EU-Richtlinien

Egal, bei welchen Experten man zum Thema Reifenfreigaben/-bindung nachhakt, die Reaktion ist überall gleich. Kopfschütteln, Ratlosigkeit, Verwirrung. Denn eigentlich darf man europaweit bei allen neuen Motorrädern sämtliche Reifen verwenden, die der Dimension und den technischen Daten (Bauart, Traglast, Geschwindigkeitsindex et cetera) der Serienbereifung entsprechen. Eine Eintragung in die neuen Papiere ist nicht erforderlich. Bei allen älteren Maschinen mit Reifenbindung bleibt alles wie gehabt, also Reifenfreigabe als Kopie mit den alten oder neuen Kfz-Papieren mitführen.
Anzeige
Das Problem bei Neumaschinen: Manche Motorräder reagieren bei nicht passenden Reifenkonstruktionen mit zum Teil gefährlichem Fahrverhalten, Stichwort Lenkerschlagen, Shimmy (Lenkerflattern) oder Pendeln. Denn selbst so manche kapriziösen Supersport-Rennreifen verfügen über die notwendigen Kennzeichnungen für den öffentlichen Straßenverkehr. Folglich ist der Fahrzeughersteller im Rahmen der so genannten Produktbeobachtungspflicht gehalten, für seine Maschinen eine Reifenempfehlung auszusprechen. Funktioniert etwa ein bestimmter Motorradtyp nur mit einem Reifen der Sonderkennung „M“ wirklich sicher, muss der Fahrzeug- oder der Reifenhersteller diese Information dem Reifenfachhandel und den Motorrad-Werkstätten via Internet oder in Papierform zugänglich machen. Die Händler und Werkstätten müssen den Kunden beim Verkauf oder der Montage auf die korrekte, vom Reifen- beziehungsweise Fahrzeughersteller empfohlene Bereifung aufmerksam machen. Alles klar?
Anzeige
Laut Aussagen der Kundendienstleitung eines führenden Reifenherstellers sind in der Praxis bei Polizeikontrollen keine Beanstandungen zu befürchten, da die Beamten in der Nachweispflicht sind und wohl kaum ein umfassendes Nachschlagewerk parat haben. Ganz anders kann die Sache ausgehen, wenn bei einem Unfall der Reifen als Ursache mit in Frage kommt. Dann nämlich ist der Kfz-Halter für die richtige Bereifung seines Fahrzeugs verantwortlich. Und richtig ist, was Fahrzeug- oder Reifenhersteller empfehlen. Unterm Strich bleibt also alles beim Alten. Was in Hinsicht auf die Sicherheit und Funktion mancher Maschinen nicht die schlechteste Lösung ist.

Was außerdem bleibt, ist die Möglichkeit, für Neumaschinen ohne Reifenbindung bei den Reifenherstellern eine kostenlose Freigabebescheinigung für den gefahrenen Typ anzufordern, womit man im Fall der Fälle auf der sicheren Seite ist. Im Zweifel sollte man sich über die meist sehr umfangreichen Internetseiten der Reifenfirmen schlau machen. Bleibt nur die Frage, was die neuen EU-Richtlinien außer einem Dutzend Fragezeichen noch bewirken sollten?

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote