Forum (Archivversion)

Leser fragen - Experten antworten

Noch leiser?
Die zulässigen Fahrgeräuschgrenzwerte für
Motorräder sind in der Vergangenheit immer wieder gesenkt worden und liegen momentan bei 80 dB(A). Ist in den kommenden Jahren mit einer
weiteren Verschärfung
zu rechnen, und gilt die dann europaweit oder nur in Deutschland? Wenn ich in Spanien oder Italien unterwegs bin, wundere ich mich nämlich immer über deren extrem laute Auspuffanlagen.
Dipl.-Ing. Christoph Gatzweiler,
Industrie-Verband Motorrad,
Ressortleiter Technik, www.ivm-ev.de
Zurzeit wird in Genf über die Übernahme
eines neuen Geräuschmessverfahrens in
das europäische Recht verhandelt. Zu dem neuen Messverfahren wird es sicherlich auch neue Grenzwerte geben. Wie die im einzelnen aussehen, steht jedoch noch nicht fest – ebenso wie der konkrete Zeitrahmen, ab wann sie gelten sollen. Grenzwerte und Vorschriften für die europäische Betriebserlaubnis gelten schon seit Mitte 1999 nur noch für ganz Europa. Die Umsetzung beziehungsweise
die Kontrolle obliegt dann den Einzelstaaten. Illegale Auspuffanlagen sind somit überall unzulässig. Allerdings gilt auch hier die alte Volksweisheit: »Wo kein Kläger oder Kontrolleur, da kein Richter«.
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Garantie (Archivversion)

Wie sieht es mit der Garantie für mein Motorrad aus, wenn ich bei einem
Tuner eine Leistungssteigerung vornehmen lasse? Und spielt es eine Rolle, ob ich die Leistungssteigerung eintragen lasse oder nicht?
Karlheinz Vetter, Presse-sprecher Yamaha Deutschland
www.yamaha-motor.de
Jegliche Form der Leistungssteigerung – egal, ob durch klassisches Tuning oder Elektronik – führt zum Erlöschen der Garantie. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Leistungssteigerung eingetragen werden kann oder nicht. Wenn allerdings an einem völlig anderen Bauteil ein Schaden entsteht, der objektiv in keinem Zusammenhang mit dem Tuning steht, dann ist das eine Einzelfallentscheidung, und es gibt in der Regel eine Garantieleistung.

Übersetzung (Archivversion)

Wie viel darf man prozentual an der Sekundärübersetzung des Motorrads ändern (länger oder kürzer), ohne den Umbau eintragen zu müssen?
Dipl.-Ing. Wolfgang Löscher,
Leiter Dekra Automobil Test Center
www.dekra.de
Prinzipiell gibt es keinerlei Möglichkeit, die Sekundärübersetzung an einem Motorrad nachträglich zu ändern, ohne diese Änderung abnehmen
beziehungsweise begutachten zu lassen und in die Fahrzeugpapiere einzutragen. Grund für diese sehr einschränkende Vorgabe ist der Umstand, dass durch eine solche augenscheinlich ganz einfache und überschaubare Änderung der Sekundärübersetzung mehrere vorgeschriebene Eigenschaften des Motorrads beeinflusst werden. Dabei geht es zunächst schlicht darum, dass die geänderte Sekundärübersetzung so nicht in der Genehmigung beschrieben ist. Und im weiteren
stehen Veränderungen bei Höchstgeschwindigkeit, Abgas- und Geräuschverhalten im Raum. Ob alle diese genannten Punkte
tatsächlich in unzulässiger Weise, also über festgelegte Toleranzen hinaus beeinflusst werden, kann natürlich pauschal nicht
gesagt werden. Das ist dann Inhalt der vorgeschriebenen Begutachtung bezüglich der geänderten Sekundärübersetzung und
findet bei positivem Abschluss seinen Niederschlag in einer
Berichtigung der Fahrzeugpapiere.

Leistungs-Zuwachs (Archivversion)

Ist es möglich, mit einem Leichtlauf-Motoröl noch etwas Leistung
aus dem Motor meiner 2006er-R1 herauszukitzeln? Und bleibt die Schmiersicherheit auch bei extremen Bedingungen erhalten?
Ronald Kabella
Motorex,
Oil of Switzerland,
Leiter Export
www.motorex.com
Leistungsoptimierungen über das Motoröl sind grundsätzlich möglich. Allerdings kann dies nicht über einen möglichst tiefen Reibwert erreicht werden, wie er von den im Pkw-Bereich eingesetzten Leichtlauf-Ölen versprochen wird. Im Gegensatz
zu den Personenwagen verfügen Motor-
räder über nur einen Ölkreislauf, der den Motor und das Getriebe schmiert, aber gleichzeitig auch den Kraftschluss in der Kupplung unterstützt. Ein zu tiefer Reibwert hat zur Folge, dass die vom Motor produzierte Kraft nicht mehr optimal über die Kupplung an das Getriebe weiter-
gegeben werden kann. Eine so erreichte Leistungssteigerung verpufft also ungenutzt. Diese gegenläufigen Anforderungen an ein Öl sind für die Chemiker und
Ingenieure im Motorrad-Bereich ein alt-
bekanntes Thema, und deren ständige Optimierung gehört deshalb seit langem zur Kernanforderung jeder Neuentwicklung. Maximale Leistung darf dabei nie auf Kosten der Schmiersicherheit gehen, und es ist die Aufgabe der Ölhersteller, diese Gratwanderung möglichst optimal zu meistern. Motorex hat es beispielsweise beim Rennöl für das Yamaha-Supersport-WM-Werksteam in der vergangenen Saison geschafft, die Leistung im Vergleich zum zuvor eingesetzten Öl klar messbar zu erhöhen. Solche Entwicklungsschritte und Erfahrungen aus dem Renneinsatz fließen direkt in die kontinuierliche Weiterentwicklung der Produkte ein. Qualitativ hochwertige Markenöle können ihre volle Leistungsfähigkeit auch unter extremen Belastungen entfalten, die Schmiersicherheit bleibt erhalten.

