»Ferrari interessiert mich nicht – ich fahre Porsche“ (Archivversion) »Ferrari interessiert mich nicht – ich fahre Porsche“

Weltmeister Valentino Rossi über seinen vierten WM-Titel, seine siegreiche Viertakt-Honda, Max Biaggi und die Zukunft im MotoGP-Sport

? Valentino Rossi, vier WM-Titel und in diesem Jahr bereits zehn Grand-Prix-Siege: Wie erklärst du dir deinen immensen Erfolg?Rossi: Ich hatte immer Glück. Ich habe mich nie mit der Wahl meiner Motorräder und Teams vertan. Und ich denke, ich fahre auch ziemlich gut.? Honda gewann elf von zwölf Rennen bisher. Hast du mehr von der Konkurrenz erwartet?Rossi: Zu Saisonbeginn war die Situation unklar. Jeder dachte, die Zweitakter würden hier und dort noch gewinnen. Doch nach den ersten enttäuschenden Tests machte Honda einen gewaltigen Entwicklungsschritt und kam besser präpariert zu den Rennen als alle anderen. Damit war der Grundstein zu unserer Siegesserie gelegt. Nach sechs, sieben GP hat Yamaha allerdings mächtig aufgeholt. Weil bei uns die Entwicklung stehen blieb, haben sie inzwischen gleichgezogen. Honda und Yamaha sind technisch auf dem gleichen Level.? Bei manchen Rennen wie in Assen sah es so aus, als würdest du mit den Gegnern spielen. Du bist lange hinterher gefahren, nach dem Überholen dann aber auf und davon gebraust.Rossi: Mit dem Viertakter ist es nicht möglich, das ganze Rennen über zu 100 Prozent am Limit zu fahren, denn dann macht der Hinterreifen schlapp. Barros war in Assen an einigen Punkten der Strecke schneller als ich, an anderen hatte ich Vorteile. Ich bin hinter ihm geblieben, um die Situation zu verstehen und den idealen Zeitpunkt für meinen Angriff auszuloten. Gemeinsam haben wir den anderen Viertaktern satte zehn Sekunden abgeknöpft. Ein Spiel war das sicher nicht.? GP-Veteran Christian Sarron erklärte nach Probefahrten mit der Honda RC 211 V, jeder Alltagsfahrer könne mit diesem Motorrad zu 97 Prozent ans Limit gehen. Stimmt das?Rossi: Grundsätzlich ja, auch wenn ich nicht von 97, sondern vielleicht von 85 Prozent reden würde. In diesen Bereich vorzustoßen ist definitiv einfacher als mit dem Zweitakter. Und auch beim letzten bisschen erlebst du nicht den gleichen Kick wie beim Zweitakter. Die Befriedigung, einen Zweitakter auszuquetschen, ist mit nichts zu vergleichen, da bleibe ich bei meiner Meinung. Deshalb bedeutet mir der 500er-Titel aus dem Vorjahr immer noch am meisten. Trotzdem ist das Thema abgehakt: Die Viertakter sind stärker, schneller, und ihnen gehört die Zukunft.? Die neuen Viertakter brachten einen gewaltigen Entwicklungssprung zu 220 PS und die neu entwickelten Big-Profile-Reifen. Was ist der nächste Entwicklungsschritt?Rossi: Am meisten muss bei den Reifen passieren. Die 220 PS, die wir haben, sind fürs Erste genug. Wenn wir sie überall einsetzen könnten, wären wir um zwei, drei Sekunden pro Runde schneller.? Honda will nächstes Jahr acht Werksmaschinen verstreuen. Pochst du auf einen Sonderstatus als Weltmeister?Rossi: Die Honda-Politik wird sein wie immer. Im ersten Rennen haben alle Piloten das gleiche Material, die Entwicklungsstufen ab diesem Moment werden zunächst fürs Werksteam gezündet.? Was fällt dir dazu ein, dass Max Biaggi nächstes Jahr zu Honda zurückkehrt?Rossi: Dass er uns bei Niederlagen nicht mehr die Story seines unterlegenen Motorrads auftischen kann. In Zukunft haben wir das gleiche Motorrad, und der, der gewinnt, ist der schnellere Fahrer. Im Notfall kann er natürlich auch davon anfangen, mein Motorrad sei die offizielle Werksmaschine und seines nur ein Kundenmodell. Allein der Gedanke daran bringt mich auf die Palme.? Kannst du deine Siegesserie nächstes Jahr im gleichen Stil fortsetzen?Rossi: Natürlich werde ich alles daransetzen. Aber gegen sieben weitere Fünfzylinder-Honda und die stark verbesserten Yamaha M1 wird es sicher schwieriger.? Was traust du Ducati zu?Rossi: Dort gibt es ein Riesenpotenzial. Ducati hat eine Menge Renn- und Siegeserfahrung, ein gutes Team, mit Loris Capirossi einen guten Fahrer – und das Motorrad sieht wunderschön aus. Ich denke, dass sie schon im ersten Jahr Top-Resultate einfahren werden.? Dein künftiger Teamkollege Nicky Hayden wirkt ähnlich lässig und lebenslustig wie du. Was erwartest du von der Zusammenarbeit?Rossi: Ich kenne Hayden persönlich noch gar nicht. Ich weiß nur, dass er US-Superbike-Meister ist. Es wird sich zeigen, ob das Fahrerniveau in der US-Szene dem im GP-Sport entspricht.? Gönnst du dir zur Feier deines vierten WM-Titels etwas Besonderes, einen Ferrari oder eine Luxusyacht zum Beispiel?Rossi: Meine schönste Belohnung wird sein, zu Hause auszuspannen. Wir reisen mehr als genug im Jahr. Ein Ferrari interessiert mich nicht, ich fahre Porsche. Und das Meer gefällt mir nicht – deshalb kaufe ich auch kein Boot.? Du wirst aber, nur so zum Spaß, die Auto-Rallye-WM-Finale in England bestreiten. Wie kam es zur Begeisterung für diesen Sport?Rossi: Meine ersten Rennen habe ich auf Karts bestritten. Außerdem fuhr mein Vater Graziano früher Auto-Rallyes – und wann immer ich Gelegenheit dazu hatte, bin ich auf den Beifahrersitz geklettert.

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