Zwischen Erdbeben und Limetten

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Südamerika ist die grüne Hölle. Südamerika ist die Heimat der Inkas. Südamerika ist das Land der Anden. Südamerika – das sind Erdbeben, Drogenbarone, Guerilla-Kriege und Diktaturen. Der Subkontinent zwischen Karibik und Antarktis hat viele Gesichter, die hierzulande meist nur in festgefahrenen Klischees widergespiegelt werden. Oft bleibt es beim Bild eines von Naturkatastrophen und Gewalt geplagten Kontinents. Als Reiseziele haben südamerikanische Länder einen weniger populären Ruf, Ausnahme bildet vielleicht Brasilien mit seinem berühmten Karneval in Rio de Janeiro. Ansonsten: Bis auf einige Urlaubszentren ist europäischen Urlaubern Südamerika weitgehend unbekannt. Pauschaltouristen lassen sich hier kaum blicken.

Für Rucksacktouristen, Abenteurer und Kulturreisende ist Südamerika hingegen ein Eldorado: aktive Vulkane, schneebedeckte Berggipfel, dichter Urwald, dazu abseits gelegene Dörfer mit verwunderlichen Bräuchen der dort angesiedelten Menschen. Wer das Außerordentliche sucht, findet es in Südamerika. Tatsächlich trifft man in südamerikanischen Ländern auf viele der oben beschriebenen Klischees. Vor Ort – bei einem eisgekühlten Getränk mit frischen Limetten – erscheinen die manchmal beängstigenden Klischees in einem ganz anderen Licht. Eine gewisse Portion Abenteuer sollte der Reisende allerdings schon vertragen können.

Um sich ein besseres Bild der von MOTORRAD Unterwegs-Redakteur Michael Schröder und seiner Frau Franca Buzza bereisten Staaten machen zu können, sind an dieser Stelle kurze Beschreibungen aufgeführt, um die jeweiligen Länder zu charakterisieren. Sie ergänzen den gerade aktuellen Reisebericht und dienen als Übersicht und Orientierung für den Leser.
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Länderinfos: Peru - Peru – Auf den Spuren der Inkas

Man spricht Quechua – in Peru ist die ehemalige Sprache der Inkas offizielle Amtssprache und Pflichtfach an den Schulen. In keinem anderen Land Südamerikas trifft man im Alltag auf so viele Relikte aus dem Inka-Reich. Mehr als 5000 indianische Kommunen sind heute allein auf dem Hochland der peruanischen Anden angesiedelt, dazu kommen die zahlreichen Indianerstämme des Amazonas-Gebietes von Peru, die allerdings nicht von der alten Inka-Kultur geprägt sind. Mitten in den östlichen Anden Perus liegt das ehemalige religiöse Zentrum der Inkas, Machu Picchu. Von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert vergeblich gesucht, wurde die Kultstätte erst 1911 von einem Europäer entdeckt – damals komplett von der tropischen Vegetation überwachsen. Heute gehört die Inkastadt zum Weltkulturerbe und ist ein touristisches Highlight für Peru-Reisende.

Neben Machu Picchu stoßen Reisende in Peru auf eine Vielzahl von Artefakten der mythischen Welt der Inkas und anderer präkolumbianischer Kulturen: In der Nähe der Stadt Nazca liegt ein etwa 700 Quadratkilometer großes Gebiet mit den so genannten Nazca-Linien. Das sind Geoglyphen (Bodenmarkierungen), die vor über 700 Jahren in der regenarmen Pampa von San José von dem dort angesiedelten Küstenvolk gezogen wurden. Aus der Luft werden über 100 geometrische Figuren sichtbar, mit Ausmaßen von mehr als 100 Metern. Über die Bedeutung der seltsamen Erdzeichen wird bis heute spekuliert. Eine abenteuerliche Theorie lieferte der Populär-Wissenschaftler Hoimar von Ditfurth: Für ihn steht fest, dass in der Nähe von Nazca vor einigen Jahrhunderten Außerirdische mit ihren Ufos gelandet seien. Die Erdlinien dienten angeblich als Landemarkierung für die Raumschiffe der Besucher aus dem Weltall.

