Ersatzteilbeschaffung für Exoten (Archivversion) Rare Ware

Ein Motorrad zu besitzen, das nicht an jeder Ecke steht, hat seinen Reiz. Doch beim Gedanken an
die möglicherweise schwierige Ersatzteilversorgung schrecken viele vor dem Kauf zurück. Zu Recht?

Mit einem Exoten laufe man doch ständig Gefahr, irgendwann vor
einem unfahrbaren Haufen Motorrad zu stehen. Meinen rein vernunftgesteuerte Menschen und würden sich nie so eine
Maschine zulegen. Ob das generell stimmt, wollte MOTORRAD herausfinden und hat anhand vier konstruierter Beispiele recherchiert, auf welche Unwägbarkeiten man
bei der Teilesuche tatsächlich stößt. Hier die Kandidaten (Ergebnisse siehe Kasten):
Die (fast) Außerirdische. Als Japan-Direktimport kam die Honda CB 1300,
Typ SC 40, wenn auch in äußerst geringen Stückzahlen bereits 1998 nach Deutschland. Sie unterscheidet sich in vielen Bauteilen grundlegend vom offiziell ab 2003 importierten Modell.
Das Liebhaberstück. Eine Laverda 750 SF, klassische Italienerin aus den Siebzigern, zieht garantiert alle Blicke vor
der Eisdiele auf sich. Problem: Die Marke Laverda gibt es nicht mehr.
Die Spardose. Teilweise werden ETZ 250 schon für 300 Euro feil geboten. Obwohl die MZ aus DDR-Zeiten nicht selten ist, könnte das Schnäppchen im Reparaturfall zum Geldfresser werden.
Die Besondere. In Deutschland nur noch rund hundert zugelassene Exemplare – die Yamaha XJ 650 Turbo ist ein Exot wie aus dem Lehrbuch und eine vom Aussterben bedrohte Spezies.
Bei der bundesweiten Teilesuche stieß MOTORRAD auf einen freundlichen Mitarbeiter von Laverda-Spezialist Orange Cycle Team (OCT) in Euskirchen, bei dem ge-
legentlich die Kunden sogar zum Übernachten bleiben. »Wir versuchen alles dranzusetzen, damit die Leute ihre Teile
bekommen und mit ihrer Maschine auf der Straße bleiben, sonst würden wir uns ja unseren eigenen Lebensunterhalt verbauen«, erklärte er. Neben OCT kristallisierte sich außerdem das Laverda-Racing-Team in Konstanz als weitere einschlägige Adresse heraus. Beide Spezialisten fanden sich beim Durchblättern des Kleinanzeigenteils in MOTORRAD und unter www.motorrad-
online.de nach kurzer Recherche im Heft-Archiv. Die Laverda-Fan-Familie ist zwar klein, aber damit auch überschaubar,
sodass die Suche nach Ersatzteilen vergleichsweise unproblematisch verlief.
Honda, MZ und Yamaha führen auf
ihren Homepages Listen von Vertragshändlern. Bei denen löste der Testanrufer mit seinen Anfragen häufig wenig Begeisterung aus, doch dank elektronischer Vernetzung konnten fast alle noch am selben Tag weiterhelfen. Manche Händler hatten sogar entsprechende Microfiche-Filme
für die Teilenummern vorliegen, falls ein Motorrad wie die 1998er-Honda CB 1300 nicht im EDV-System vorhanden ist. Kollegial: Viele MZ-Händler verwiesen mit Angabe von Kontaktdaten auf Mitbewerber, bei denen die Chancen für das gesuchte Teil besser stehen würden. Für sehr alte Modelle können unter Umständen auch auf Marken spezialisierte Gebrauchtteilehändler mit antiquarischen Katalogen die richtige Adresse sein, auch wenn passende Teile für einen Exoten bei diesen Händlern eher Glückssache sind.
Die Suche über Privatanzeigen in
Zeitungen lohnt kaum. Das Angebot dort ist zu gering. Lediglich auf größeren Internet-Plattformen mit Motorrad-Teilen (siehe Adress-Kasten) konzentrieren sich brauchbare, bebilderte Offerten von Privatanbietern, und die Datenbank gestützte Suche erweist sich als sehr bedienerfreundlich.
Ebenfalls sehr empfehlenswert: die In-
ternetseiten von Clubs oder Fan-Foren. Die Adressen sind per Stichworteingabe (Marke, Modell) über Internet-Suchmaschinen wie etwa www.google.de oder bei MOTORRAD online komfortabel auszumachen. Teilweise lassen die Clubs, je nach Modell und Marke, sogar Teile für Exoten nachfertigen; zumindest finden sich dort begeisterte Experten, die bei Fragen und Problemen oftmals guten Rat wissen.
Unter www.cb1300.de etwa fand sich ein
Forumsteilnehmer, der in Japan lebt und eventuell Teile direkt aus Fernost besorgen kann. Auf diesen öffentlich zugänglichen Seiten sollte man sich möglichst schon vor dem Erwerb eines Exoten schlau machen. Doch bitte nicht vergessen: Man sollte
das Engagement dieser Privatpersonen nicht überstrapazieren, schließlich handelt es sich bei ihnen nicht um gewerbliche Dienstleister. Auch im virtuellen Raum
gelten die Regeln der Höflichkeit!
Fazit: Die Ersatzteilversorgung selbst für fast abgeschriebene Exoten-Modelle ist besser als erwartet. Preisgünstige Gebrauchtteile sind hingegen so schwer zu finden wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. In Zeiten von Internet ist es dennoch einen Versuch wert, und für
manche Modelle bleibt gar nichts anderes übrig. Von Maschinen, für die auch bei ausgiebiger Recherche kaum Informationen einzuholen sind, sollte man aber lieber die Finger lassen.

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