Essen: Biker und ihre Ernährung (Archivversion) Hau rein

Kirsten Thieme, Redakteurin für Gesundheit und Ernährung bei der Zeitschrift Men´s Health, gibt Tipps. Was sollten Motorradfahrer essen?

Gesunde Ernährung besteht aus möglichst viel Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten sowie Vollkornprodukten. Wer sich für längere Zeit auf sein Motorrad schwingt, vergisst das besser. Denn einer der großen Vorteile dieser Lebensmittel – ein voller Bauch für wenig Kalorien – wird in der gebeugten Haltung auf der Maschine zu einem unangenehmen Nachteil. Voluminöse Mahlzeiten können dann fieses Sodbrennen und bei starken Vibrationen des Motorrads sogar schmerzhafte Seitenstiche auslösen. Eine Möglichkeit: die gesunden Sachen in kleinen Portionen futtern. Aber dann verbringen Sie wahrscheinlich mehr Zeit in der Kassenschlange an Rastplätzen als auf dem Motorrad. Das ist deshalb nur etwas für »Heimwerker«, die sich ihre Verpflegung von zu Hause mitnehmen und häufige kleine Pausen nicht scheuen. Packen Sie aber nicht nur Äpfel oder anderes Obst in Ihre Taschen, die machen alleine nicht besonders satt. Was aber dann? Lecker, gut vorzubereiten und unfallfrei zu essen sind Doppeldecker aus Vollkornbrot. Bestreichen Sie die Schreiben mit halbfettem Frischkäse, belegen Sie sie mit Schinken, Bratenaufschnitt oder Käse und packen Sie ein großes Salatblatt dazwischen – das hält das Ganze frisch. Wenn Sie so einen Burger jetzt noch mit Cherry-Tomaten (die sind aromatischer und mit einem Happs ohne triefende Hände im Mund verschwunden), Gurkenstückchen, Paprikastreifen und Obst ergänzen, ist es perfekt. Für diesen Zweck sollten Sie sich unbedingt fest verschließbare Frischeboxen anschaffen.Wählen Sie am besten Roggenschrotbrot mit Sauerteig, denn es ist verträglicher und »kerniger« als feines Brot. Vorteil: Die Kohlenhydrate werden nur langsam vom Körper aufgeschlossen, wodurch der Blutzuckerspiegel lange konstant gehalten wird, anstatt – wie bei Weißbrot oder feinem Vollkornbrot – erst in die Höhe zu schießen und dann gleich wieder in den Keller zu fallen. Ein konstanter Blutzuckerspiegel hält satt und lässt die Konzentration nicht drastisch sinken – für Motorradfahrer, die immer auch für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken müssen, eine lebenswichtige Sache. Deshalb sollten Sie auch bei Kuchen und Süßigkeiten aufpassen, das sind die schlimmsten Blutzucker-»Pusher«. Gegen zwei Stücke Schokolade zum Nachtisch ist aber nichts zu sagen. Sie möchten lieber an einer Raststätte auftanken? Dann aber Finger weg von Pommes, Currywurst und Pizza – wer so schwer Verdauliches futtert, lockt den Sekundenschlaf an. Die Quadratur des Kreises zwischen leicht, aber nicht zu voluminös ist ein Steak mit Salat. Denn es sind vor allem proteinreiche Nahrungsmittel, die schnell und lange satt machen. Wenn Ihnen das zu teuer ist (Raststätten sind Wegelagerer!), können Sie auch Nudeln mit Tomatensauce wählen und einen Joghurt oder ein anderes Milchprodukt zum Nachtisch essen.Zwei Fliegen mit einer Klappe würden Sie mit (Frucht-)Buttermilch schlagen – wenig Kalorien, viel Protein und gleichzeitig bekommen Sie dringend benötigte Flüssigkeit. Ja, Sie müssen öfter anhalten und was loswerden, wenn Sie viel trinken – aber wer sein Gehirn austrocknen lässt, geht möglicherweise bald auf seine letzte Reise. Zwei Liter sollten´s täglich mindestens sein, aber wer unter dem Helm und in einer Lederkombi vor sich hin gart, braucht durchaus auch deutlich mehr, um die grauen Zellen so zu wässern, dass sie wach bleiben. Viele Motorradfahrer scheinen die gesamte Menge in Form von Kaffee in sich hineinzuschütten. Dabei müssen sie dadurch nur noch öfter aufs Klo, denn Koffein wirkt harntreibend. So verlieren sie mehr Flüssigkeit als sie durch den Kaffee zugeführt haben. Allerdings muss man nicht befürchten, am Ende der Fahrt wie eine Rosine auszusehen, denn irgendwann ist die Wirkung des Koffeins erschöpft und ein weitere Tasse verstärkt die harntreibende Wirkung nicht mehr. Das gilt allerdings auch für das »Hallo wach!« Nur die erste Tasse macht munter, der Rest verpufft. Wenn Sie Kaffee optimal nutzen wollen, sollten Sie eine Tasse trinken und dann eine Nickerchen von einer Viertelstunde machen. Das Koffein braucht eine halbe Stunde, um zu wirken – und in der Kombination mit dem Nickerchen verstärken sich beide gegenseitig. Keine Wiese für kurze Träume in Sicht? Lehnen Sie sich einfach in irgendeinem Stuhl in der »Kutscherstellung« vor (Ellenbogen auf Knie, Hände baumeln dazwischen, Kopf hängt locker) und zählen Sie in Gedanken langsam von 100 bis null. Das entspannt messbar die Gehirnwellen und ist deshalb fast so gut wie ein Schläfchen. Nach so einer Pause kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen – einen Stau brauchen Sie schließlich nicht fürchten.

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