Fröhlich, Georg: Interview (Archivversion) »Gebe 110 Prozent“

+++ Georg Fröhlich, 15, hat es geschafft:
vom Cup in den Grand Prix +++

Kannst du dich noch an deine erste Fahrt mit der Cup-Honda RS 125 R im März letzten Jahres erinnern? Klar, das Ding war wie eine Waffe. Vorher bin ich drei Jahre lang Minibikes gefahren, die waren im Vergleich ziemlich langsam. Und bei der RS hatte ich plötzlich 44 PS unterm Hintern. Aber ich habe mich schnell eingewöhnt. Das kann man wohl sagen: Nach deiner ersten Cup-Saison bist du in die 125er-IDM aufgestiegen, hast dort in diesem Jahr auf Anhieb vier Läufe gewonnen und wärst um ein Haar sogar Meister geworden. Hast du schon realisiert, was da in den letzten anderthalb Jahren abgelaufen ist? Manchmal kann ich es selbst noch nicht so recht glauben. Und wie geht es 2004 weiter? Ich darf mit einer Wildcard Grand-Prix-Rennen fahren. Es ist geplant, dass ich mit dem ADAC-Honda-Team bei allen europäischen WM-Läufen der 125er am Start bin. Damit hast du als Musterschüler die Ziele der Förderung von ADAC und Honda im Schnelldurchgang erreicht. Hast du schon Bammel vor deinem ersten Grand Prix? Das wird brachial. Zehn Mann fahren dort im Training innerhalb einer Sekunde, die Leistungs-dichte ist erdrückend. Aber ich gebe 110 Prozent und werde auch in diese Aufgabe hineinwachsen. Wie reagieren die Schulkameraden auf deine Erfolge? Bist du jetzt der große Star in deiner Klasse? Manche interessieren sich dafür, auch ein paar Mädels. Manche sind ein bisschen neidisch. Ein Blick zurück – wie bist du eigentlich zum Motorradsport gekommen? 1998 war ich mit meinem Vater beim Grand Prix am Sachsenring und habe dort ein paar Minibikes gesehen. Die haben mich total angemacht. Daraufhin hat mir Papa einen Minicrosser gebaut, und im nächsten Frühjahr bekam ich dann ein Simson-Minibike für die Straße. Es war also dein Wunsch, Rennen zu fahren? Ja, das kam von mir, nicht von meinen Eltern. Aber Mama und Papa haben mich voll unterstützt, sonst hätte ich die Rennerei vergessen können. Was würdest du Jugendlichen raten, die Spaß am Motorradfahren gefunden haben und Rennen fahren wollen? Zunächst müssen sie ihre Eltern überzeugen, ohne die geht nix. Dann würde ich ihnen empfehlen, es so zu machen wie ich: erst Minibike-Rennen fahren und sich dann im Red-Bull-Cup bewerben. Trialmotorräder sind zum Einstieg ebenfalls bestens geeignet oder eine Supermoto-Maschine. Auch ich trainiere mit einem Supermoto-Bike, da kann ich bestens das kontrollierte Driften üben. Du scheinst nicht nur deine Bikes, sondern auch dich selbst gut unter Kontrolle zu haben. Vor dem Start lässt du keine Spur von Nervosität erkennen. Bist du immer so cool? Cool? Nein, ich denke ich bin ein ganz normaler Junge. Doch ich kann mich gut konzentrieren und lasse mich von nichts und niemandem ablenken, wenn ich mit dem Motorrad an der Startampel stehe.

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