Entsorgung alter Bekleidung (Archivversion) Alles Müll?

Auch Motorradfahrer-Ausrüstung geht den Gang alles Irdischen - irgendwann ist sie hinüber. Stellt sich nur die Frage, wohin mit den ausgedienten Klamotten.

Alle fünf Jahre kleidet sich der durchschnittliche Motorradfahrer neu ein, so hat es die Zubehör-Industrie eruiert. Das bedeutet aber nicht, daß die komplette alte Garnitur reif für den Müll ist. Meistens verstauben die alten Sachen noch jahrelang im Keller, bevor sich der Eigentümer endgültig davon trennt. Oder es findet sich ein Abnehmer im Bekanntenkreis. Irgendwann ist es dann aber soweit, das Altmaterial muß weg. Aber wohin damit?MOTORRAD rief bei Umwelt- und Abfallberatungsstellen, Stadtreinigungen, Landratsämtern und bei Ämtern für Umweltschutz im ganzen Bundesgebiet an. Überall gab es die gleiche Antwort: Leder-, Textilbekleidung und Helme sind Hausmüll, dürfen daher und sollen sogar über die Mülltonne entsorgt werden. Von dort aus gelangen sie dann je nach Landkreis entweder in die Müllverbrennung oder auf Abfall-Deponien. Bei der Frage nach einem möglichen Recycling-Prozeß mußten die meisten Ansprechpartner passen.Viele Bekleidungs-Hersteller sind zwar bereit, alte Kleidung entgegenzunehmen, doch die zu geringen Stückzahlen verhindern sinnvolles Recycling. Also fliegen die gebrauchten Sachen auch bei ihnen auf den Müll. Bei alter Lederbekleidung ist das zu verschmerzen, da es außer Reißverschlüssen und Futterstoffen nichts zum Recyceln gibt. Wenn aber Kleidungsstücke aus Cordura, Nylon, Polyester oder anderen Kunststoffen im Ofen landen, gehen wertvolle Rohstoffe verloren.Optimal zu recycelnde Bekleidung besteht aus einem einzigen Kunststoff - also einschließlich Druckknöpfen, Reißverschlüssen und Fäden. Die Bestandteile dieser Kleidung müssen zur Wiederverwertung nicht aufwendig getrennt werden. Völlig sortenreine Motorradbekleidung herzustellen, ist bislang nicht möglich, da außer dem Tragekomfort und der Funktionalität noch Sicherheitsaspekte wie Schleif- und Aufprallschutz wichtig sind.Bei Motorrad-Helmen spielt Sicherheit eine noch größere Rolle. Deshalb sollten sich Motorradfahrer alle paar Jahre einen neuen Kopfschutz zulegen und das alte Exemplar entsorgen. Nachdem MOTORRAD bereits 1989 die Helm-Hersteller dazu aufrief, alte Helme zurückzunehmen, gehört der Rücknahme-Service inzwischen zum Standard. Wer allerdings meint, damit der Umwelt etwas Gutes zu tun, liegt daneben. Auch diese Kopfbedeckungen landen anschließend praktisch immer in der Mülltonne. Nur vereinzelt machen sich Hersteller die Mühe und zerlegen die Helme in ihre Bestandteile, um die Rohstoffe zu recyclen, wie beispielsweise die Firma Schuberth. Mehrere hundert Helme pro Jahr werden zurückgegeben und recycelt - in Anbetracht der verkauften Stückzahlen erschreckend wenig. Nach Angaben von Schuberth kann nur ein kleiner Gewichtsanteil von 8,5 Prozent nicht verwertet werden. Kunstleder, Metalle, Schaumstoffe, Styropor und Kunststoffe lassen sich hingegen wiederverwerten. Thermoplaste werden als Regranulat eingesetzt, und aus Duroplasten entstehen Gerüstbaubretter.Damit sich in Zukunft mehr Hersteller Gedanken über Recycling machen, sollte jeder Motorradfahrer versuchen, seine alten Klamotten und Helme dort abzugeben, wo er sie einst gekauft hat - auch wenn die Hersteller bislang weder zur Rücknahme noch zum Recyceln verpflichtet sind. Traurig, aber wahr: Solange das Warenkreislauf-Gesetz nicht umgesetzt wird -und das wird noch vieler Jahre dauern -, wandert alte Motorrad-Bekleidung fast immer auf den Müll.

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