Ergebnisse der Aktion Leser testen selbst (Archivversion) Loveparade

Motorradfahrer sind ein buntes Völkchen, die das Leben lieben und ihre Bikes. Hier die Liebesbeweise der Supersport- und Tourensportfahrer der Aktion »Leser testen selbst«.

Ducati 916-Fahrer Manfred P. springt hart mit den Konstrukteuren im fernen Bologna um. »Für fast 30000 Mark kann ich wohl eine anständige Bremse verlangen.« Schimpft und marschiert zum Tuner, um sich und seiner Duc eine sündhaft teure Brembo-Radialpumpe und ein paar stahlummantelte Leitungen zu gönnen. Kein Wunder, daß die Ducatisten bei derart kostspieligen Umrüstungen ihrer Lieblingsmarke nicht unbedingt Bestnoten geben. Wenn sie trotzdem zu den markentreusten Vertretern der Bikerspezies gehören, nennt man das wohl Haßliebe. »Was soll ich mit einem Japaner. Das ist doch ein langweiliges Einerlei«, konstatiert Ferdi aus F. stellvertretend für immerhin 56 Prozent der Ducati-Fahrer, denen der Kauf eines Motorrads einer anderen Marke überhaupt nicht in den Sinn kommt. BMW-Eigentümer, denen man gern das Tragen weißblauer Unterwäsche nachsagt, hängen noch ärger an ihren Gefährten - 59 Prozent wollen nichts als BMW und abermals BMW. Erst recht die Harley-Besitzer. Diese Zeitgenossen kaufen eine Gußeiserne samt dem Duft der großen weiten Welt, und dann sind sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Oder leiden sie etwa unter Schizophrenie? Denn die Bewertung ihrer Maschinen gerät eher negativ. Doch davon mehr im nächsten Teil der Auswertung der Aktion »Leser testen selbst«.In Heft acht und neun hatte die Redaktion die schon traditionelle Befragung der Leser gestartet und wieder eine riesige Begeisterung entfacht. Sicher nicht zuletzt wegen der schönen Motorräder, die es zu gewinnen gab. Diese Glücklichen werden übrigens gerade ausgelost. 38 000 Leser hatten sich die Mühe gemacht, die unzähligen Fragen zu ihren fahrbaren Untersätzen zu beantworten. Immerhin 18 Kriterien waren in der Bandbreite von -2 bis +2 zu bewerten. Dazu gab`s noch Extrapunkte für besondere Vorteile oder Minuspunkte für sehr schlechte Eigenschaften. Hier im ersten Teil der Auswertung sehen Sie auf einen Blick, wie die Sportfraktion geurteilt hat. Des besseren Überblicks wegen sind die Zweizylinder- Sportmotorräder zusammengefaßt, ebenso die maßgeblichen Vierzylinder-Sportgeräte und zuletzt die sogenannten Tourensportler. Alle bewerteten Motorräder liegen im Durchschnitt über 18 Kriterien im positiven Bereich, wenngleich die Unterschiede doch erheblich sind. Spitzenreiter unter den Zweizylindern ist ganz eindeutig die BMW R 1100 RS, die mit dem Durchschnittswert von 1,02 die Konkurrenz weit hinter sich läßt. Allerdings sollte man nicht vergessen, daß BMW-Fahrer gern durch ihre weißblaue Brille zu blicken pflegen. So einer wie Arthur P. aus Berlin. Er war bereits zweimal im BMW-Werk in Spandau und kann nicht einsehen, warum er etwas anderes als eine Gummikuh fahren soll. »Mein Vater hat mich schon im Beiwagen seiner R 60 mitgenommen. Ich bin eben BMW-geprägt.« Der Blick durch die rosarote Markenbrille ist auch Fahrern anderer Marken zueigen. Dennoch Lob für BMW; auch weil die Bayern als einzige eine anständige Abgasreinigung zu bieten haben. Am Ende der Zweizylinderliste stuften die Besitzer ihre Suzuki TL 1000 S ein, was weder Hersteller noch Importeur wundern dürfte. Denn sie hat einfach zu viele Kinderkrankheiten. Allerdings hat Suzuki erheblich nachgebessert, weswegen überarbeitete TL 1000 aufgrund ihres niedrigen Gebrauchtpreises echte Schnäppchen sein dürften. Die Anhänglichkeit der Suzuki-Fahrer hält sich ohnehin sehr in Grenzen. Offenbar konnte diese japanische Firma kein beständiges, eindeutiges Image aufbauen, sonst würden nicht bloß 35 Prozent zur Marke stehen, dem niedrigsten Wert unter den Befragten.»Ich fahre Suzuki, weil ich da ein richtig schnelles Motorrad für relativ wenig Geld bekomme«, schreibt GSX-R 750-Fahrer Stefan P. aus Bremen. »Kann aber sein, daß ich mir nächstes Jahr die Yamaha R1 zulege.« Qualität zahlt sich auf Dauer aus. Die Früchte hoher Verarbeitungsgüte und hoher Modellkonstanz spiegeln sich auch in der Bewertung der vierzylindrigen Supersportler wieder. Hier konnte Hondas CBR 900 RR mit der Note 0,94 den Vogel abschießen. Erster Erfolg für die Marke Triumph, die sich ebenfalls möglichst hohe Verarbeitungsqualität auf die Fahnen geschrieben hat: Die Daytona 595 T liegt an zweiter Position. Alle Achtung für die noch junge Marke. In der Kategorie der Sporttourer liegt schon wieder eine BMW vorn: die K 1200 RS. Trotz des enormen Preises von fast 30 000 Mark und des beachtlichen Gewichts lobten ihre Besitzer das Motorrad auf den unangefochtenen Spitzenplatz aller Teilnehmer: Note 1,09. Der deutsche Renommierhersteller schafft es eben immer wieder, in der Summe der Eigenschaften das meiste zu bieten. Und die Fans bei der Stange zu halten - siehe Markentreue. Dazu eine Information am Rande: Die Besitzer von Sportourern gehören mit dem Durschnittsalter von 35,2 Jahren zu den Mittelalten unter den Befragten. Die Ältesten kauern auf den Stufensitzbänken der Cruiser (38,1 Jahre), während sich die Jüngsten hinter die engen Vollverkleidungen ihrer Supersportler krümmen (32,1 Jahre). Noch zwei statistische Erkenntnisse möchte der Redakteur über das illustre Völkchen heutiger Biker loswerden, bevor die Excel-Dateien bis zur Fortsetzungsgeschichte über Enduros, Tourer, Funbikes und Mittelklasse-Maschinen zugeklickt werden. Wieviele Frauen haben unter den 38000 Teilnehmern ihre Testbögen abgeschickt? 4180 gleich 11 Prozent. Wieviele Kilometer legen die Biker durchschnittlich pro Jahr zurück? 9100 Kilometer. Wie sich`s genau aufteilt, sehen Sie auf Seite 50 oben.Alle Daten der Aktion »Leser testen selbst« sind im Internet unter http://www.motorradonline.de zu finden.

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