Slick-Reifen (Archivversion)

Warum gibt es eigentlich keine straßenzuge-
lassenen Slick-Reifen? Klar haben die bei Regen
keinen Grip, doch warum nicht mit einem Auf-
kleber fürs Cockpit ausstatten, der ihren Einsatz nur bei trockener Straße zulässt? Schließlich
gibt’s ja auch M+S-Aufkleber für Stollenreifen auf leistungsstarken Enduros.
Thomas Ochsenreither
Michelin-Marketing und
Leiter Erstausrüstung
Motorradreifen
www.michelin.de
Die Profilrillen sind erforderlich, um den Kontakt des Reifens zur Fahrbahn immer
sicherzustellen und die Aquaplaninggefahr zu verringern, indem sie quasi den Wasserfilm aufschneiden und das Wasser aus der Reifenaufstandsfläche herausleiten. Die StVZO schreibt deshalb in Paragraph 36 vor: »Luftreifen an Kraftfahrzeugen und Anhängern müssen am ganzen Umfang und auf der ganzen Breite der Lauffläche mit Profilrillen oder Einschnitten versehen sein. Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimeter aufweisen; als Hauptprofil gelten dabei die breiten Profilrillen im mittleren Laufflächenbereich, der etwa 3/4 der Laufflächenbreite einnimmt.« Diese Formulierung schließt den Einsatz von Slicks im Straßenverkehr aus – daran ändern auch mögliche Aufkleber im Sichtbereich des Fahrers nichts.

Polieren (Archivversion)

Zählt Ventile und Ansaugkanäle
polieren eigentlich schon zu den
eintragungspflichtigen Tuningmaßnahmen, oder ist das noch legal?
Walter Schulz
TÜV Rheinland
Kraftfahrt GmbH,
Leiter Typprüfung
www.tuv.com
In der Homologation des Fahrzeugs sind normalerweise nur die Querschnitte der Ansaugkanäle und Ventile angegeben, aber nicht die Beschaffenheit der Oberflächen. Aus dieser Sicht betrachtet, findet keine unzulässige Veränderung statt, solange die Querschnitte nicht vergrößert werden. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass das bloße Polieren so gut
wie keine messbare Leistungssteigerung bringen kann. Um den gewünschten Mehrdurchsatz zu erzielen, müssen die Querschnitte erweitert werden. Eine derartige Maßnahme ist dann auf alle Fälle eintragungspflichtig.

Mitschuld? (Archivversion)

Ein Kumpel von mir wurde mit seinem Motorrad von einem Autofahrer umgesemmelt. Ergebnis: Auto und Motorrad Totalschaden und er drei Monate arbeitsunfähig. Jetzt macht die gegnerische Versicherung Zicken und will nicht zahlen, weil er eine Racing-Auspuffanlage montiert hatte. Was hat die denn bitte mit dem Unfallhergang zu tun?
Ralph Andreß, Rechtsanwalt, www.kanzleihga.de
Neben dem Schaden am Motorrad, dem Schmerzensgeldanspruch und Anspruch auf Ausgleich des
Verdienstausfalls des Geschädigten kommt ein ganz erheblicher Posten hinzu, der oft übersehen wird:
die Kosten der Heilbehandlung. Die Krankenkasse nimmt nämlich bei der Haftpflichtversicherung des Schädigers Regress. Nach ein paar Wochen Krankenhaus und Reha
kommen ganz immense Summen zusammen. Da lohnt es sich für die Versicherung schon, zunächst einmal zu blocken, sei es auch mit schwachen Argumenten. Je länger der Unfall zurückliegt, umso eher ist der Geschädigte bereit, auf einen Teil seiner Ansprüche zu verzichten, um die Sache endlich zu beenden. Wird dann nur eine Quote
bezahlt, versucht die Versicherung, diese Quote auch bei der Kranken-
kasse durchzusetzen. Die Haftung und gegebenenfalls die Verteilung richtet sich im Wesentlichen nach § 7 StVG. Danach haftet grundsätzlich der Halter eines Kraftfahrzeugs für Schäden, die »beim Betrieb« verursacht werden. Hat der Motorradfahrer bei der Ent-
stehung des Unfalls in irgendeiner Art und Weise »mitgewirkt«, so muss er sich ein Mitverschulden anrechnen lassen. Die
Racing-Anlage spielt aber, was den direkten Unfallhergang anbelangt, keine Rolle. Davon unabhängig mein Rat:
Beauftragen Sie einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens.

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