Grab- und andere Räuber
Sehr irdisch hingegen: In der wüstenartigen Pazifikküstenlandschaft Perus liegen offene Grabfelder mit Jahrhunderte alten Skeletten, die durch das extrem trockene Klima in dieser Region weitgehend konserviert sind. Die Grabstätten ziehen allerdings nicht nur Touristen in dieses Gebiet, sondern auch viele Grabräuber, die das Kulturerbe Stück für Stück abtragen und illegal an Privatsammler verkaufen. Überhaupt Räuber: Peru zählt nicht zu den sichersten Reiseländern Südamerikas. Gerade in größeren Städten sind Reisende häufig Opfer von Raub- und Diebstahlsdelikten. Einige Stadtteile der Millionenmetropole Lima, der Hauptstadt Perus, sind für Touristen ein heißes Pflaster, das es zu meiden gilt. Aber auch gerade in typischen Touristenzentren, wie der alten Inka-Hauptstadt Cuzco, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu gewaltsamen Raubüberfällen – derart gehäuft, dass sich die Stadtverwaltung veranlasst sah, eine eigene Touristenpolizei einzurichten. Mit Erfolg, denn in Cuzco ist die Kriminalitätsrate seitdem erheblich gesunken.

Für Individualreisende lauern auch abseits der großen Städte einige Gefahren: Der Sendero Luminoso (Guerillagruppe »Leuchtender Pfad«) kontrollierte noch bis vor ein paar Jahren ganze Landstriche und terrorisierte die Bevölkerung in den Dörfern, wenn diese nicht mit der Guerilla-Organisation kooperieren wollte. Anfang der Neunziger waren Massaker an der Zivilbevölkerung an der Tagesordnung und ausländische Touristen, die als Abenteurer in die entlegenen Gebiete reisten, als potenzielle Zeugen der Gewalttaten nicht gerade beliebt. Zwar hatte Präsident Alberto Fujimori mit seiner autoritären Politik der Gegengewalt die Guerillagruppen weitgehend auflösen können und deren Rädelsführer festnehmen lassen, doch hat sich vielerorts ein Klima der Gewalt durchgesetzt. Nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr ist die politische Situation in dem großen südamerikanischen Land wieder sehr instabil.

Heimat des Kondors
Abgesehen von den Sicherheitsrisiken ist Peru immer eine Reise wert. Mit seiner landschaftlichen und kulturellen Urtümlichkeit repräsentiert das Land den ganzen Kontinent: Dschungel, Hochanden, Wüsten und Küsten, zusammen mit der urtypischen Folklore auf den vielen Volksfesten, der traditionellen Bekleidung der indianischen Bevölkerung und den unzähligen Überbleibseln der ehemals vorherrschenden Inkakultur erzeugen beim Reisenden das Gefühl, in Peru das ganze Südamerika kennenlernen zu können. Hinzu kommen geographische Superlative: die bei Nazca liegende, mit 1000 Metern höchste Sanddüne des Kontinents, die weltweit längsten Wellen im Pazifik vor der Küste des Nordens oder der gewaltige Colca-Canyon in der Nähe der Stadt Arequipa, mit einer Tiefe von bis zu 3400 Metern doppelt so tief wie der Grand Canyon in den Vereinigten Staaten.

Der Colca-Canyon ist auch die Heimat des imposanten Anden-Kondors, des weltgrößten Greifvogels mit über drei Metern Flügel-Spannweite. In den verschiedenen Anden-Kulturen wurde – und wird – der Kondor als heiliges Tier verehrt, das als Götterbote Kontakt mit der »Oberen Welt« hat. Angesichts der Höhen von rund 5000 Metern, in denen sich der Kondor bewegt, ist der Mythos nachvollziehbar. Bedenkt man, dass in Peru viele Passstrassen auf einer Höhe von über 4000 Metern verlaufen, kommt man mit dem Motorrad dieser »Oberen Welt« schon recht nahe.

Länderinfos: Argentinien - Argentinien – Land der Superlativen

Argentinien ist ein Land der Superlativen, und dessen Bewohner behaupten stolz, es sei das Land der sechs Kontinente – eine kleine, aber sehr charmante Übertreibung. Egal. Wen es nun in das Land des Tangos und der Gauchos zieht, muss sich auf gewaltige Entfernungen einstellen: Argentinien ist so groß wie Westeuropa und verfügt über Regenwald, den höchsten Berg der Welt außerhalb des Himalaja, die schier unendlich weiten Grasflächen Patagoniens, riesige Salzseen und gewaltige Gletscher. Die brodelnde Metropole Buenos Aires gilt noch immer als das Paris Südamerikas. Leider gibt es einen Haken: das Preisniveau. Argentinien ist mit großem Abstand das teuerste Reiseland in Südamerika.

