Enduro-Schule Zschopau (Archivversion)

Grüne Woche

Der mehrfache Welt-und Europameister Jens Scheffler macht Endurosportler schneller und Hobbyfahrer sicherer. In seiner Schule im Erzgebirge.

»Der Jens ist ein echter Geheimtipp«, verrät Xaver abends beim Radeberger Pilsener im Bierzelt. Während die Großwalterdorfer Feuerwehrkapelle den nächsten Tusch bläst, erzählt der aktive Lizenz-Endurosportler, wie sich Rennfahrerkollegen geweigert haben, die Telefonnummer von Jens Scheffler rauszurücken. Aus Angst, der Konkurrent könne durch die Schulung des Ex-Europameisters noch schneller werden. Der sitzt vergnügt beim Bier in der Runde seiner Enduroschüler und genießt still deren Lobeshymnen. »Ich fahre eine Runde, und Jens sagt mir genau, was ich falsch mache«, freut sich Markus, Enduroaktivist und B-Lizenzler in der 250er-Klasse. Mit dem Wettbewerbsnachteil ist es nun vorbei. Zwei Tage Endurotraining auf verschiedenen Pisten liegen hinter den zwölf Schülern. Darunter auch einige Wochenend-Hobbyfahrer. Wie Kai-Martin aus Hameln, den es mit seiner Yamaha WR 250 ins Erzgebirge verschlagen hat. Wie so viele andere auch hat er sich das Endurofahren irgendwie selbst beigebracht. Und sich dabei einige Fehler angewöhnt. Mangels eines geeigneten Lehrmeisters. Der Sachse Scheffler ist so einer. Als ehemaliger MZ-Werksfahrer hat er das Geländefahren von der Pieke auf gelernt. Jetzt betreibt er eine Enduroschule, die aus seinem Sportverein, dem MSC Rund um Zschopau e.V., hervorgegangen ist. Großwaltersdorf, ein Kaff nicht weit von der Augustusburg mitten im Erzgebirge gelegen, bietet ein Umfeld, von dem viele Enduroclubs in den westlichen Bundesländern nur träumen können. Das Hotel Trakehnerhof, zu dem etliche Hektar Gelände gehören, hat Scheffler ein paar davon zu kleinem Geld verpachtet. »Egal, ob Wettbewerbsfahrer oder Hobbyfahrer. Fangen wir erst mal mit den grundlegenden Techniken an«, verkündet er morgens in der Runde seiner Schüler am Rande des Übungsgeländes. Eine große Wiese, auf der ein Kurs angelegt wurde. Enge Ecken, ein paar kurze gerade Stücke, 100 Meter Spurrillen, ein paar Furchen, nicht besonders anspruchsvoll. Mit kräftiger, mit der Zeit immer heiserer werdender Stimme tönt der Enduromeister gegen das Sausen der KTM-Lüfter an, welche die geplagten Viertakt-Motoren vor dem Hitzetod bewahren. »Gestrecktes Bein, aber nicht zu viel, ein bisschen anwinkeln. Den Oberkörper vorbeugen, die Arme seitlich spreizen.« Haargenau erklärt der Sachse, wie man richtig auf einer Enduro steht. »Entweder ich stehe, oder ich sitze. Aber nur direkt in der Kurve«, räumt der DDR-Meister damit auf, dass Endurofahren irgendetwas mit Gemütlichkeit zu tun haben könnte. Der Tag vergeht auf der Wiese wie im Fluge. Anbremsen lernen. Meister Scheffler teilt diesen wichtigen Lernbaustein in fünf Teilschritte ein. »Erstens: Ranfahren im Stehen, zweitens bremsen mit Vorder- und Fußbremse, dabei sich kleinmachen und den Hintern zurück, so drei bis fünf Zentimeter über der Sitzbank, drittens Bremse los und dich nach vorn ins Loch schmeißen«, und so fort. Mit Loch meint er die Mulde am vorderen Ende der Bank. Scheffler macht`s vor. Knattert mit der Zweitakt-Husky los, zeigt die Phasen quasi in Zeitlupe. Fürsorglich kümmert er sich um jeden Schüler. Erteilt ganz persönlichen Rat. Am Abend blicken die Jungs zufrieden auf den Fernseher, wo ein spannender Film läuft. Das Video von »Kameramann« Klaus. Der hat abgelichtet, was da gehüpft und gdriftet wurde. Was gibt`s Schöneres, als sich selbst im Fernsehen zu bewundern? Jens Scheffler ist voll des Lobes: »Ihr habt verdammt viel dazugelernt«. Kurventechnik, Steh- und Sitzposition, Spurrillenfahren, alles wird analysiert. An nächsten Tag geht es auf schwierigeres Terrain. Eine crossähnliche Piste mit Waschbrettern und Sprunghügeln, an einen flachen Hang geschmiegt, gibt Gelegenheit, die Fahrtechniken zu verfeinern. Die Wettbewerbsfahrer unter den Teilnehmern dürfen hier später trainieren, während die Hobbyisten sich einem Steinbruch und dessen aufgeschütteten Hängen widmen. Wieder ist es den präzisen Erklärungen des Enduromeisters zu verdanken, dass selbst Teilnehmer mit wenig Geländeerfahrung bald die steilsten Abfahrten meistern, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Zur Belohnung folgt eine echte Endurostrecke. Über Wurzeln und Steine, durch Matschlöcher und zwischen den Bäumen eines nahe gelegenen Waldes hindurch geht die Sonderprüfung à la Scheffler. Dann noch durch eine verzwickte Trialspassage zirkeln und eine schöne lange Spurrille zwischen zwei Äckern hindurchbalanciert, fertig ist die Entspannungsfahrt am Abend. Ein Bauer auf seinem Trecker schaut interessiert zu, während sich ein paar Wanderer freundlich nach dem seltsamen Tun der Motorradfahrer erkundigen. Wunderbares Erzgebirge.
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Der Profi (Archivversion)

