Fahrdynamik (Archivversion) Verstellung des Lenkkopfwinkels

Die Lenkgeometrie hat großen Einfluß auf das Fahrverhalten eines Motorrads

Die Ducati 916 gehört zu den wenigen Serien-Motorrädern, bei denen durch Einsätze im Steuerkopf der Lenkkopfwinkel variiert werden kann. Mittels zweier gegeneinander verdrehbaren Lagerbuchsen sind zwei verschiedene Lenkkopfwinkel möglich. Die Differenz der beiden Winkel beträgt ein Grad. Das hört sich nach wenig an, ist aber bereits mit bloßem Auge deutlich zu erkennen. Werden gleichzeitig der Lenkkopfwinkel und das Fahrzeugniveau verändert, lassen sich Lenkkopfwinkel zwischen 64,5 und 67,5 Grad realisieren. Der Radstand verringert sich dabei von 1420 auf 1395 Millimeter. Der Schwerpunkt wandert um gut drei Zentimeter nach vorn/oben.Bei den Fahrversuchen bleibt das Fahrwerk zunächst unangetastet, lediglich der Lenkkopfwinkel wird um ein Grad steiler eingestellt. Bereits durch diesen Eingriff sind deutlich größere Lenkausschläge nötig als mit der serienmäßigen Einstellung (siehe unteres Diagramm). Die Lenkkräfte bleiben hingegen annähernd gleich. Ursache für die großen Lenkausschläge ist die veränderte Lenkgeometrie. Der verkürzte Radstand und der geringere Vorderradnachlauf erfordern größere Lenkbewegungen, um den vorgegebenen Kurs einzuhalten. Wird zusätzlich zum steilen Lenkkopf die Front abgesenkt und das Heck angehoben, ist das Motorrad in der Kreisbahn nur mit Mühe auf dem vorgegebenen Kurs zu halten. Die Ampliuden der auftretenden Winkelgeschwindigkeiten - die in der Kreisbahn ein Maß für die Stabilität und Spurtreue des Motorrads sind - erreichen mehr als den doppelten Wert wie mit dem Serienfahrzeug. Die zur Kurshaltung nötigen Lenkausschläge sind sogar mehr als vier mal so groß wie in der Grundeinstellung. Starke Schlingerbewegungen des Motorrads sind die Folge.Fazit: Die Möglichkeit zur Lenkkopfwinkelverstellung mag ein hochinteressantes, technisches Schmankerl an einem Motorrad sein, doch sie macht nur für Rennfahrer Sinn. Auf bestens asphaltierten, nicht allzu schnellen, winkligen Rennstrecken ohne Bodenwellen hat die extreme Handlichkeit durch den steileren Lenkkopfwinkel Vorteile. Auf öffentlichen Landstraßen und Autobahnen aber keineswegs, denn das Motorrad reagiert sehr empfindlich auf Bodenwellen, Lenkkorrekturen und Gewichtsverlagerungen des Fahrers. Und das macht entspanntes Fahren unmöglich. Nur bei voller Konzentration läßt sich das Motorrad zielgenau auf Kurs halten.

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