Eurobike: Pro und Contra (Archivversion)

Herbert Will, 53, ist Vorstand und Miteigentümer der in Düsseldorf ansässigen Eurobike AG, zu der Hein Gericke, Polo, Go To Helmstudio, Schuh und Damen Leathers gehört.

Hein Gericke wird vorgeworfen, das Shoppartnersystem sei ein Versuch, Sozialkosten von Arbeitnehmern zu sparen. Das ist falsch. Das Shoppartnersystem war bei Hein Gericke etabliert, lange bevor die politische Diskussion um leere Sozialkassen und Scheinselbständigkeit überhaupt einsetzte. Die Shoppartner sind keine abhängigen Arbeitnehmer, sondern Vertrags- und Vertriebspartner von Hein Gericke. Das Shoppartnersystem soll für den Shoppartner nur Risiken und keine Chancen bieten. Das ist falsch. Wie bei jeder selbständigen Tätigkeit gibt es ein Unternehmerrisiko. Wenn das Geschäft nicht läuft, kann der Unternehmer in Konkurs gehen, ein Existenzgründer sogar, bevor er auch nur die Anfangsinvestitionen wieder erwirtschaftet hat. Konkurse hat es aber unter den Hein Gericke-Shoppartern bisher nicht gegeben. Denn für einen Hein Gericke-Shoppartner sind seine Anfangsinvestitionen leicht kalkulierbar. Diesem Risiko stehen entsprechende unternehmerische Chancen gegenüber, wie die vielen erfolgreichen Shopppartner beweisen. Mit einem etablierten Hein Gericke-Shop kann der Shoppartner nicht nur seine Investitionen hereinspielen, sondern darüber hinaus ein interessantes Einkommen erwirtschaften. Hein Gericke soll den Shoppartnern bis ins kleinste Detail vorschreiben, wie sie arbeiten sollen. Viele Hein Gericke-Verträge sind tatsächlich sehr detailliert. Sie enthalten insbesondere ganz genaue Regelungen, wie der Shoppartner mit den ihm anvertrauten Waren und dem vereinnahmten Geld umgehen soll. Dies entspricht dem Interesse von Hein Gericke, sein Eigentum zu sichern.Natürlich funktioniert das nur, wenn der Shoppartner sich vertragsgemäß verhält und dafür sorgt, daß kein Warenschwund entsteht. Nach Ansicht des Landesarbeitsgerichtes Düsseldorf übrigens können die Verträge noch so detailliert sein, ohne daß dies eine Arbeitnehmereigenschaft begründet; hierzu soll ferner erforderlich sein, daß über den Vertragswortlaut hinaus durch zusätzliche Weisungen in das Tagesgeschäft hineinregiert wird. Die Bestimmungen in den Hein Gericke-Verträgen, die sich damit beschäftigen, das Eigentum von Hein Gericke an Waren und Geld zu sichern, sind bereits so detailliert, daß zusätzliche Weisungen gar nicht erforderlich sind. Die Detailliertheit dieser Regelungen ist wirtschaftlich geboten.Hein Gericke soll die freie Zeiteinteilung des Shoppartners beschränken. Dies ist ebenfalls falsch. Die Shoppartner sind in ihrer Zeiteinteilung frei. Sie entscheiden selbst, wann und wie lange sie arbeiten. Zwar enthalten manche Altverträge die Bindung an vorgegebene Öffnungszeiten. Angesichts der Kundenerwartung und im Hinblick auf die von Hein Gericke übernommene überregionale Werbung für alle Shops liegt es im wirtschaftlichen Interesse jedes Shoppartners, wenn die Shops hier ein möglichst einheitliches Bild präsentieren. Der Shoppartner muß den Laden aber nicht selbst aufschließen. Schließlich hat er seine Mitarbeiter. Hein Gericke redet ihm weder in das Auswahl- oder Einstellungsverfahren noch in die tägliche Mitarbeiterführung hinein. Wenn der Shoppartner etwas anderes zu erledigen hat, läßt er eben den Laden von seinen Mitarbeitern betreuen. Die Kritiker des Shoppartnersystems vermengen in diesem Zusammenhang die Frage der persönlichen Anwesenheit des Shoppartners mit dem juristischen Begriff der sogenannten »höchstpersönlichen Leistungspflicht« eines Handelsvertreters, die in den alten Hein Gericke-Verträgen vorgesehen war. Dieser Begriff besagt jedoch nur, daß der Handelsvertreter höchstpersönlich für die vertraglich übernommenen Pflichten einstehen muß. Erfüllen kann er sie aber auch durch seine Mitarbeiter. Kritisiert wird die in manchen Verträgen vorgesehene Urlaubssperre für Shoppartner in der Hauptsaison. Das Motorradzubehörgeschäft ist ein Saisongeschäft. Gerade in den wenigen Monaten der Hauptsaison wird der überwiegende Teil des gesamten Jahresumsatzes gemacht. In dieser Zeit kann tatsächlich die persönliche Erreichbarkeit des letztlich alleinverantwortlichen Shoppartners wichtig sein. Hein Gericke hatte deshalb in Altverträgen im beiderseitigen Interesse an der möglichst guten Betreuung der Kunden während der Saisonmonate eine Urlaubssperre vorgesehen. Abgesehen hiervon konnte der Handelsvertreter seinen Urlaub auch nach den Altverträgen frei festlegen, in den neueren Hein Gericke-Verträgen ist die Urlaubssperre entfallen. Hein Gericke baut insoweit auf das wirtschaftliche Eigeninteresse der Shoppartner daran, in der Saison erreichbar zu sein.Schließlich wird kritisiert, daß Hein Gericke den Shoppartnern die Übernahme einer anderweitigen Handelsvertretung oder einer anderen gewerblichen Tätigkeit untersagt. Dabei entspricht es schon dem gesetzlichen Leitbild, daß der Handelsvertreter – und übrigens auch der Arbeitnehmer – dem Geschäftsherrn keinen Wettbewerb machen darf. Natürlich möchte Hein Gericke nicht, daß in dem von Hein Gericke überregional beworbenen Ladenlokal, dessen Finanzierung Hein Gericke überdies unterstüzt, Produkte der Konkurrenz angeboten werden.Es ist auch nicht einsehbar, warum der Shoppartner in diesem Ladenlokal, das ganz auf die Marke Hein Gericke ausgerichtet ist, andere Produkte verkaufen können soll. Wenn ein Shoppartner außerhalb des Ladenlokals anderweitig tätig werden will, hat Hein Gericke grundsätzlich nichts dagegen, sondern erteilt dann wie vertraglich vorgesehen die Zustimmung.

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