Tango, Steaks und Jugendstil
In keiner anderen Stadt Südamerikas finden sich im Zentrum mehr prachtvolle Cafés, mehr Museen und Theater, mehr atemberaubend schöne Häuserfassaden besonders im Jugendstil. Und: Im Gegensatz zu anderen Städten gilt Buenos Aires als relativ sicheres Pflaster für ausgedehnte Spaziergänge bis in die Nacht hinein. Ein Muss sind neben der lebhaften Fußgängerzone Calle Florida die beiden Stadtviertel San Telmo und La Boca. Im historischen San Telmo liegen viele der besten Kneipen und Restaurants und natürlich die attraktivsten Tango-Bars. Tipp: sonntags in San Telmo auf den Flohmarkt gehen. La Boca ist das pittoreske Hafenviertel, in dem sich überwiegend italienische Einwanderer niederließen – über die Hälfte aller Argentinier haben italienische Vorfahren. Noch ein Tipp: im Hafen die Häuser mit den bunten Wellblechfassaden anschauen und danach in einem der vielen guten Restaurants ein Steak bestellen. Argentinier lieben Fleisch über alles, und in manch einer Parrilla (Steakhaus) werden Steaks serviert, die mehr als ein halbes Kilo wiegen.

Hoch, höher, am Höchsten
Die höchsten Berggipfel Amerikas befinden sich im Nordwesten Argentiniens. Hier führen verwegene Schotterpässe bis auf Höhen von fast 5000 Metern. Der einzige asphaltierte Anden-Pass windet sich von Mendoza in Richtung Chile zwar nur auf eine Höhe von 3400 Metern, er führt aber am höchsten aller Berge Amerikas vorbei, dem 6959 Meter hohen Anconcagua. Ganz im Norden lockt die wunderschöne Kolonialstadt Salta. Hier beginnen die abenteuerlichsten Andentrips – auf einfachen Wegen geht's steil bergauf in die Puna, einer über 3600 Meter hoch gelegenen Bergwüste. Roter Fels und Stein, Kakteen und riesige, blendendweiße Salzseen bestimmen hier das Bild an den Grenzen zu Chile und Bolivien. Wer über ein eigenes Fahrzeug verfügt, entdeckt eine einzigartige Andenwelt. Ansonsten bietet sich eine Fahrt mit dem »Tren a las Nubes« an: Der »Zug in die Wolken« startet in der Stadt Salta und erreicht am zweiten Tag nach einer atemberaubend schönen Fahrt über bis zu 4500 Meter hohe Pässe schließlich das Bergnest Socompa, das in völliger Abgeschiedenheit hoch oben in den Anden liegt.

Patagonien – Was für ein Name! Und was für eine Region, die wie kaum eine andere die Fantasie vieler Reisenden angeregt hat. Nur wenige haben diesen Teil der Welt angemessen beschrieben; einer von ihnen war Bruce Chatwin. Sein Buch »In Patagonien« wurde zum Klassiker der Reiseliteratur. Patagonien erstreckt sich im Süden Argentiniens, ist etwa doppelt so groß wie Deutschland, und dort leben weniger Menschen als in der Stadt Hamburg. Wer Einsamkeit sucht und Sinn für gewaltige Naturschauspiele hat, ist hier an der richtigen Adresse.

Am Ende der Welt
In Patagonien startet man am besten im touristisch erschlossenen Bariloche auf der legendären Ruta 40, die sich auf der Nord-Süd-Achse durch ganz Argentinien erstreckt, und hält sich auf dieser Piste einfach Richtung Süden. Wenn einen nicht der Wind umhaut, der oft in Orkanstärken bläst, erreicht man irgendwann den Gletscher Perito Moreno, dessen senkrechte Eisfront etwa 70 Meter hoch aufragt und der zum sogenannten Patagonischen Inlandeis gehört, der größten Eisfläche außerhalb der beiden Polkappen. Bis heute hat noch niemand dieses unwirtliche Eismeer zu Fuß durchqueren können...

Zwei weitere markante Punkte im argentinischen Patagonien: die Granitspitzen Cerro Torre und Fitz Roy. Sie gehören heute noch für Bergsteiger zu den schwierigsten Gipfeln der Welt. Und schließlich, nach tagelanger staubiger Einsamkeit, erreicht der Reisende in dieser grandiosen Weite Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt auf der Insel Feuerland. Nicht mehr weit entfernt: Kap Hoorn, das südliche Ende der Welt.

Auf dem Weg entlang der Ostküste zurück nach Buenos Aires, kommt der Reisende an der Halbinsel Valdés vorbei, wo sich unzählige Pinguine, Seelöwen und regelmäßig auch Orcas tümmeln. Zwischen Juli und Dezember sammeln sich Hunderte von Glattwalen, um sich hier zu paaren. Weiter in Richtung Buenos Aires wird das Land grüner. Hier beginnt die Pampa, das Reich der Rinderbarone mit ihren herrschaftlichen Gutshäusern, den Estancias. Die Bevölkerung in dieser Region verehrt jedoch weniger die Großgrundbesitzer – die eigentlichen Helden des Landes sind die Gauchos, die als argentinische Cowboys weltweite Popularität erlangten und maßgeblich das Bild des stolzen Argentiniers prägen. Oft sieht man sie über dieses endlose flache Land reiten, das schon immer die reichste Region Argentiniens war.

