Finale Moto Cross-Inter-DM (Archivversion) Kaiser, König, Bettelmann

Noch nie bemühten sich die Veranstalter so erfolgreich um das Wohlergehen der Internationalen Deutschen Moto Cross-Meisterschaft - und müssen dafür um Erlaubnis betteln.

Shayne King reckt euphorisch beide Daumen nach oben. 1996, das war sein Jahr. Erst vor anderthalb Monaten schrieb der stämmige Profi internationale Moto Cross-Geschichte, als er sich als erster KTM-Fahrer und gleichzeitig erster Neuseeländer den Halbliter-WM-Titel sicherte. Nun hatte er sich in Schenkenhorst Triumph Nummer zwei gegönnt: den Gesamtsieg in der Internationalen Deutschen Moto Cross-Meisterschaft. Wobei der sanftmütige Shayne wohl kaum wußte, daß er mit seinem Titel dieser Inter-DM genannten Meisterschaft in ihrer zehnten Saison das schönste Jubiläumspräsent beschert haben dürfte. Denn einen amtierenden Weltmeister an der Spitze dieses Championats auflisten zu dürfen, hätten im Gründerjahr 1987 nur die unverbesserlich Blauäugigen prognostiziert. Damals nämlich galt es eher, die heimischen Talente an internationale Weihen heranzuführen. Jeder gegen jeden lautete dafür die Devise. Seitdem streiten die besten Fahrer aus allen drei DM-Kategorien samt ausländischen Gaststars klassenübergreifend in Deutschlands Renommier-Serie.Und weil gutem Sport auch ein entsprechendes Podium gebührt, wollten sich die 17 wichtigsten Moto Cross-Clubs nicht lumpen lassen und gründeten vor nunmehr vier Jahren die sogenannte IGM, die Interessengemeinschaft der Moto Cross-Veranstalter Deutschlands. Mit stolzen 21 000 Mark pro Club leisteten sich die gutwilligen Vereine bei den Inter-DM- und WM-Läufen erstmals den inzwischen gängigen Service der TV-Sportsender: Gratis-Ausstrahlung gegen fix und fertig und natürlich gratis angelieferte TV-Produktion. Auf daß die Präsenz in der Flimmerkiste auf Dauer nicht zu teuer käme, wurde gleich noch eine Vermarktungs-Agentur ausfindig gemacht, welche über Sponsoren den Löwenanteil der Produktionskosten von etwa 25 000 Mark je Veranstaltung finanziert.Keine schlechte Lösung - auf den ersten Blick. Doch das Zweigestirn IGM und deren Stuttgarter Vermarkter Image hat die Rechnung ohne den Dritten im Bunde, die Gralshüter des deutschen Motorradsports, die OMK gemacht. Anstatt dem engagierten Duo explizit den Rücken zu stärken, demonstrieren die Herren aus Frankfurt lieber überflüssigen Machtdünkel. Jüngstes Beispiel: die Terminauswahl 1997. Statt sich solidarisch im wahrlich genügend großen Kreis der IGM-Veranstalter zu bedienen, vergibt die OMK einen Inter-DM-Lauf ausgerechnet an den nicht zur IGM gehörigen Veranstalter im hessischen Aufenau-Wächtersbach. TV-Produktion und einheitliche Inter-DM-Präsentation ausdrücklich ausgeschlossen. Dem nicht genug: Auch der Deutsche Motorradsport-Verband (DMV) nimmt der IGM mit Billigung der OMK die Butter vom Brot. Beim 500-cm³-WM-Lauf in Holzgerlingen wird 1997 nicht IGM/Image die Vermarktungsrechte in Anspruch nehmen, sondern eine DMV-eigene Agentur, was Günter Mühlberger, Vizepräsident der IGM, erstaunlich duldsam zur Kenntnis nimmt: »Die OMK hat uns damit zwei dicke Eier gelegt«, fügt sich der Schwabe notgedrungen in sein Schicksal. Burkhard Sarholz, Honda-Händler und als wichtigster Mäzen des deutschen Moto Cross-Sports der Szene innigst verbunden, drückt es drastischer aus: »Die OMK ist ein Sauhaufen. Basta.« Wobei sowohl OMK, IGM, DMV und Image gerade in ihrer Marketing-Euphorie aufpassen sollten, daß es auf Dauer überhaupt etwas zu vermarkten gibt. Denn das Budget für einen Inter-DM-Lauf von etwa 80 000 Mark müssen die Clubs nach wie vor über eigene, meist kleinere Sponsoren und Zuschauereinnahmen abdecken. Besucherzahlen von kümmerlichen 2000 Fans in den alten Bundesländern und wie in Schenkenhorst etwa doppelt soviel im Osten bringen die Kassierer aber gewaltig ins Schwitzen. Und daran konnten bislang weder TV-Minuten noch hohes sportliches Niveau etwas ändern.Schade, denn auch beim Inter-DM-Finale in Schenkenhorst, kaum zwanzig Kilometer vom Stadtrand Berlins entfernt, hätten die Veranstalter eine größere Kulisse verdient gehabt. Liebevolle Organisation, WM-würdige Strecke und überdurchschnittliche Infrastruktur erfüllen selbst höchste Ansprüche, selbst wenn die Versehrtenliste unter den gebeutelten Akteuren am Saisonende erschreckende Ausmaße angenommen hat. Mit Bernd Eckenbach, Andy Kanstinger, Rupert Walkner und Marcel van Drunen buchten neben einem ganzen Heer Mittelklassepiloten gleich vier potentielle Titelanwärter statt Laufsiege den Krankenstand. So blieb lediglich Titelverteidiger Dietmar Lacher als einzigem Deutschen die theoretische Möglichkeit, Shayne King doch noch vom Thron zu stoßen. Doch sosehr der Südbadener seine Halbliter-Honda auch durch den Sand peitschte, nicht einmal ein Laufsieg und zwei zweite Plätze reichten, um den routinierten Mister King auf den Rängen eins, zwei und drei auszubooten. Vielleicht war´s auch gut so. Denn die Rücktrittsabsichten des 30jährigen rücken durch den verpaßten Inter-Titel einerseits und den feinen vierten Rang in der 500er WM andererseits wieder in weite Ferne. Fans und IGM werden sich freuen. Und vielleicht auch die OMK - selbst wenn´s nur wegen der 580 Mark Lizenzgebühr sein sollte.

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