Eurobike AG: Reportage (Archivversion) Interview

Der neue Vorstandsvorsitzende Peter Mrosik zur Situation und Zukunft der Eurobike AG.

Wie beurteilen Sie die Situation der Eurobike AG?Bei uns herrscht Aufbruchsstimmung. In der Vergangenheit sind einige Fehler gemacht worden, die dazu führten, dass Kunden verärgert waren und Aktionäre sehr böse über die Entwicklung wurden. Letztlich hatten auch die Banken so ein kleines Fragezeichen auf der Stirn. Aber jetzt findet ein Neuanfang statt. Wir krempeln die Ärmel hoch, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten. Dafür stehe ich. Welche Geschäftszweige sind erfolgreich?Wir sind ein im Kern gesundes Unternehmen. Im Kern heißt im Einzelhandelsgeschäft. Wir haben zweistellige Umsatzzuwächse bei Polo. Die Firma Hein Gericke hinkt etwas hinter den Erwartungen hinterher, das Ergebnis ist aber befriedigend. Was den Großhandel angeht, haben wir einen Umsatzeinbruch zu verzeichnen. Was ändern Sie bei den Verlustbringern?Wir sind dabei, die Großhandelsaktivitäten von Difi und Schuh zu verschmelzen. Das hat natürlich Einspareffekte. Wir haben die Belegschaft um über hundert Mitarbeiter verkleinert und den Vertrieb vereinheitlicht. Das ist aber erst der Anfang. Wir sind dabei, Konzepte aufzustellen, wie eine Großhandelsplattform erfolgreich gestaltet werden kann, aber auch nicht abgeneigt, Teile oder die Gesamtheit des Großhandels abzustoßen oder in Kooperation mit Dritten zu gehen. Worin liegt der Unterschied zwischen Polo und Hein Gericke?Wir sind ein dezentral organisierter Konzern und wollen den Wettbewerb zwischen den Gesellschaften. In den letzten zwei Jahren hat sich Hein Gericke mehr und mehr Polo angenähert. Hein Gericke ist aber vom Image her ein Technologie- und Designführer und im Konzern die Premiummarke, die auch Zubehör für Kunden anbietet, die ein paar Mark mehr in der Tasche haben. Die Qualitätsführerschaft hat Ausstrahlung auf den Rest des gesamten Sortiments, und das ist verwaschen worden. Wir müssen schnellstmöglich versuchen, Hein Gericke neu zu positionieren, indem wir seine ureigensten Stärken wiederbeleben. Welche Ziele haben Sie?Die nächsten zwölf Monate werden wir das Unternehmen konsolidieren, bevor wir dann ab 2003 in die Expansionsphase eintreten. Wir konzentrieren uns zunächst auf Zubehör, können uns aber auch einen Geschäftsbereich vorstellen, der sich mit Reisen, Veranstaltungen, Konzerten oder ähnlichen Dingen beschäftigt. Polo könnte wie Hein Gericke im Ausland aktiv werden. Und wir überlegen uns auch innerhalb der einzelnen Shopkonzepte, ob der Freizeitbereich stärker betont wird. Wir planen in verschiedenen Städten Eurobike Center, wo unter einem Dach unsere Zubehörmarken, aber auch Motorräder präsentiert werden, Events stattfinden, Restaurants angesiedelt sind. Zentren, die dem Biker eine Erlebniswelt vermitteln. Das wird die Zukunft sein, da halten sich Kunden wesentlich länger auf. Wir wollen aber bereits jetzt dokumentieren, dass wir powern. In vier Monaten steht das größte Motorradcenter Europas. Wir wollen auf über 5000 Quadratmetern in der Reisholzer Werfstraße in Düsseldorf ein Eventcenter bauen, das alle Aktivitäten von Hein Gericke bündelt. Wir sind in Diskussion mit einigen Motorradherstellern, die großes Interesse haben, ihre Motorräder hier anzubieten. Glauben Sie, dass die Konzentration im Einzelhandel zunehmen wird?Wir gehen davon aus, dass viele Einzelhändler in Deutschland einen enormen Umsatzrückgang haben und sich ein Umstrukturierungsprozess vollzieht.Die Zeichen für Eurobike stehen extrem gut, weil es uns substantiell gut geht. Das bedeutet einen Wettbewerbsvorteil, weil die bestehenden Märkte expansiv aufgerollt werden können. Es werden viele kleine Anbieter die Segel streichen müssen. Das eröffnet neue Marktchancen für die großen Anbieter.

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