Firmenporträt Kedo - größter Spezialist in Europa Leidenschaft Einzylinder - Yamaha Viertakter

Seit 20 Jahren dreht sich bei Kedo in Hamburg alles um große Yamaha-Viertakter: SR, XT, TT, TDM und TRX. Für kultige Eintöpfe mit 500, 600 und 660 cm3 gilt die Firma als größter Spezialist in Europa, mit rund 6500 Teilen im Sortiment.

Foto: Schmieder

Dieser Laden lebt. Traditionell. Es ist in 20 Jahren bereits die dritte Adresse von Kedo in Hamburg. Und erneut platzt die immer wieder erweiterte Mischung aus Warenlager, Werkstatt und Wohnung aus allen Nähten. Wohnung? Ja, denn bis 2007 lebte Daniel Doritz (43) mit seiner Frau hier im Hinterhof in Barmbek. „Aber da war man doch zu wenig getrennt von der Arbeit.“

Er hätte es wissen können: Im April 1992 gründete Daniel zusammen mit Erik Kerger den Zubehörladen für Yamaha SR und XT 500 just im eigenen Wohnzimmer. Der Firmenname „Kedo“ kombiniert die Nachnamen der Firmengründer Kerger und Doritz. Feines für feiste Viertakter, das war, ist und bleibt ihr Programm. Mittlerweile für alle Yamahas der Baureihen SR, TT, XT, TDM, TRX, WR und YZ, von 250 bis 1200 cm³. Schwerpunkt sind die 500er- und 600er-Modelle, sagt Daniel.

„Die Kedos“, nennt er sein tolles Team aus zwölf Leuten. Alle Mitarbeiter sind handverlesen: „Man muss SR und XT kennen und lieben, sonst wird man hier nicht glücklich.“ Deshalb warb Daniel bereits mehrfach gute Leute an, solche mit echter Leidenschaft für Einzylinder.

Die Mitarbeiter sprühen vor Begeisterung. Wissen und Gefühl sind gefragt, bei 6500 lieferbaren Teilen, vom Benzinfilter bis zur Aluschwinge, vom Radlager bis zum Edelstahl-Leistungskrümmer, vom Aufklebersatz bis zum Ersatztank.

Allein 4500 Teile listet der fast 500 Seiten starke Katalog auf. Quasi die Bibel für Yamahas Singles. Denn der Kedo-Katalog enthält auch Service-Daten, Termine und rassige Komplett-Umbauten. „Pur, bodenständig, ohne elektrischen Gefühlsverstärker“, so kennzeichnet Lutz Semtner (46) das Besondere von XT, SR & Co. Er fuhr schon die Paris-Dakar. Und hat „natürlich“ selbst eine XT 500, na logisch.

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Lutz ist Kedos „Design-Minister“ mit „dem Ohr am Kunden“, Beratung am Telefon und vor Ort. Gerade kommt Mikael aus Finnland in den Laden. Er ist auf der Durchreise, braucht nur zwei Spiegel für seinen Single. Kedo kennt man nicht nur in Deutschland. Selbst vor der geerdeten Einzylinder-Szene macht das Web-Zeit-

alter nicht halt. Früh setzte Kedo auf einen guten Internetauftritt und auf computergestützte Bestellabwicklung sowie Lagerhaltung. „Als wir 1992 anfingen, gingen 95 Prozent der Verkäufe noch direkt übern Ladentisch.“ Also machten Bestellungen per Fax, Brief oder Telefon vor 20 Jahren rund fünf Prozent des Umsatzes aus.

Heute kommen über 90 Prozent aller Bestellungen per Telefon und vor allem via Online-Shop herein, hat Kedo weltweit Kunden. Die Website ist Deutsch und Englisch, nennt Preise in Euro plus Dollar, Pfund und Yen: „Japaner sind komplett SR-verrückt“, berichtet Daniel.

Mehrmals pro Woche gehen Pakete ins Mutterland dieses Kult-Motorrads: „Die Japaner schätzen deutsche Manufaktur-Arbeit.“ Besonders gefragt in Nippon? Öltemperatur-Direktmesser von RR, Umbausätze für hydraulische Kupplungen von Hymec/Magura (289 Euro inklusive Armatur, Hebel und Nehmerzylinder) und Doppelschmierung für die empfindlichen Kipphebel, für überschaubare 39,90 Euro.

Nette Geste und Markenzeichen: Jeder Lieferung aus Hamburg liegt eine Haribo-Lakritzschnecke bei. Der mittelständische Betrieb kann nur einen kleinen Teil des riesigen Sortiments selbst herstellen. Er vergibt daher exklusive Aufträge an renommierte Lieferanten und Spezialisten. „Unsere Sitzbank für die SR 500 ist ein echtes Hamburger Produkt,“ erklärt Diplom-Kaufmann Georg Künzel (37). „Von Kedo entwickelt, von einer Sattlerin in der Hansestadt formvollendet - flacher, trotzdem angenehm gepolstert.“ Gewusst wie.

