Forum (Archivversion) Leser fragen - Experten antworten

Wenn der Motor zweimal klingelt, der Schuh drückt, ein Reifen nicht die Kurve kriegt oder der Kofferträger nicht das hält, was er verspricht – was dann? MOTORRAD hilft Ihnen weiter.

Rissige Reifen
Vor Kurzem musste ich die Reifen meines Motorrads wechseln lassen, weil sie starke Rissbildung zeigten. Wie kann es bei gerade einmal zwei Jahre alten Reifen dazu kommen, obwohl ich den Druck regelmäßig kontrolliere und das Motorrad fast immer in der Garage steht?
Karlheinz Diepold, Leiter technischer Kundendienst Pirelli Deutschland, www.pirellimoto.de
Risse in Motorrad- wie auch in Pkw- oder Lkw-Reifen können auf zweierlei Weise entstehen: zum einen dynamisch, also durch Bewegung, Verformung oder übermäßiges Walken eines Reifens, was zu einer mechanischen Über-lastung führt. Zum anderen – wenn auch wenig bekannt – gibt es Umwelteinflüsse, welche das Kautschukmaterial im unbelasteten, statischen Zustand schädigen können. Dazu gehören in erster Linie Sauerstoff und Ozon sowie UV-Strahlung. Diese Einflüsse bewirken im Laufe der Zeit ein Aufbrechen der glatten Reifenoberfläche und damit optisch eine Rissbildung. Deshalb mischen die Markenhersteller ihren Reifen neben Stoffen, die Haftung und Fahrverhalten verbessern, auch Substanzen bei, die einer solchen »Alterung« des Materials entgegenwirken.
Bei normalem Gebrauch ist eine Rissbildung am Gummimaterial eines Reifens also weitgehend ausgeschlossen. Falls diese doch auftritt, ist sie meistens auf eine Schwächung dieser Alterungsschutzmittel oder unsachgemäße Lagerung zurückzuführen. Das kommt beispielsweise vor, wenn ein Motorrad längere Zeit ungünstig geparkt und dabei übermäßig starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt wurde. Wohnwagenbesitzer kennen dieses Thema. Auch ein Abreiben der Reifen mit Benzin oder Bremsenreiniger oder das Abspritzen der Reifen mit einem Hochdruck­reiniger können eine Rissbildung begünstigen. Übrigens produzieren auch Elektrogeräte wie etwa Kühlschränke, Gefriertruhen oder Klimaanlagen Ozon und können ­daher Reifen, die sich in der Nähe befinden, schädigen.

Punkteverteilung
Ich bin zugegebenermaßen fleißiger Punktesammler in Flensburg und möchte gern wissen, ob sich der Bußgeldkatalog für die Bereiche Pkw und Motorrad unterscheidet und wo ich erfahren kann, wie sich meine Punkte darauf verteilen.
Stephan Immen, Pressesprecher, Kraftfahrt-Bundesamt, www.kba.de
Zunächst einmal werden Vergehen mit Krafträdern und Pkw in Bezug auf Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr und Entscheidungen wegen Ordnungswidrigkeiten nach §§ 24, 24a, 24c Straßenverkehrsgesetz (StVG) gleich behandelt und bepunktet. Spezifische Tatbestände für »Motorradpunkte« gibt es nur wenige. Wenn beispielsweise der Führer eines Kraftrads ein oder mehrere Kinder ohne Helm befördert, erhält er in der Regel dafür ein Bußgeld in Höhe von 40 beziehungsweise 50 Euro. Eintragungen ins Verkehrszentralregister (VZR) erfolgen im Zusammenhang mit Bußgeldern ab 40 Euro und sind grundsätzlich mit einem oder mehreren »Punkten in Flensburg« verbunden. Wie sich das persönliche Punktekonto auf die Bereiche Pkw und Motorrad verteilt, geht in aller Regel aus den Mitteilungen hervor, die das Verkehrszentralregister (VZR) von den Bußgeldbehörden oder Gerichten erhält. Diese Inhalte werden einer Auskunft aus dem VZR als Anlage beigefügt. Die Auskunft ist formlos, jedoch schriftlich beim Kraftfahrt-Bundesamt, 24932 Flensburg zu beantragen. Dazu sind eine Kopie des Personalausweises und die Unterschrift des Antragstellers notwendig.