Dschungel, Wasser und Ruinen
Der Nordosten Argentiniens ist die tropische Zone des Landes. Nahe der Grenzen zu Brasilien und Paraguay dominiert dichter Regenwald – und in diesem Dreiländereck befinden sich die Iguazú-Wasserfälle, das meistbesuchte Naturschauspiel Südamerikas. Auf einer Breite von drei Kilometern stürzen sich 270 Fälle bis zu 70 Meter in die Tiefe – ein schier unglaubliches Schauspiel, das man von Stegen und Brücken betrachten kann. Bei der Rückfahrt nach Buenos Aires passiert der Reisende die etwa 220 Kilometer entfernten Jesuiten-Mission San Ignacio Miní aus dem Jahr 1669. Die Überreste der einst gewaltigen Kathedrale waren komplett überwuchert und wurden erst vor kurzer Zeit von der Vegetation befreit. Ebenfalls in Argentinien möglich: eine Bootstour durch ein gigantisches Sumpfgebiet, den Esteros de Iberá. Alligatoren und exotische Vögel sind auf dieser Tour inklusive. Wer bei dieser Vielfalt an Sehenswürdigkeiten durch Argentinien reisen möchte, sollte neben einer gut gefüllten Geldbörse viel Zeit mitbringen. Oder eine strenge Vorauswahl der touristischen Highlights treffen, denn das Land ist für einen Kurzurlaub einfach zu groß.

Länderinfos: Chile - Chile – Schmaler, schöner Streifen

»Chile, Chile lindo!« – heißt es in einem Volkslied, das gerne bei allen möglichen Anlässen von den patriotischen Chilenen gesungen wird. Frei übersetzt: »Du wunderschönes Chile!« So kurz lässt sich auch das südamerikanische Land charakterisieren. Kaum ein anderes Land dieser Erde bietet so viel landschaftliche Vielfalt und Schönheit wie Chile. Mit knapp 4300 Kilometern Länge von Norden nach Süden und nur etwa 400 Kilometern Breite von Westen nach Osten ist Chile das relativ längste Land der Erde. Dieser schmale Streifen geizt allerdings nicht mit geographischen Superlativen: Ganz im Norden liegt der höchstgelegene See der Welt, der Lago Chungara, auf einer Höhe von rund 4600 Metern. Ebenso im Norden erstreckt sich die trockenste Wüste der Welt, die Atacama. Bizarre Felsformationen, schneebedeckte Andengipfel und ein kristallklarer blauer Himmel sowie langgezogene Sandstrände formen das Panorama bei der Fahrt durch diese Region. Hier liegen Hochgebirge und Meerestiefen nur wenige hundert Kilometer auseinander – mit rund 14 000 Metern ist das der größte Höhenunterschied auf der Erdoberfläche.

Dichte Besiedelung findet der Reisende hier nur in den Hafenstädten an der westlichen Pazifikseite vor, ansonsten eignen sich kleinere Oasen für Zwischenstopps, wie zum Beispiel das Örtchen San Pedro de Atacama mit seiner touristischen Infrastruktur. Wer abseits asphaltierter Straßen das Land erkunden möchte, hat in der Atacama-Wüste auf Schotterpisten genügend Möglichkeiten dazu. Ein besonderes Erlebnis ist eine Übernachtung im Freien, denn das Sternenfirmament zeigt sich in diesem Teil der Welt von seiner prachtvollsten Seite. Viele Astronomen pilgern hierher – bei La Serena stehen bedeutende Sternwarten für internationale Forscherteams zur Verfügung.

Wein und Ski
Chiles Hauptstadt Santiago mit seinen etwa sechs Millionen Einwohnern liegt geographisch fast genau in der Mitte des Landes. Mit dem eigenen Fahrzeug entkommt man relativ schnell dem Großstadtgetümmel und kann sich zu weiteren landschaftlichen Highlights aufmachen: In der Region rund um Santiago sind die bedeutensten Weinbaugebiete des Landes zu finden, darunter das berühmte Maipo-Tal. Dank eines günstigen mediterranen Klimas haben die chilenischen Winzer in den vergangenen zwei Jahrzehnten einige Geheimfavoriten auf den Markt gebracht, die den wesentlichen teureren französischen Bordeaux-Weinen schwer Konkurrenz machen. Gleichzeitig sind verschiedene Badeorte an der Pazifikküste und Skigebiete in den Anden rund um Santiago ideale Tagesziele.