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Georg fing 1996 während seines Studiums an. Er ist heute neben Kerger und Doritz dritter Teilhaber. Einmal Kedo, immer Kedo. Georgs Lieblingsprodukt? Faltenbälge für die TT 500. „Die lassen wir originalgetreu nachfertigen.“ Mit kleinen Gitterchen, damit beim Einfedern Luft entweichen kann. Sie passen dank des Baukastensystems auch an XT 500. „Wir haben viele Leckerlis, die Yamaha selbst nicht mehr liefern kann“, sagt Georg.

Für die Technik zuständig ist Ralf Thumm, gelernter Werkzeugmacher und Maschinenbau-Ingenieur. Stolz präsentiert er einen sehr schmalen Zahnriemen statt der Serien-Kette für SR 500. „Es gelang uns, den wartungsarmen Zahnriemen-Antrieb kostengünstig zu adaptieren“, freut sich Ralf. Bis 31. August 2012 gilt für den Umbausatz noch ein Vororder-Preis von nur 280 statt später 395 Euro.

Ralf begeistert sich regelrecht für technische Schmankerl. Dazu zählen besser gelagerte Kettenblatt-Träger für die 500er-Modelle, angelehnt an die 600er. „Erst dann läuft‘s wirklich verschleißfrei“, sagt der 47-Jährige. „Offenbar rechnete Yamaha selbst nicht damit“, sagt er verschmitzt, „dass solche Einzylinder 30 Jahre laufen können.“ Es geht Kedo eben nicht bloß ums Austauschen. Sondern auch ums Verbessern. Die hauseigene Werkstatt überholt Baugruppen, arbeitet Motoren neu auf und restauriert ganze Maschinen.

Wichtig ist den Hanseaten ihre Kundenbindung, sie luden 2011 bereits zum vierten Kedo OffroadDay ein. „Da gibt’s keinen Glitzer und kein Glamour“, sagt Daniel, „sondern pures Fahren.“ Kein Wunder, er fuhr früher selbst Motocross.

Die Neuauflage von Kedos RaceDay nach dem Muster von 2006 scheiterte dagegen bislang an der Suche nach adäquaten Rennstrecken. Kedo startete auch bereits in der Supermoto-Szene, mit einer aufwendig umgebauten YZ 450.

Auf Anstoß des Kölner Designers Jens vom Brauck entstand Ende 2010 die „D-Track“, eine 150 Kilogramm leichte SR, als Scrambler mit Flat Track-Elementen. In die spätere „B-Track“ flossen noch weitere gemeinsame Ideen ein. Daniel Doritz: „Jens war mit seiner SR 500 schon lange Kedo-Kunde, aber ich kannte ihn nicht persönlich. Es war spontane Sympathie.“

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Jens kennt sich aus, hat 250000 Kilometer auf seiner SR abgespult. Und er wusste, was in der Szene läuft. Sein Vorschlag: „Ich baue euch geile SRs, so wie sie in Australien oder Japan populär sind.“ 95 Prozent der nötigen Teile für die D-Track lagen bereits im Regal. Maßgabe für neu entwickelte Bauteile war, dass Kedo sie in Kleinserie anbieten kann, etwa Kotflügel und Lampenmaske. „Wir wollen zeigen‚ was geht, die Besitzer anregen, selber zu customizen.“ Wer nicht selber Hand anlegen will, kann bei Kedo auch Komplett-Umbauten kaufen, „ab 12000 Euro und mit viel Wartezeit“, sagt Daniel.

Er kennt drei Arten von Einzylinder-Piloten: Erstens solche, die sich nach Schule, Studium, Kindern und Karriere wieder ganz bewusst auf ihren Single zurück besinnen, der oft jahrelang in Schuppen oder Garage wartete. Ferner Fahrer, die noch etwas selber schrauben wollen, an einem ehrlichen, kernigen Motorrad. „Schließlich verkörperte eine XT 500 einmal den Endurotraum - ein echtes Männer-Motorrad mit Macho-Image.“ Echte Enthusiasten für pures Viertakt-Feeling. So wie jener Italiener, der per Flugzeug nach Hamburg kam, um eine Tuning-Nockenwelle abzuholen.

Schließlich gibt es immer noch die Alltagsfahrer. Sie setzen auf ein Motorrad, das nicht ständig fordert, „außer Antreten vielleicht.“ Einfach mal die Zylinderzahl herunterfahren. Das Rezept gegen Langeweile? Jeden Tag Eintopf. Als Kedo 1992 startete, da hatten XT und SR 500 ihren Zenit bereits überschritten. Doch bei der Kedo-Mannschaft ist die Leidenschaft für die Einzylinder bis heute zu spüren.

Kontakt

Kedo GmbH
Steilshooper Straße 33
22305 Hamburg-Barmbek
Telefon: 040/40 17 02 00
www.kedo.de

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