Laserkorrektur
Ich bin kurzsichtig und habe es satt, beim Motorradfahren ständig mit beschlagenen Brillengläsern zu kämpfen. Kontaktlinsen vertrage ich nicht, bleibt nur eine Laserkorrektur. Allerdings habe ich gehört, die Augen wären nach einer OP besonders zugluftempfindlich, was beim Motorradfahren ebenfalls extrem stört. Stimmt das? Und welche Sehschwächen (Dioptrienstärken) lassen sich korrigieren, was kostet eine OP, und was übernimmt die Kasse?
Prof. Dr. Klaus Ludwig, Ärztlicher Direktor Aris Augenklinik, www.aris-augenklinik.de
Für Motorradfahrer/innen, die mit Brille nicht ausreichend gut sehen und zudem Kontaktlinsen nicht vertragen, kann eine operative Korrektur ihrer Fehlsichtigkeit (Kurz-, Weit- oder Stabsichtigkeit) tatsächlich eine gute und dauerhafte Lösung ihres Sehproblems sein. Zuvor muss jedoch unbedingt eine genaue augenärztliche Untersuchung klären, welche Art von Sehfehler vorliegt, wie hoch er ist, ob das Auge hinsichtlich seiner Stabilität überhaupt für eine operative Korrektur geeignet ist, und wenn ja, welche den besten Erfolg verspricht.
Für Kurzsichtigkeiten bis zu minus acht Dioptrien, Astigmatismen bis zu fünf Dioptrien und Weitsichtigkeiten bis zu plus drei Dioptrien gilt heute die Laserkorrektur in der Hornhaut (beispielsweise LASIK) als das erfolgreichste Verfahren. Da der Großteil der Fehlsichtigkeiten innerhalb dieser Grenzen liegt, ist es auch die mit Abstand häufigste Behandlungsmethode. Bei extremen Sehfehlern erfolgt eine Korrektur besser durch Kunstlinsen, die mittels Opera­tion in das Auge eingesetzt werden. Die Laserkorrektur gibt es in mehreren Varianten, die sich unter anderem in ihrem apparativen Aufwand, den Anforderungen an den Chirurgen oder der Dauer der Wundheilung unterscheiden können. Alle Laserkorrekturen in der Hornhaut verursachen nach dem Eingriff für sechs bis zwölf Wochen eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Zugluft. Diese bildet sich jedoch in aller Regel wieder vollständig zurück. Die Kosten für eine Laserkorrektur können je nach Technik und Operateur zwischen einzelnen Laserzentren erheblich streuen. Im Allgemeinen betragen sie zwischen 500 und 2500 Euro pro Auge. Gesetzliche Krankenkassen dürfen diese Kosten derzeit nicht übernehmen. Private Krankenkassen sind nicht selten zu einer Beteiligung bereit.

Lenkererhöhung
Handling und Sitzposition der BMW K 1200 S können nach Meinung vieler »S-Besitzer« durch den Umbau auf die höhere Gabelbrücke der K 1200 R wesentlich verbessert werden. Nach meinen Informationen führen viele BMW-Vertragshändler diesen Umbau, für den lediglich ein längerer Gaszug benötigt wird, bereits vor Auslieferung der S aus. Mich interessiert, ob eine TÜV-Abnahme oder Eintragung in die Papiere erforderlich ist und BMW den Umbau gutheißt.
Markus Poscher, Leiter K-Baureihe BMW Motorrad, www.bmw-motorrad.de
Der Umbau der K 1200 S auf die Lenkerbrücke der K 1200 R wurde von uns nicht erprobt und kann daher auch nicht empfohlen werden. Falls ein solcher Umbau durchgeführt wird, ist im Einzel-fall der Freiraum zu Tankabdeckung und Spiegel zu überprüfen und zusätzlich der Deckel des Bremsflüssigkeits­behälters der K 1200 R Sport zu montieren. Es bestehen keine Festigkeitsbedenken. Ein Eintrag in die Fahrzeugpapiere ist nicht erforderlich.

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