Peu a Pneu Enduro-Reifen 2008

Wie schräg geht es auf trockener Piste ums Eck? Wie schnell rutscht das Bike auf nassem Asphalt? Wie viel Profil bleibt auf Tausenden von Kilometern auf der Strecke? MOTORRAD klärt, welches derzeit die besten Reifen für große Reise-Enduros sind.

Foto: Jahn

Teil 1

So ein Reifen steht ganz schön unter Stress. Schlagartig kann seine Betriebstemperatur über 20 Grad Celsius ansteigen, wenn es aus flotter Geradeausfahrt plötzlich mit Schmackes in die Bremse und anschließend durch lang gezogene Kurven geht. Oder was muss er bei stoischer Geradeausfahrt auf der Autobahn bereits bei Tempo 150 alles einstecken. Nur kühlender Fahrtwind sorgt dafür, dass seine Temperatur 60 Grad nicht überschreitet. Beim Tankstopp glüht er dann noch mal richtig nach, wird plötzlich über 70 Grad heiß. Auf nasser Strecke indes will er gar nicht so recht auf Temperatur kommen. Da erwärmt sich das Gummi im Schnitt nicht über frische zehn Grad Celsius. Trotzdem versteht es manche Paarung, auch unter solch widrigen Bedingungen eine gute Haftung aufzubauen. Einige von weiteren bemerkenswerten Fakten, die das Datarecording im großen MOTORRAD-Reifentest 2008 ausgespuckt hat.

Für alle, die mehr als nur lesen wollen: die Reifentest-Filme

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In diesem Jahr wurden nämlich nicht nur die Testmotorräder, mit denen das Fahrverhalten auf trockener und nasser Piste ermittelt wurde, vernetzt. Sondern auch bei der anschließend stattfindenden Verschleißfahrt kam das Mess-Equipment zum Einsatz, um analysieren zu können, was den Reifen auf der 4300 Kilometer langen Strecke über Autobahnen und Landstraßen zugemutet wird.
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Teil 2

Nach zwei Jahren Pause (MOTORRAD 10/2005) stand heuer wieder ein Test für die Reise-Enduro-Klasse in der Dimension 110/80 R 19 vorn und 150/70 R 17 hinten an. Die Reifenhersteller werden hier besonders gefordert. Schließlich stellen die Fahrer von BMW GS, Honda Varadero 1000 oder Suzuki V-Strom 1000 vielfältige Ansprüche an die schwarzen Gummis. Sie sollen mit voller Zuladung auf der Autobahn schnurgeradeaus laufen und nicht das Bike in gefährliches Pendeln versetzen. Bei der Tour über Alpenpässe sollen sie sicher haften, bis die Fußrasten kratzen oder der Sozius kreischt. Und sie müssen auch bei Regen gut funktionieren – denn diese Jungs und Mädels sind alles andere als Schönwetterfahrer. Bleibt als letzte Forderung noch: Die Reifen sollen möglichst lange halten, werden mit großen Reise-Enduros in der Regel doch reichlich Kilometer gefressen.

Als Testfahrzeug wählte MOTORRAD den Topseller in diesem Segment. Die BMW R 1200 GS wurde stellvertretend für ihre Klasse hergenommen, um den sieben aktuellen Reifenpaarungen von Avon ­Distanzia bis Pirelli Scorpion Sync auf den Zahn zu fühlen. Mit kleinen Einschränkungen sind die Testergebnisse aber auch auf andere Maschinen übertragbar. Unter der Rubrik Testkriterien finden Sie alle Informationen zu den Kriterien aufgeführt. Diejenigen, die mit einem Stern gekennzeichnet sind, lassen sich auf andere Modelle mit ähnlichen Fahrwerksdaten übertragen. Für den Rest gilt: Die grundlegenden Eigenschaften eines Reifens ändern sich auf anderen Motorradtypen nicht dramatisch, sondern verschieben sich lediglich.
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Um die Fahreigenschaften auf trockener und nasser Fahrbahn zu überprüfen, war die Testmannschaft auf dem Testgelände von Goodyear in Mireval in der südfranzösischen Camargue unterwegs. Die Strecke ist ideal, um alle Paarungen unter konstanten Bedingungen miteinander zu vergleichen. Wobei die Test-GS auf dem mit Curbs bestückten Handlingkurs nicht auf Rennstreckenniveau bewegt wird. Denn das ergäbe Testaussagen, die man im Alltag niemals erfahren würde. Vielmehr wurde die BMW auf der ehemaligen Rennstrecke (Carland) in zwei verschiedenen, exakt definierten Modi gefahren. Zum einen im normalen Landstraßenbetrieb, also einem lockeren Kurvenswing. Zum anderen im sportlichen Landstraßenstil, bei dem die GS auch mal mit 45 Grad Schräglage ums Eck zirkelte, vergleichbar mit einer flotten Partie über Alpenpässe. Was keine Seltenheit im Fahrtenbuch von GS, Varadero-, Tiger- oder V-Strom-Piloten ist.
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Teil 3

Keine Rolle beim Test spielte das Verhalten im Gelände, da Profil und Gummimischung der ausgewählten Reifen ausschließlich auf asphaltierten Einsatz zielen. Wohl ist ein Abstecher über einen Feldweg oder eine geschotterte Piste auch mit den Testkandidaten drin. Wer aber ernst­hafte Offroad-Touren mit großen Reise-Enduros plant, muss auf andere Paarungen umrüsten. Immer noch eine Empfehlung ist beispielsweise der Continental TKC 80.

Ansonsten lässt sich aus den MOTORRAD-Testergebnissen ganz individuell das Pärchen herausfiltern, das den persönlichen Vorlieben entspricht: Soll es ein haftstarker Reifen für sportliches Fahren auf der Landstraße sein? Wird besonders viel Wert auf eine optimale Performance bei Regen gelegt? Oder muss es eine Marathonmischung sein, die an fünfstellige Laufleistungen heranreicht? Die Paarung, die "von allem etwas" bietet, gibt es genauso wie Regen- oder Ausdauer-Spezialisten.
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Die jeweilige Platzierung in den drei Testblöcken macht es leicht, nach seinem persönlichen Favoriten zu suchen. In einem Punkt sollte man allerdings keine Abstriche machen: beim Bremsverhalten sowohl auf trockenem Belag wie bei Nässe, ein Testkriterium, dem MOTORRAD besondere Aufmerksamkeit widmete. Lagen alle sieben Paarungen auf trockener Strecke noch dicht beieinander, spreizte sich das Feld auf regennasser Fahrbahn deutlich weiter auf: Hier lagen zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen beim Bremsen aus 100 km/h ganze 17 Meter. Und das, obwohl das ABS bei Nässe stets das Optimale herausholt. Der Einfluss der Gummimischung auf die Bremsleistung zeigt sich somit deutlich. Doch gerade im Notfall kommt es darauf an, dass der Reifen seinen ohnehin stressigen Job zuverlässig erledigt.

Sieger nach Punkten im großen Reifen-Vergleichstest von MOTORRAD ist mit klarem Abstand der Continental Trail Attack.
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