Fahrtechnik Indoor-Trial––––– (Archivversion) Hoch-Stapler–––––

Für unsereins noch immer ein Buch mit sieben Siegeln: die Tricks der Trial-Profis.

Das Lächeln. Nur das Lächeln beim Springen, Klettern oder Rangieren fehlt, um als wahrer Akrobat durchzugehen. Doch Hans Greiner ist Trial-Sportler. Betonung auf Sportler. Auch wenn er und seine Kollegen noch so oft als Trial-Akrobaten verkauft werden. Gelächelt wird erst nach der Sektion - und dann auch nur bei einem Null-Fehler-Ritt. Dennoch hat sich bislang wohl kaum ein Sport manegenreifer Zirkusakrobatik so angenähert wie die Kletter- und Balance-Präsentation eines Indoor-Trial. Hans Greiner, 24jähriger Schwabe aus der Nähe von Göppingen, weiß als Sieger der letztjährigen Hallentrial-DM-Läufe in Biebesheim und Bielefeld, wo´s im Scheinwerferlicht langgeht.»Hallentrial ist für uns Fahrer schwieriger und einfacher zugleich. Schwieriger, weil zu den Indoor-Trials ausschließlich sechs oder acht Top-Piloten eingeladen werden und die Veranstalter die Sektionen entsprechend knifflig anlegen. Einfacher, weil in der Halle immer die gleichen Bedingungen herrschen. Schlamm oder herausgefahrene Spurrillen, die die Sektionen verändern, gibt es nicht«, weiß der bescheidene Zivildienstleistende. Traktion satt ist letztlich auch Bedingung für die in der Regel wirklich beeindruckenden Hindernisse im Hallenrund. Wie etwa den knapp drei Meter hohen Baumstamm (siehe Aufmacherfoto). »Nach dem Absprung von der kleinen Schanze überziehe ich das Vorderrad«, erklärt Hans. »Und zwar so sehr, daß ich mich nach hinten überschlagen würde, wäre da nicht das Hinterrad, das an den Baumstamm schlägt und damit die Vorderpartie wieder nach unten drückt - genau auf das Plateau. Währenddessen wird das Hinterrad von der Wucht des Aufpralls gleich mit nach oben geworfen. Dann bremsen, kurz ausbalancieren, Kupplung rauslassen und runter. Schaut wilder aus, als es ist «, sagt der Spezialist und führt den Aufstieg auf Anhieb fehlerlos vor.Ganz im Gegensatz zu der Sprungwende auf Seite 151 unten. Zwei schmale Baumstämme im 90-Grad-Winkel. Ums Eck fahren? Is nich. Bleibt für Greiner nur eins: »Im Stand sauber ausbalancieren, und wenn du dich bereit fühlst, das Motorrad fest mit den Knöcheln klemmen, in die Federn reindrücken und dann die Ausfederbewegung dazu nützen, das Motorrad vom Boden wegzuziehen. Dabei kurz die Kupplung kommen lassen, um die Maschine noch zusätzlich nach vorn zu katapultieren. Beim Absprung etwas nach links hängen, ein zusätzlicher Impuls mit den Knöcheln - und schon dreht sich die Maschine in der Luft. Aber nicht zu viel Schwung, sonst kippst du auf dem zweiten Baumstamm bei der Landung nach außen.« Klingt schwierig und ist es auch. Hans muß lange probieren, bis Körper, Geist und Motorrad im Einklang ums Eck fliegen.Insofern mutet die letzte Kletterpartie (siehe oben) vergleichsweise einfach an. Gitterroste. Die butterweichen Trialreifen verbeißen sich regelrecht in die Blechquadrate. So sehr, »daß man beim Einlenken richtig am Lenker drücken muß«, schildert Hans. Doch vorher muß er das Vorderrad erst mal punktgenau über den Abgrund nach dem Einstieg hieven. »Immer schön hinten bleiben, damit das Vorderrad nicht nach unten sackt, genau auf die gegenüberliegende Kante zielen und sobald der Kontakt da ist, Kupplung ziehen, stehenbleiben, ausbalancieren. Und das muß klappen, denn Abstützen ist in luftiger Höhe Fehlanzeige.« Hans steht sicher. Dann ein Gasstoß. Das Hinterrad schnalzt an die Gegenseite des metallischen Tals, das Vorderrad krabbelt über die Kante. Der Rest der Erstbesteigung ist nur noch Formsache - für Hans. Für unsereinen bleibt´s beim Wundern. Übrigens, auch Hans hat gelächelt - nach seinem Null-Fehler-Ritt.

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