Entfernungspauschale (Archivversion) 6000 Euro

Vor dem Fiskus sind alle Bürger gleich. Aber manche sind gleicher. Und sparen bares Geld. Autofahrer zum Beispiel. Biker dagegen zahlen drauf.

»Eine Ungerechtigkeit wird nicht dadurch erträglicher, dass nur eine kleine Minderheit betroffen ist.« Daniel Hewer düst fast jeden Morgen von Delmenhorst ins Zentrum Hannovers. Einfache Strecke zum Arbeitsplatz: 130 Kilometer. Weil der 49-Jährige eine R 80 R und, wenn´s wintert, ein R 100 RS-Gespann fährt, kann er nur 5112 Euro pro Jahr von der Steuer absetzen. Hätte er ein Auto, wären es 11308 Euro, also mehr als das Doppelte.Woher kommt der riesige Unterschied? Ob mit Auto, Motorrad, Bahn oder per pedes - jeder Arbeitnehmer macht 36 Cents für die ersten zehn Kilometer und 40 Cents ab dem elften Kilometer geltend. An maximal 220 Tagen im Jahr. So weit, so gerecht.Mehr als 5112 Euro darf generell erst mal niemand von seinem Einkommen abziehen - außer Autofahrer. Daniel Hewer glaubte zunächst, dass sich das Bundesfinanzministerium bei dem alles entscheidenden Wort »Kraftwagen« im Einkommenssteuergesetz geirrt hätte. Doch der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags wies seine Eingabe zurück. Die Begründung: Das war Absicht. Denn die Kosten für die Nutzung eines Motorrads seien geringer als die für ein Auto. Inakzeptabel. Schließlich liegen zwischen Renault Twingo und Porsche Carrera auch Welten. Außerdem erklärt das Bundesfinanzministerium bei Bedarf auch das Gegenteil. Im Einführungsschreiben zur Entfernungspauschale vom 11. Dezember 2001 heißt es: »Ihrem Wesen als Pauschale entsprechend kommt es grundsätzlich nicht auf die Höhe der tatsächlichen Aufwendungen an.«Für die Widersprüchlichkeiten hat Daniel Hewer eine Erklärung: »Die haben Motorräder ganz einfach vergessen und behaupten jetzt, sie machen keine Fehler.« Hewer will gegen seinen Steuerbescheid 2001 Widerspruch einlegen und notfalls vor Gericht ziehen, bis der Bundesfinanzhof eine Entscheidung fällt. Noch aber hat er keinen Brief vom Finanzamt. »Als die Bundesregierung letztes Jahr die neue Regelung einführte, habe ich mich riesig gefreut«, sagt Hewer. Vorher waren die Pauschalen gestaffelt: Fußgänger (sieben Pfennig), Radfahrer (14 Pfennig), Autofahrer (70 Pfennig). Im Jahr 2000 konnte der Delmenhorster nur 33 Pfennig fürs Bike abrechnen, insgesamt waren es damals dennoch 9600 Mark. Jetzt sind´s 5112 Euro. Umgerechnet rund 10 000 Mark.

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