Frostschäden an Fahrbahnen: Mangelhafte Ausbesserung aus Geldmangel (Archivversion)

Da steht der Familienvater, schwangere Frau im Arm, plärrendes Kind auf den Schultern, neben dem kahlrasierten Typ in der Bomberjacke. Und beide verstehen sich prächtig. Die Glatze verklickert dem Papa, daß er mit den rechtsradikalen Skinheads nicht zu tun habe. Und daß er sich für Politik gar nicht, für Roller dafür um so mehr interessiere. Freilich nur für ausgesuchte Vespen und Lambrettas. Den Rest hol’ der Teufel. Auf der »Extravaganza« in Herten, dort wo das Ruhrgebiet noch so richtig zechenhaft aussieht, trafen sich Anfang März die Freaks und die Normalos, die Rollerfahrer aus Überzeugung und die immer größere Gruppe derer, die’s ganz einfach tut, weil’s so fürchterlich vernünftig ist. Am Abend, bei der obligatorischen Sause, die in Scooter-Kreisen Allnighter heißt, waren die Hartgesottenen dann natürlich wieder unter sich. Aus ganz Deutschland, Belgien, den Niederlanden und England waren mehrere Tausend Freunde der kleinrädrigen Fortbewegung zur ausgeflipptesten Rollermesse hierzulande angereist. Wo sie die verrücktesten Vespas und Lambrettas beäugen konnten: Rollerdragster mit raffinierter Lachgaseinspritzung, eine mit über 1000 Briefmarken verzierte Simson Schwalbe, einen PX mit Skelettverkleidung, grandios restaurierte Oldtimer und dazu, versteht sich, fabrikfrische Neuheiten sogar aus Fernost. Auf einem Flohmarkt gab es brillanten Ramsch und alle möglichen und unmöglichen Ersatzteile für die klassischen Italiener zu kaufen - von der verrotteten Vespa-Karosse bis hin zur ultramodernen Scheibenbremse für zeitgemäße Verzögerungswerte. Und wer mal frische Luft schnappen wollte, fand auf dem ehemaligen Zechengelände, unter dem schon lange nicht mehr tief geschürft wird, zum einen eine einzigartige Atmosphäre, zum andern auf dem Parkplatz Vehikel genug, die sich vor den Prunkstücken in der Halle nicht zu verstecken brauchten. schü

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