Heute kann Jens Scheffler über die Schlammschlacht bei der Internationalen Sechstagefahrt von 1978 im schwedischen Kulltorp herzhaft lachen: »Es gab Streit um den ersten Platz. Die Startnummernschilder waren so verdreckt, dass die Zeitnehmer nicht recht wussten, welche Mannschaft nun gewonnen hatte. Sie haben sich dann für die CSSR entschieden. Wir wurden Zweiter. Das war ein Riesenhickhack damals«. In der Sportwelt der DDR war der Zschopauer eine Größe. Und ein Naturtalent. Der Aufstieg verlief steil. 1977, nur drei Jahre nachdem der Zschopauer erste Versuche mit einem Geländemotorrad unternommen hatte – damals war er 17 Jahre jung -, fuhr er das erste Mal bei den Sixdays mit. Auf einer MZ, wie es sich für einen Zschopauer gehört. Mit Werksunterstützung. Schon das darauffolgende Jahr sah den gelernten Baufacharbeiter als MZ-Werksfahrer und Angestellten in der damals 40 Mann starken Sportabteilung des DDR-Motorradherstellers. Die ganz großen Erfolge in den Enduro-Europameisterschaften stellten sich bald ein. Europameister 1981, 1983 bis 1985, jeweils in der 500er Klasse. Dazu noch ein paar Vizemeistertitel. Außerdem: 16malige Teilnahme an den Sixdays, davon 15mal in den Goldmedaillenrängen. 1987 gehörte er der DDR-Siegermannschaft an und wurde außerdem Enduro-Weltmeister in der 500er Klasse.Nach der Auflösung der DDR schaffte es Scheffler 1990 als Fahrer für den Suzuki-Importeur auf einer DR 350 zum Deutschen Meister, bevor er den Profi-Endurosport an den Nagel hängte, und für den Schweizer Husqvarna-Importeur arbeitete. »Ich habe dann mit Dany Wirtz (mehrfacher Schweizer Enduromeister, d. Red. ) Geländekurse in Südfrankreich abgehalten«, sagt Scheffler. Das funktionierte so gut, dass er nach dem Rückgang ins heimatliche Erzgebirge beschloß, eine Enduro-Schule zu gründen. Infos über Geländelehrgänge und Straßentouren durchs Erzgebirge bei Team Dachs, Enduroschule Zschopau, Telefon/Fax 03725/20950 oder 0171/7739385 und im Internet www.enduro-schule.zschopau.de.

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