Ergebnisse der Aktion »Leser testen selbst“ (Archivversion)

Großer Durchblick

23136 Motorradfahrerinnen und -fahrer, allesamt MOTORRAD-Leser, können nicht irren. Ihr Testurteil über die eigenen Motorräder ist für die Produzenten spannende Lektüre.

Keine Motorradmarke spaltet die Biker so in unbeirrbare Verfechter und abgrundtiefe Hasser wie die weißblaue. BMW lässt niemanden kalt. Wie schön für die Bayern. Nichts ist schlimmer als Gleichgültigkeit. Die Aktion »Leser testen selbst«, zu der MOTORRAD im Frühjahr (Hefte 10 und 11) aufgerufen hatte, bringt die Verbundenheit der BMW-Fahrer zu ihrer Marke klar zum Ausdruck. 69 Prozent haben auf die Frage, ob sie als nächstes Motorrad wieder eine BMW kaufen würden, mit ja geantwortet. Eine stolze Zahl. Nur 21 Prozent wollten das Fabrikat wechseln. Die Zukunft der Marke mit dem Propeller ist gesichert.Bei anderen steht sie in den Sternen. Die Wechselwähler nicht nur in der Politik gefürchtet, weil unberechenbar, tummeln sich zuhauf unter der Kundschaft der japanischen Marken. So möchten 40 Prozent aller befragten Honda-Fahrer demnächst zu einer anderen Firma konvertieren. Gar 60 Prozent der Kawasaki-Fahrer tragen sich mit ernsten Abwanderungsgedanken. Nur wohin? Und warum? Für dieses Wissen würden die Firmenchefs ihre Aktiendepots verpfänden. Erst recht interessiert die Hersteller brennend, was die Käufer von ihren Maschinen halten. Kein Problem: Die MOTORRAD-Leser schreiben es auf. Wenn die Kawasaki ZX-9R mit dem Wert 0,85 den letzten Platz bei den Sportlern belegt, könnte es zum Beispiel daran liegen:»Bei Kilometerstand 25000 ließ ich nach einer Autobahnfahrt meine Dicke an einer roten Ampel verschnaufen, als mir plötzlich ganz warm am rechten Stiefel wurde« (Leser Götz R.). Nun ja, wir wollen es nicht vertiefen. Da ging was kaputt. Auch kleine Unzulänglichkeiten lassen sich vor den Hobbytestern nicht verbergen. Student Rüdiger K. etwa schwärmt vom »exklusiven Feeling« seiner Triumph Daytona, gibt aber zu bedenken, dass es angebracht sei, Kinder vor dem Kauf zu zeugen, da »das starke Aufheizen im Schritt sicherlich nicht potenzfördend« sei. Wie die versammelte Testcrew die Triumph sieht, steht in der Grafik auf dieser Seite: Bewertung 1,23, die höchste aller bewerteten Motorräder.Bei den beliebten Tourensportlern würde die gelbe Zitrone zweifelsfrei Ducatis ST2 ergattern, deren bescheidener Durchschnittswert von 0,6 aus negativen Bewertungen in Sachen Betriebskosten, Verarbeitung, Zuverlässigkeit und Bremsen, um ein paar Punkte zu nennen, resultiert. Auf dem zweiten Rang dieser Gruppe steht die Suzuki Hayabusa, die – wer wollte es bezweifeln – durch ihre exorbitanten Fahrleistungen, gepaart mit Zuverlässigkeit, Handlichkeit, Fahrverhalten, brilliert. Note 1,01. Das beste Urteil fuhr die Honda VFR ein, ein Allround-Könner. Durchschnittsnote 1,17. Vielfahrerin Angela H. stört sich am Schieberuckeln und dem hohen Benzindurst ihrer BMW K 1200 RS und muss sich mit ihren 1,63 Metern Körpergröße »genau überlegen, wie ich sie abstelle«. Dennoch macht ihr das Schwergewicht »rundum Spaß«. BMW stehen in der Gruppe der Enduros und in der Kategorie Naked Bikes auf dem Siegertreppchen. Der Bestseller R 1150 GS erreicht die Note 1,20, ist den Besitzern allerdings zu teuer in Anschaffung und Betrieb, während an dem Roadster R 850 R hauptsächlich der nicht vorhandene Sound bemängelt wird. Noch etwas zu den Kaufmotiven der Leser: die meistgenannten Gründe heißen Aussehen/Styling (60 Prozent), Motor (50), Fahrverhalten und Zuverlässigkeit (je 34). Die Verarbeitung steht erst an neunter Stelle, der Sound an zehnter. Und die Leser wissen, wovon sie sprechen, denn sie fahren im Durchschnitt 8400 Kilometer pro Jahr, 27 Prozent sogar 10000 bis 15000 Kilometer.
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Stärken und Schwächen (Archivversion)

18 Kriterien am eigenen Motorrad – von A wie Abgasverhalten bis Z wie Zuverlässigkeit - und Noten von -2 (gar nicht zufrieden) bis +2 (rundum zufrieden) waren zu vergeben. Ein Extrapunkt in positiver oder negativer Hinsicht konnte obendrauf gepackt werden, wenn etwas außergewöhnlich gut oder schlecht bewertet wurde. Der unter der Grafik stehende Mittelwert (Beispiel Triumph Speed Triple: 1,03) besagt, dass dieses Motorrad in der Summe seiner Eigenschaften mit plus 1,03 (1,0 wäre »ziemlich zufrieden«) im positiven Bereich liegt. Die einzelnen waagrechten Balken zeigen an, wie weit das jeweilige Kriterium über oder unter dem Durchschnittswert liegt

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