Weiter südlich beginnt das Seengebiet von Chile. Reisende aus deutschsprachigen Ländern werden sich über Schilder und viele Hinweise in ihrer Muttersprache wundern. Im letzten Jahrhundert haben sich deutschstämmige Emigranten in der Region niedergelassen, weil sie hier ähnliche landwirtschaftliche Bedingungen wie zu Hause vorgefunden haben. »Kuchen de Manzana« (Apfelstrudel) oder »Lomo de Kassel« (Kassler-Aufschnitt) und andere Spezialitäten in Restaurants und Supermärkten erinnern im sogenannten Kleinen Süden Chiles noch heute an den Einfluss der Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Erlebnis Vulkanlandschaft
Ganz und gar nicht eingewandert: die Flora und Fauna im Süden Chiles. Hier schützt die Regierung große Teile der ursprünglichen Natur durch Nationalparks. Ausgewiesene Wanderwege führen durch Primärwälder, die seltenen Tieren eine Heimat bieten. Besonders reizvoll in dieser Region Chiles: die vielen Seen und Vulkane. Im Seengebiet verbringen die Chilenen zur Ferienzeit (Januar bis März) besonders gern ihren Sommerurlaub; in dieser Zeit sind Urlaubsorte wie das Städtchen Pucon am Fuß des aktiven Vulkans Villarrica mit einheimischen Urlaubern gefüllt. Außerhalb der Saison finden sich in dem Gebiet jedoch viele touristische Einode.

Noch weiter südlich wird die Landschaft und das Klima rauer. In der Hafenstadt Puerto Montt endet die legendäre Kontinentalstraße Panamericana. Ab hier beginnt das chilenische Patagonien, der südlichste und fast unbewohnte Teil des Landes. Diese Region Chiles befahren Reisende meist per Schiff. Zwar hat Diktator Augusto Pinochet in den achtziger Jahren die Carretera Austral als Verbindungsstraße in den weniger erschlossenen Süden bauen lassen, um neue Siedler in das unwirtliche Patagonien zu locken, nur ist die Schotterpiste bis heute für den normalen Reiseverkehr recht abenteuerlich – Enduro-Fans kommen allerdings voll auf ihre Kosten.

Adios Pinochet – Buenos Dias Demokratie
Zum Thema Diktatur: General Pinochet putschte sich 1973 an die Macht und gab diese bis 1990 nicht aus den Händen. In diesen Jahren flüchteten viele chilenische Regime-Gegner ins Ausland, da unter Pinochets Herrschaft Mord und Folter zum Tagesgeschäft der Polizei und des Militärs gehörten. Auch Reisende aus dem Ausland hatten zu jener Zeit des öfteren Probleme mit den Staatsorganen, wenn vermutet wurde, dass der Reisende mit der Demokratie-Bewegung sympathisierte.

Dieses Chile gehört seit zehn Jahren der Vergangenheit an. Chile zählt heute in Südamerika zu den demokratischeren Ländern. Wirtschaft und Politik sind stabil, und der durchschnittliche Lebensstandard ist vergleichbar mit vielen europäischen Ländern. Schulbildung, Gesundheitswesen und die Verkehrsinfrastruktur in den dichter besiedelten Gebieten sind vorbildlich. Reisende aus dem Ausland sind in der Regel sehr herzlich willkommen, und gerade jüngere Chilenen sprechen auch Englisch. Beim Thema Diktatur reagieren jedoch viele Chilenen – besonders die älteren – oftmals empfindlich. Nicht alle teilen die Meinung, dass sich die Lage Chiles seit der Demokratisierung im Jahr 1990 verbessert habe – höhere Arbeitslosigkeit und steigende Kriminalität halten die Anhänger des Ex-Diktators Pinochet für die Folge des liberalen politischen und wirtschaftlichen Kurses der Regierung.

In einer Sache sind sich die Chilenen allerdings einig: Dass sie im schönsten Land dieser Erde leben. Zum Nationalfeiertag am 18. September, bei den beliebten »Asados« (Grillfesten) und auf anderen Feierlichkeiten schwärmen die Menschen bei Wein, Pisco Sour (Anis-Schnaps) und Empanadas (gefüllten Teigtaschen) häufig von den Bergen, den Seen und der Meeresküste in ihrem Land – und stimmen das bekannte Lied »Chile, Chile lindo!« an. Reisende, die die mannigfaltigen Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten und die ursprüngliche Natur des Landes kennengelernt haben, wissen, warum die gastfreundlichen Chilenen so von ihrem Land begeistert sind.

