EU-Spritverordnung und Abgasvorschriften (Archivversion)

Ganz schön raffiniert

Durch besseres Benzin zu weniger Abgasen. So lautet die neueste Botschaft aus Brüssel.

Immer mal was Neues: Autoindustrie, Umweltschützer und Parlamentarier marschieren Seit an Seit. Wenn es um bessere Spritqualität geht. Das hat freilich einen Grund: Die Gremien der Europäischen Union (EU) verlangen immer schärfere Abgasgrenzwerte für Pkw, die künftig nur noch mit Sprit zu erreichen sind, der wenig Schwefel enthält. Öko-Benzin bringt aber auch Motorrädern Vorteile. Denn deren Emissionen sinken ebenfalls (siehe Interview auf Seite 65).Erbitterter Gegner der Spritverordnung ist die Ölindustrie. Denn sie fürchtet hohe Investitionen in alte Raffinerien. Noch fiel jedoch keine Entscheidung, weil sich Rat und Parlament der EU bislang nicht auf einen Grenzwert für Schwefel einigten. Während die Abgeordneten 30 Milligramm pro Kilogramm fordern, gibt sich der Rat mit einem unverbindlichen Richtwert von 50 mg/kg zufrieden. Frühestens im Sommer kommt´s zum Beschluß. Ab 2005 soll der neue Sprit aus den Zapfsäulen rinnen. Parallel zur Benzinverordnung visieren Parlament und Rat einmütig verschärfte Abgasgrenzwerte an. Für neue Autos mit Benzinmotoren gilt wohl ab 2005: 1 g/km Kohlenmonoxid (CO), 0,1 g/km Kohlenwasserstoffe (HC) und 0,08 g/km Stickoxide (NOx). Zudem ändert sich der Prüfzyklus. Sofort nach Kaltstart beginnt die Messung, die bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h reicht. Damit klafft die Schere zwischen Vier- und Zweirädern immer weiter auseinander. Denn Viertaktmotorräder dürfen ab 1999 in der EU noch 13 g/km Kohlenmonoxid, 3 g/km Kohlenwasserstoffe und 0,3 g/km Stickoxide ausstoßen. Der Prüfzyklus startet erst nach einer Warmlaufphase von 200 Sekunden, und schneller als 50 km/h wird´s nicht. Die derzeit gültigen Pkw-Grenzwerte (2,2 g/km CO sowie 0,5 g/km HC und N0x zusammen) können Motorräder mit geregeltem Katalysator. Aber nur mit der Prüfmethode für Bikes. Beim jetzigen Auto-Zyklus, bei dem bereits nach 40 Sekunden Warmlaufphase die Messung anfängt, hätten auch Kat-Motorräder kaum eine Chance. Genau dieses Verfahren aber soll künftig bei Bikes angewendet werden - ab wann steht zwar in den Sternen. Aber für die Motorradindustrie bleibt einiges zu tun.
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EU-Spritverordnung und Abgasvorschriften, neue (Archivversion)

Bernd Lange, 42, Europa-Abgeordneter, Biker und Berichterstatter im Umweltausschuß
?Das Europäische Parlament hat schärfere Grenzwerte für den Schadstoffgehalt im Benzin beschlossen, die spätestens ab dem Jahr 2005 gelten sollen. Warum?Die Verringerung der Schadstoffanteile in Benzin und Diesel wirkt sich auf den gesamten Fahrzeugbestand und nicht nur auf Neufahrzeuge aus. Bei einem Auto mit Benzinmotor, aber ohne Katalysator werden die Stickoxide und Kohlenwasserstoffe im Abgas um etwa zehn Prozent reduziert. Besserer Sprit hat auch für Motorräder Konsequenzen: um die zehn Prozent weniger Kohlenwasserstoffe, Kohlenmonoxid und Stickoxide. ? Klingt gut. Aber wird das umweltfreundlichere Benzin nicht viel mehr kosten?Schätzungen besagen, daß der Liter etwa um zwei Pfennig teurer wird. Diese Zahlen beruhen auf Erfahrungen in Großbritannien und Skandinavien, wo es dieses Benzin bereits gibt. Eine staatliche Förderung, etwa ein niedrigerer Steuersatz, würde ein übriges tun, damit der Preis nicht nach oben schnellt.? Das Europäische Parlament fordert aber auch wesentlich schärfere Abgasgrenzwerte für Autos. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Richtlinien?Bis zum Jahr 2005 wollen wir den Schadstoffanteil bei Autoabgasen um durchschnittlich 50 Prozent senken. Der Schwefelanteil im Benzin ist die entscheidende Größe für die Leistungsfähigkeit von Katalysatoren. Sowohl Dauerhaltbarkeit als auch Effizienz der Kats werden verbessert. Zudem wollen wir den Fahrzeugbestand kontrollieren. Schätzungen besagen, daß 60 Prozent aller Kats nicht funktionieren. Unter anderem wegen des Schwefelgehalts im Benzin. Diagnosesysteme an Bord werden künftig die Leistungsfähigkeit der Abgas-Reduktionsanlagen bei Autos ständig überprüfen. ? In diesen Richtlinien geht es nur um Automobile. Wie steht´s um Motorräder?Vor einem halben Jahr sind neue Abgasvorschriften für Motorräder von den Europäischen Gremien erlassen worden, die für Neufahrzeuge am 17. Juni 1999 in Kraft treten. In etwa einem Jahr werden wir diese Grenzwerte erneut überprüfen. Es ist nicht einzusehen, daß Motorräder sechsmal soviel Kohlenmonoxid produzieren und dreizehnmal soviel Kohlenwasserstoffe wie Autos. Schon allein angesichts der Tatsache, daß wir für Autos bis 2005 noch strengere Werte fordern. Wir wollen unser Hobby weiter pflegen. Deshalb sollten Motorräder so umweltfreundlich wie möglich sein.

EU-Spritverordnung und Abgasvorschriften, neue (Archivversion)

Ottokraftstoffe bestehen aus Kohlenwasserstoffen, die Zusätze von sauerstoffhaltigen, organischen Komponenten sowie Additive zur Verbesserung ihrer Eigenschaften - zum Beispiel Korrosions- und Vereisungsschutz - enthalten. Im Unterschied zu Normalbenzin weist Super eine höhere Klopffestigkeit auf, die als Oktanzahl angegeben wird. Für den Einsatz von Katalysatoren ist bleifreies Benzin unabdingbar. Blei würde die Edelmetallbeschichtung der Kats sowie die zur Regelung derselben eingesetzten Lambda-Sonden schädigen. Umweltfreundliche Ottokraftstoffe zeichnen sich durch niedrigere Werte für Dampfdruck und Siedeende sowie durch einen geringeren Anteil an Aromaten, darunter Benzol, Olefinen und Schwefel, aus. Der höchstzulässige Gehalt an Benzol, das als krebserregend gilt, soll ab 2005 statt fünf nur noch ein Volumenprozent betragen. Als eigentliche Schlüsselgröße für den Schadstoffgehalt im Benzin wird derzeit jedoch Schwefel angesehen. Bis 2005 soll der Anteil von den zulässigen 500 Milligramm pro Kilogramm auf 30 bis 50 mg/kg sinken. Moderne direkteinspritzende Benzinmotoren, die den Kraftstoffverbrauch um 25 Prozent verringern, brauchen zur Reduktion der Stickoxidemissionen sogenannte Speicher-Katalysatoren, die durch Sulfatbildung zerstört werden. Weniger Schwefel im Benzin ermöglicht der Autoindustrie also bessere Abgastechnik.

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