Fahrlehrer-Weiterbildung: Enduro-Seminar auf Kreta (Archivversion) Reisen bildet

Besonders wenn Angenehmes mit Nützlichem sich verbindet. Wie bei der Fahrlehrerfortbildung auf Kreta, die die Verkehrspädagogische Akademie aus Kirchheim/Teck mit MOTORRAD veranstaltete.

Das ganze Jahr Streß mit der Ausbildung der Fahrschüler: theoretischer Unterricht, die ersten Fahrversuche auf einem Parkplatz, später die Sonderfahrten auf der Landstraße, der Autobahn und bei Nacht. Und jetzt dazu noch Fortbildung? Da bedanken sich viele der Fahrpädagogen. Weil sie nicht wissen, wie schön es sein kann, etwas dazuzulernen. Etwa mit den Profis der Verkehrspädagogischen Akademie in Kirchheim/Teck, kurz VPA. MOTORRAD hatte vor drei Jahren zusammen mit den VPAlern versucht, etwas Schwung in die Klasse 1-Fortbildung zu bringen. Seit damals können engagierte Fahrlehrer auf dem Nürburgring das MOTORRAD-Perfektionstraining mitmachen oder die sogenannten Top-Seminare besuchen. Dort werden neben praktischen Fahrübungen besonders pädagogische Methoden erarbeitet, um die Ausbildung der Fahrschüler effektiver zu gestalten. Eher der körperlichen Fitneß auf dem Motorrad dienen die Enduro-Seminare der VPA. Allen voran der Lehrgang auf Kreta. 20 Teilnehmer traf sich dort Ende Oktober 1996, um auf geschichtsträchtigem Boden die Kunst des Endurofahrens zu vertiefen und dabei noch ordentlich griechische Herbstsonne zu tanken. Erster Tag, 8. 30 Uhr. Auf dem Hochplateau inmitten der kargen Berglandschaft hat sich die nächtliche Kühle noch nicht ganz verflüchtigt, als sich die Mannschaft auf Suzuki DR 350 im großen Halbkreis aufstellt. Nur eine Viertelstunde Fahrzeit über Schotterwege vom Hotel in Heraklion entfernt liegt dieses ideale Terrain für erste Geländeübungen. Uwe Clarner, der Lehrgangsleiter und ehemalige Wettbewerbsfahrer, sorgt bald für Lockerung in den steifen Knochen: »Je früher ihr euch dran gewöhnt, desto besser: Auf einem Geländemotorrad sitzt man nicht, sondern man steht.« Also dann. Bald rollen die Jungs und das Mädel - eine Fahrlehrerin ist auch dabei - umeinander, stehen zunächst noch etwas verkrampft in den Fußrasten. »Knie durchdrücken und den Arsch nicht nach hinten rausstrecken, wie wenn ihr auf dem Klo säßet.« Jetzt geht es Knall auf Fall. Abwechselnd links und rechts neben dem Motorrad herlaufen und während der Fahrt über die jeweilige Fußraste aufsteigen. Die ersten liegen im Dreck, geraten aus der Puste. Pause. Der Vormittag vergeht mit diversen Brems- und Kurvenübungen, kaum einer hat die Muße, den blauen Himmel und die milde Sonne zu genießen. Es wird geschwitzt. Später geht’s über Schotter weiter in die Berge Richtung Süden. Die nächsten Tage fährt Sivis mit. Der immer fröhliche Grieche, dem der Motorradverleih in Heraklion gehört, führt die großen Tagestouren an die Südküste von Kreta an. Ein Ortsfremder würde sich auf den Wegen durchs Bergland, wo mehr Schafe als Menschen leben, heillos verirren. Nicht Sivis, der auch weiß, wo man bei den Bauern frisch gebrannten Raki trinken kann. Aber nur ein Gläschen, denn das lauwarme Zeug hat reichlich Prozente. Die Veranstaltung entwickelt sich zum Erlebnisurlaub. Endurofahren in seiner schönsten Form, und der Muskelkater wird kostenlos mitgeliefert. Die Woche vergeht wie im Flug, was manche Teilnehmer wörtlich nehmen. Ein paar Abschürfungen und ein dickes Knie zeugen davon. Die nächsten Veranstaltungen aus der VPS/MOTORRAD-Reihe siehe Kasten.

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