Länderinfos: Bolivien - Bolivien – Wie in einer anderen Zeit

Wer durch Bolivien reist, bekommt manchmal den Eindruck, er befinde sich nicht nur in einem fremden Land, sondern auch in einer anderen Zeit. In Potosí, der einst reichsten Stadt der Welt, arbeiten die Menschen in den Silberminen teilweise heute noch wie zur Zeit der frühen Industrialisierung. Die Minenarbeiter malochen sich mit einfachsten Hilfsmitteln durch die harten Gesteinsschichten, immer auf der Suche nach dem großen Glück, einer Silber-Ader, die sie zu reichen Männern machen würde. Den Mund voll Koka-Blätter, die Hunger und Schmerzen vertreiben sollen, ausgerüstet mit Hammer und einem langen Eisendorn, schlagen die Männer Löcher ins Gestein, in die das Dynamit – übrigens genau wie die Koka-Blätter auf dem Markt frei verkäuflich – gesteckt wird, und sprengen sich ein Stück weiter im Silberberg nach vorn. Oder genauer: nach unten. Die Stollen reichen zig Meter tief, unerträgliche Temperaturen und Staub nehmen die Minenarbeiter in Kauf, um ein paar Mark zu verdienen.

Die durchschnittliche Lebenserwartung dieser Männer liegt bei etwa 40 Jahren, das ist vergleichbar mit der Lebenserwartung der Menschen im europäischen Mittelalter. Auch sonst erinnert in Bolivien vieles an vergangene Jahrhunderte: Auf dem Land und selbst in vielen Teilen der Städte ist der Begriff Kanalisation ein Fremdwort. Dementsprechend hat die Bevölkerung häufig mit hygienebedingten Erkrankungen zu kämpfen. Cholera, Typhus und unterschiedliche Magen- und Darmkrankheiten tragen nicht zuletzt auch zu der Säuglings- und Kindersterblichkeit bei, die in Bolivien rund zehn Mal höher ist als in Deutschland.

Abenteuer pur
Reisen in die Dritte Welt werden oft automatisch zu Abenteuerreisen, da eine lückenlose Versorgung nicht immer garantiert ist. Eine Motorradreise nach Bolivien ist auf jeden Fall ein Abenteuer, denn der Fahrer muss nicht nur auf die wenigen Tankmöglichkeiten achten, sondern auch auf die waghalsigen Busfahrer, die mit ihren Gefährten gnadenlos im Express-Tempo die Passstraßen hinauf und hinunter jagen – meist besteht der Straßenbelag lediglich aus Schotter. Viele Gebiete besitzen überhaupt kein Straßennetz, zum Beispiel die größte Salzwüste der Welt, Salar de Uyuni, im Süden des Landes. Hier kämpfen sich Jeeps und Lastwagen auf in Landkarten nicht eingezeichneten Pisten durch das karge Hochland – die Rallye Paris-Dakar lässt grüßen. In Dörfern auf über 4000 Metern Höhe bieten kleine Privatpensionen eine Unterkunft. Eine Alternative für Abenteurer, bei der ihnen höchstens freilaufende Lamas Gesellschaft leisten, ist die Übernachtung im Freien. Die sollte allerdings gut überlegt sein, denn nachts fällt die Temperatur auf dem Altiplano, dem bolivianischen Hochland, schnell auf Minus 15 Grad.

Wem das zu kalt ist, dem stehen noch zwei Drittel des Landes offen: Der Großteil des Landes gehört zum bolivianischen Tiefland, das sich aus dem tropischen Amazonas-Gebiet, der Buschsteppe Gran Chaco und dem Sumpfgebiet Pantanal an der Grenze zu Brasilien und Paraguay zusammensetzt. Im Tiefland kommt der kleine Tierfreund voll auf seine Kosten: Krokodile, Flussdelphine, Anacondas, Affen, bunte Papageien und andere exotische Kreaturen sind in freier Wildbahn zu beobachten. Allerdings auch unzählige Moskitos, die dem Reisenden das Leben schwer machen. In der Regenzeit (November bis März) ist dieses Gebiet mit einem Landfahrzeug kaum befahrbar.

Kultur pur
In den Städten ein anderes Bild: La Paz, die Stadt des Friedens, ist die höchst gelegene Hauptstadt der Welt und auf einer Höhe von 3600 Metern fast frei von lästigen Moskitos. Mit knapp über einer Millionen Einwohnern ist die Kapitale noch recht überschaubar. Kinos, Restaurants und bunte Märkte mit Handarbeiten der indianischen Bevölkerung sorgen für Abwechslung in der ansonsten recht ruhigen Stadt.

