EU-Spritverordnung und Abgasvorschriften, neue (Archivversion)

Bernd Lange, 42, Europa-Abgeordneter, Biker und Berichterstatter im Umweltausschuß

?Das Europäische Parlament hat schärfere Grenzwerte für den Schadstoffgehalt im Benzin beschlossen, die spätestens ab dem Jahr 2005 gelten sollen. Warum?Die Verringerung der Schadstoffanteile in Benzin und Diesel wirkt sich auf den gesamten Fahrzeugbestand und nicht nur auf Neufahrzeuge aus. Bei einem Auto mit Benzinmotor, aber ohne Katalysator werden die Stickoxide und Kohlenwasserstoffe im Abgas um etwa zehn Prozent reduziert. Besserer Sprit hat auch für Motorräder Konsequenzen: um die zehn Prozent weniger Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid und Stickoxide. ? Klingt gut. Aber wird das umweltfreundlichere Benzin nicht viel mehr kosten?Schätzungen besagen, daß der Liter etwa um zwei Pfennig teurer wird. Diese Zahlen beruhen auf Erfahrungen in Großbritannien und Skandinavien, wo es dieses Benzin bereits gibt. Eine staatliche Förderung, etwa ein niedrigerer Steuersatz, würde ein übriges tun, damit der Preis nicht nach oben schnellt.? Das Europäische Parlament fordert aber auch wesentlich schärfere Abgasgrenzwerte für Autos. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Richtlinien?Bis zum Jahr 2005 wollen wir den Schadstoffanteil bei Autoabgasen um durchschnittlich 50 Prozent senken. Der Schwefelanteil im Benzin ist die entscheidende Größe für die Leistungsfähigkeit von Katalysatoren. Sowohl Dauerhaltbarkeit als auch Effizienz der Kats werden verbessert. Zudem wollen wir den Fahrzeugbestand kontrollieren. Schätzungen besagen, daß 60 Prozent aller Kats nicht funktionieren. Unter anderem wegen des Schwefelgehalts im Benzin. Diagnosesysteme an Bord werden künftig die Leistungsfähigkeit der Abgas-Reduktionsanlagen bei Autos ständig überprüfen. ? In diesen Richtlinien geht es nur um Automobile. Wie steht´s um Motorräder?Vor einem halben Jahr sind neue Abgasvorschriften für Motorräder von den Europäischen Gremien erlassen worden, die für Neufahrzeuge am 17. Juni 1999 in Kraft treten. In etwa einem Jahr werden wir diese Grenzwerte erneut überprüfen. Es ist nicht einzusehen, daß Motorräder sechsmal soviel Kohlenmonoxid produzieren und dreizehnmal soviel Kohlenwasserstoffe wie Autos. Schon allein angesichts der Tatsache, daß wir für Autos bis 2005 noch strengere Werte fordern. Wir wollen unser Hobby weiter pflegen. Deshalb sollten Motorräder so umweltfreundlich wie möglich sein.

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