G-Kat – es gibt noch einiges zu tun (Archivversion) G-Kat - es gibt noch einiges zu tun

MOTORRAD wollte es wieder ganz genau wissen: Wie viel Schadstoffe emittieren moderne Motorradmotoren wirklich? Angeregt durch die erstaunlichen Messwerte der Abgasgeschichte in heft 10, prüfte Europas größte Testmannschaft die BMW F 650 GS, die Honda Transalp und die Suzuki Freewind auf Herz und Nieren. Und zwar in drei verschiedenen Zyklen, von der Stadtfahrt bis zur simulierten Autobahnfahrt.Die Überraschung war groß. Denn der Unterschied bei den Schadstoffmengen Kohlenmonoxid, Stickoxide und Kohlenwasserstoff zwischen der BMW mit G-Kat und der Suzuki Freewind ohne jegliche Abgasnachbehandlung fiel geringerer aus als erwartet (siehe Seite 44). Wie BMW inzwischen selbst zugegeben hat, ist die Einspritztechnologie bei Einzylindern noch nicht so weit, dass sie ein perfekt funktionierendes Vergasermodell klarer distanzieren könnte. Gerade beim Single sei es sehr schwierig, sauberes Laufverhalten und sauberes Abgas unter einen Hut zu bringen. Es gibt also noch viel zu tun beim Thema Gemischbildung und Abgasreinigung. BMW gebührt das Verdienst, sich als erster Motorradhersteller der Welt mit einem geregelten Katalysator an den im Rundlaufverhalten schwierig abzustimmenden Einzylinder getraut zu haben. Der bayerische Single ist deshalb ganz klar ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber für eine weitergehende Schadstoffreduzierung müssen sowohl der Motor als auch die Einspritztechnologie weiterentwickelt werden. Für ein wirklich reines Gewissen fehlt es derzeit noch an der richtigen Hardware.Umso wichtiger ist es für mich, dass sich die Hersteller in großem Stil der Schadstoffproblematik annehmen. Je mehr Entwicklungsabteilungen sich mit dieser Thematik beschäftigen, desto schneller werden verbesserte Komponenten auf den Markt kommen. Das haben wir ja alle schon vor Jahren beim Pkw gesehen. Als klar war, dass die immer strengeren Grenzwerte in Zukunft nur noch mit G-Kat eingehalten werden können, boten alle Automobilhersteller damit ausgerüstete Modelle an.Unsere Motorradwelt ist aber im Vergleich zur Autowelt eine kleine. Und damit sich die Entwicklungskosten für entsprechend hochwertige Einspritzkomponenten rechnen, sind Stückzahlen erforderlich, die im Motorradbereich mit kaum einem Modell erzielt werden. Das hält den ganzen Prozess nachhaltig auf. Es wäre also zu wünschen, dass sich die großen Motorradhersteller zusammentun, um gemeinsame Komponenten zu entwickeln. Denn die nächste Verschärfung der Schadstoffgrenzwerte kommt bestimmt.

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