Von La Paz aus lassen sich Bergtouren zu den schneebedeckten Andengipfeln mit einer Höhe von über 6000 Metern vergleichsweise einfach und preisgünstig realisieren – vorausgesetzt, die Höhe macht einem nicht zu schaffen. Auch nicht weit entfernt von La Paz: der Lago Titicaca, der größte See Lateinamerikas, und Tiwanaku, die wichtigste präkolumbianische Kulturstätte in Bolivien. Am Titicaca-See mit seinem überwiegend trockenen Klima bieten sich dem Reisenden im kleinen Städtchen Copacabana einige touristische Möglichkeiten, wie zum Beispiel eine Bootsfahrt auf die Isla del Sol, eine Inka-Kultstätte. Die Sonneninsel mit ihren historischen Terrassen aus der Zeit der Inkas ist für grandiose Sonnenuntergänge mit einem imposanten Andenpanorama bekannt.

Bolivien: Land abseits von Pauschaltourismus
Trotz der offensichtlichen Armut sind die Bolivianer den Touristen aus den reichen Industrieländern sehr wohl gesonnen. Kriminalität gegenüber Reisenden ist – anders als in vielen anderen südamerikanischen Staaten – eher untypisch. Die größten Gefahren für den Reisenden lauern in dem oft unhygienisch zubereiteten Essen und auf den Straßen im Hochland. Auf den unbefestigten Pisten am Rande von mehreren hundert Metern tiefen Schluchten kommen täglich viele Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Hier mit einem eigenen Fahrzeug zu reisen, erfordert einen gewissen Mut – Alternativrouten gibt es selten. Eine oftmals unberührte Natur in Bolivien entschädigt aber für das Wagnis.

Länderinfos: Ecuador - Ecuador – Anden und Tropen

Ecuador ist überall: Ecuador ist in Hamburg oder Berlin, genauso wie in Buxtehude oder Memmingen. Ecuador ist Panflöte, Woll-Poncho und das Lied »El Condor pasa«. Fast jeder kennt die ecuadorianschen Folklore-Gruppen, die auf Marktplätzen, in Fußgängerzonen oder in der Bahnhofshalle ihr Liedgut aus den Anden zum Besten geben. Es scheint, als seien fast alle Hochland-Indianer des südamerikanischen Landes in Europa unterwegs, um auf öffentlichen Plätzen und Volksfesten als Straßenmusiker ihr Brot zu verdienen.

Wer allerdings wirklich nur diese überzeichnete und klischeehafte Vorstellung von Ecuador im Kopf hat, der sollte dringend in das vergleichsweise kleine Land auf dem südamerikanischen Kontinent reisen und sich selbst ein Bild machen. Zwar wird er auch dort allerorts auf die folkloristischen Musikgruppen treffen, allerdings bietet das Land neben diesem kleinen Ausschnitt indianischer Kultur weitaus mehr: eine abwechslungsreiche Landschaft und eine Flora und Fauna, die ihres Gleichen sucht.

Ecuador ist Südamerika im Kleinformat. Mit einer Fläche von rund 280.000 Quadratkilometern etwa so groß wie Großbritannien oder Italien, finden sich in Ecuador fast alle Landschaftstypen Südamerikas wieder: im Nordwesten und im Osten dichter Dschungel, im Südwesten die trockene Küstenlandschaft am Pazifik. Und im zentralen Ecuador bilden die Anden als Hochgebirge mit Berggipfeln von über 6000 Metern quasi das Rückgrat des Landes. Dazwischen: fruchtbare Täler und ein vegetationsreiches Hochland, wo Kulturpflanzen wie Kaffee und Bananen gedeihen. Affen, Papageien, Raubkatzen und andere Exoten gehören in Ecuador genau wie Lamas, Kondore und Pelikane zum Repertoire einer vielfältigen Tierwelt.

Erste Wahl für Südamerika-Einsteiger
Die biologische Vielfalt auf dichtem Raum ist es auch, die viele ausländische Besucher in das Land führt. In Ecuador reicht ein relativ kurzer Urlaub aus, um das Land und seine Attraktionen weitgehend kennenzulernen. Grund genug für viele Südamerika-Einsteiger, das Land am Äquator als bevorzugtes Reiseziel auszuwählen. Die Ecuadorianer haben sich das zu Nutze gemacht und eine entsprechende touristische Infrastruktur auf die Beine gestellt. Besonders reizvoll für Naturfreunde: ein Abstecher zu den Galapagos-Inseln, die sich durch eine einmalige Artenvielfalt der dort angesiedelten Tierwelt auszeichnen. Reiseveranstalter, die sich auf Öko-Tourismus spezialisiert haben, bieten mehrtägige Ausflüge in das Naturschutzgebiet an.

Öko-Tourismus ist auch das Stichwort, mit dem die Reisenden geworben werden. Zwar hat Ecuador einige passable Sandstrände vorzuweisen, an die es Surfer und Sonnenanbeter aus aller Welt zieht, doch das touristische Hauptgeschäft liegt im Landesinneren. Touren in den Regenwald mit Besichtigungen von Tierbeobachtungsstationen, von Biologen geführte Exkursionen in die mystischen Nebelwälder im Süden des Landes oder Trekkingtouren zu den zahlreichen Vulkanen im Land – nur einige Beispiele für touristische Angebote, die zeigen, dass es in Ecuador an Alternativen zu einem Pauschalurlaub nicht mangelt.

Prima leben und sparen
Dabei sind die Angebote recht günstig. Oft sind Verpflegung und Unterkunft in den Kosten für die Tour enthalten, ein einheimischer Tourguide macht es den Reisenden leicht, ihr persönliches Südamerika-Abenteuer in den Anden oder im Dschungel zu erleben. Und selbst von Europäern und Amerikanern geführte Touren, Hotels oder Restaurants unterscheiden sich preislich kaum von einheimischen Anbietern. Die in Ecuador angesiedelten Gringos – so werden Ausländer mit heller Hautfarbe gern genannt – sind oft Aussteiger, die, weit weg von ihren industriellen Heimatländern, ihren Traum vom einfachen Leben in der Natur erfüllen wollen. Selbst in der tiefsten Provinz findet sich daher neben den äußerst günstigen einheimischen Hotels und Restaurants auch meist ein preiswertes vegetarisches Restaurant oder eine Pizzeria – mit einem Aussteiger als Inhaber. Für Reisende, denen das Standard-Menü Pollo con Arroz (Huhn mit Reis) oder die ecuadorianische Spezialität Cuí (Meerschweinchen) nicht schmecken, sind die Gringo-Restaurants eine willkommene Abwechslung.

Während die preiswerten Unterkünfte und gastronomischen Möglichkeiten für den Reisenden nur Vorteile bieten, haben die Touren-Sonderangebote oft ihre Schattenseiten: Im Wettbewerb um die Kunden vergessen manche Anbieter häufig, entsprechende Sicherheitsstandards einzuhalten. So werden zum Beispiel Touren auf Vulkane, wie dem höchsten Berg des Landes, dem Chimborazo (6310 Meter), inflationär und ohne Rücksicht auf die Kondition der Teilnehmer durchgeführt. In diesen extremen Höhen werden Touristen deshalb öfter mal zu Opfern der vielerorts unterschätzten Höhenkrankheit – teilweise mit tödlichem Ausgang. Dennoch: Kaum anderswo auf der Erde lassen sich derart hohe Berge so komfortabel besteigen.

Folkloristischer Großmarkt
In Ecuador kommen allerdings nicht nur Gipfelstürmer und Outdoor-Freaks auf ihre Kosten. Die Städte mit einer Mischung aus kolonialem Baustil und indianischer Kultur bieten den Reisenden einen besonderen Reiz – Quito zählt beispielsweise zu den schönsten Hauptstädten Lateinamerikas. In jeder größeren Stadt und in touristischen Zentren bietet die indianische Bevölkerung ihre Handarbeiten an, und ansässige Folkloregruppen unterhalten die Marktbesucher mit Musik und Tänzen aus der Andenregion. Der größte und populärste südamerikanische Markt für handgearbeitete indianische Schmuck- und Kleidungsstücke befindet sich in dem 100 Kilometer von Quito entfernten Ort Otavalo. Das in Otavalo gefertigte »Artesania« (Kunsthandwerk) wird auch nach Europa exportiert und hierzulande auf Weihnachtsmärkten oder in Eine-Welt-Läden vertrieben – zu einem vielfachen Preis, versteht sich.

Für Motorrad-Reisende ist ein Einkauf von voluminösen Lama-Decken, Ponchos oder handgearbeiteten Holzinstrumenten aus Platzmangel hingegen weniger empfehlenswert. Auch wenn das Verkehrsnetz im Land – abgesehen von dem östlichen Amazonasgebiet – überwiegend gut ausgebaut ist, sind längst nicht alle Straßen asphaltiert. Jedes überflüssige Kilo Gepäck am Motorrad stört auf den Schotter- und Sandpisten – und kann nach Regenfällen das Schieben durch aufgeweichten Boden zur Tortur machen. Motorrad-Reisende werden allerdings auch kaum wegen des preiswerten Kunsthandwerks eine Reise durch Ecuador unternehmen, sondern eher wegen des atemberaubenden Anden-Panoramas.

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