Fahrbericht Beta RR 450 Racing Edtition 2009 (Archivversion) Am längeren Hebel

Beta hat sich in der Enduro-Branche schnell einen Namen gemacht. Mit guter Produktqualität, Motoren von KTM – und Umlenkhebelei.

Gerade mal fünf Jahre ist es her, seit Beta zum Modelljahr 2004 der angestammten Trialmaschinen-Modellpalette eine komplette Sportenduro-Linie zur Seite stellte. Das Rezept, von KTM gelieferte Motoren in ein selbst konstruiertes Fahrwerk zu stecken, fand auf Anhieb Sympathisanten. Mittlerweile verlassen rund 2000 Enduros jährlich die Werkshallen bei Florenz – nur 1000 weniger als die Jahresproduktion der Trial-Bikes.

Vor allem die Umlenkhebelei für das Federbein gilt als eines der wichtigsten Argumente, um den Blick vom KTM-Original auf die Italienerin zu richten. KTM lenkt den Monoshock direkt an der Schwinge an und wurde in der Vergangenheit wegen des wenig sensiblen Ansprechverhaltens dieser Anordnung öfters kritisiert.

Ob nun ausgleichende Gerechtigkeit geübt werden soll oder weshalb auch immer, Fakt ist: Ihren fürs Modelljahr 2008 neu konstruierten 450er-Sportenduro-Motor enthält KTM den Beta-Konfektionären weiterhin vor. Ist aber kein Beinbruch, schließlich bleibt das langhubige 2007er-Aggregat auf typischem Enduro-Terrain, also abseits der Cross-Piste, deutlich besser dosierbar als das spritzige, jedoch aggressivere 2008er-KTM-Triebwerk. Dazu passend: die Federungsabstimmung. Betont weich sprechen sowohl die aktuellste Version der Upside-down-Gabel von Marzocchi als auch das über besagte Umlenkung aktivierte Sachs-Federbein an. Selbst über nasse Steine läuft die Italienerin ausnehmend spurtreu und traktionsstark.

Obendrein bewegen sich Sitzposition, Handling und Bremsen beim 2009er-Modell auf dem Niveau der Klassenbesten, wo der serienmäßige E-Starter ohnehin zur Standard-Ausrüstung zählt. Weh tut nur der Preis. Bei über 10000 Euro für die technisch aufgerüstete Racing Edition (50-Millimeter-Gabel, Leo-Vince-Auspuff, Hand- und Motorschutz, Deko-Kit) atmet Otto Normalendurist erst mal tief durch – und entscheidet sich dann wahrscheinlich doch für die 2000 Euro billigere Basis-Version. Die mit der bekannt sensibel ansprechenden 45er-Marzocchi-Gabel und hauseigener Auspuffanlage übrigens vom technischen Niveau nur unwesentlich unterhalb ihrer edlen Schwester angesiedelt ist.

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