Fahrverbot in Frankfurt (Archivversion)

Ausgesperrt

In der Bankenmetropole Deutschlands geht´s nächstes Frühjahr ab: Die Stadt Frankfurt plant, ihr Zentrum sechs Wochen lang für Autos ohne Katalysator zu sperren. Grundlage für Fahrverbote von Motorrädern bildet die Ozon-Regelung von Hessen, die aber gerade geändert wird. Die Landespolitiker visieren jetzt die 1998 zu erwartenden Schadstoff-Grenzwerte für Neuzulassungen in der EU an (siehe Kasten unten). Diese Werte schließen etwa 75 Prozent aller Neumaschinen aus. Die Norm schaffen alle neuen BMW und jeweils einige Modelle der anderen Hersteller (siehe Liste der 96er Modelle in MOTORRAD 15/1996). Mit dem Feldversuch in Frankfurt, der vom 7. April bis 16. Mai steigt, soll ermittelt werden, ob die durch Simulationen errechnete Schadstoffminderung in der Praxis tatsächlich erzielt wird. Vom Versuch ausgenommen sind Anwohner, Lieferanten und Behinderte. Wer eine Kat-Plakette von den Zulassungsstellen bekommt, darf in die City reinfahren.
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Interview (Archivversion) - «Das ist ein lähmender Zustand“

Dr. Hubert Koch, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Motorrad (IVM), zum Frankfurter Versuch
?Was halten Sie von Versuchen, bei denen »alte Stinker« aus Innenstädten ausgesperrt werden?Gar nichts, das ist purer Aktionismus. Abgesehen von der fraglichen Rechtmäßigkeit für kollektive »Aussperrungen« ärgert uns besonders, daß es bei Motorrädern in bezug auf Abgas keine Vorgaben, keine Grenzwerte, keine Anreize gibt - aber bei Verboten schließt man die Maschinen immer ein.?Was hat der IVM wegen des geplanten Versuchs in Frankfurt unternommen?Wir haben sofort Kontakt zu Stadtverwaltung und Kommunalpolitik aufgenommen, allerdings noch keine verbindliche Antwort erhalten.?Planen andere Städte ähnliche Versuche?Nach unseren Informationen erwägt auch München eine teilweise Innenstadt-Sperrung. Das ist gefährlich und zudem der grundfalsche Weg. In innovativen städtischen Verkehrskonzepten - wie in Bologna, Rom, Barcelona, Bristol - spielen kleinmotorisierte Zweiräder eine große Rolle.?Was tut der IVM gegen solche Pläne?Vorrangig zwei Dinge: erstens massiver Protest, zweitens aber Überzeugungsarbeit mit eigenen schlüssigen Konzepten. Wir engagieren uns sehr stark in unserem europäischen Dachverband ACEM und werden in den nächsten Monaten ein Grundsatzpapier zur innerstädtischen Mobilität vorlegen. Das wird eine gute Basis für unsere politischen Gespräche sein.?Tut die Industrie genug für den Umweltschutz?Es gibt etliche Lösungsansätze unserer Mitgliedsunternehmen. Das eigentliche Problem ist, daß die Politik weiterhin Industrieaktivitäten verhindert, weil sie keine Grenzwerte definiert. Das ist ein lähmender Zustand, der unbedingt behoben werden muß.

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