fahrt statt Dauerstaus in den Dünen besänftigten die Fahrer.
Dumm, dass ausgerechnet bei diesen Bedingungen Arnaud Demeester, mit vier Siegen hinter dem Holländer Kees van
der Ven immerhin zweitbester Touquet-Kämpfer der Geschichte, Erfolg Nummer fünf verschenkte. Er donnerte auf Platz zwei liegend einem überrundeten Fahrer ins Heck und musste nach Position neun im Ziel seinen Rekordversuch auf kommendes Jahr vertagen. Und weil der
Sieger der beiden vergangenen Ausgaben, Thierry Bethys, den Anschluss zur Spitze ziemlich früh verloren hatte und auf Platz
drei einlief, feierte Jean-Claude Mousée sein verdientes Comeback. Der Touquet-Sieger von 1999, der wegen der Vorbereitungen auf dieses Rennen sogar von Zentralfrankreich an die Kanalküste gezogen war, zeigte keine Schwäche und
gewann mit über zwei Minuten Vorsprung. Die eigentliche Überraschung fand allerdings einen Platz dahinter statt. Timotei Potisek, ein erst 20-jähriger Franzose aus dem benachbarten Dünkirchen, ergatterte Rang zwei und schrieb damit eine Familiengeschichte fort. Papa Rudy hatte in den Achtzigern in Le Touquet insgesamt fünf zweite Plätze geholt.

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