Gebrauchtkauf beim Händler (Archivversion) Volles Haus

Immer mehr Händler nützen den Handel mit gebrauchten Motorrädern als zweites finanzielles Standbein. Die Kunden kann’s freuen.

»Wieso soll ein Kunde, der 6000 Mark ausgeben will, eigentlich anders behandelt werden als einer, der 20 000 Mark locker macht?« fragte sich Manuel Wahl und eröffnete Anfang 1996 zusammen mit Manfred Domaier folgerichtig mit »Motorcity« ein reines Gebrauchtmotorrad-Geschäft. Auf rund 600 Quadratmeter teppichbelegter Ausstellungsfläche präsentieren sich im schwäbischen Albershausen rund 100 Motorräder - sauber und gut ausgeleuchtet, besser und großzügiger als in so manchem Neugeschäft.Natürlich beschränken sich die Vorteile des Kaufs bei Motorcity nicht nur auf die schöne Ausleuchtung. Ab 3500 Mark Kaufpreis sind sechs Monate Garantie im Preis inbegriffen, und in Anbetracht einer möglichen Standzeit wird in der hauseigenen Werkstatt die Ausgangs-Inspektion erst nach dem erfolgten Verkauf durchgeführt - so hat der Kunde zum Beispiel bei eventuell fälligem Reifenwechsel ein Mitspracherecht bei Marke und Typ.Rolf Berentelg verläßt sich zwar nicht allein auf das Geschäft mit Gebrauchten - seit 1983 ist er Kawasaki-Händler in Meppen -, dafür klotzt er aber stückzahlmäßig, denn rund 300 Gebrauchte drängen sich dicht an dicht auf 1500 Quadratmeter. Seine Spezialität: Importe aus Japan, Kanada und den USA, besonders gern 400er, weil »da stehen kleine Menschen einfach unheimlich drauf«. Als zum Beispiel MOTORRAD in Heft 26/1996 den Grauimport Honda CB 400 Super Four testete, warteten bei Berentelg bereits zehn Gebrauchte diesen Typs auf ihre neuen Besitzer. Dennoch sieht sich Berentelg international auf dem Gebrauchtmarkt immer noch als kleines Licht: Sein Trauma sind die Holländer, die überall auf der Welt in großen Gebinden Motorräder aufkaufen und später in ihrer Heimat in riesigen Hallen gleich tausend Stück auf einmal zum Kauf anbieten.Auch Christian Stadler lebt nicht vom Gebrauchtgeschäft allein, mit der gleichzeitigen Vertretung von acht verschiedenen Marken kann man ihn wahrhaftig als Multihändler bezeichnen, der Firmenname »Motorradpark« wirkt nicht übertrieben. Und mit 150 vorrätigen Gebrauchten gehört auch Stadler nicht zu den Kleinen der Branche. Seine Motorräder sind meist deutscher Herkunft, den Gebrauchtimport aus den USA stellte er ein, da die Händlerkonkurrenz dort mittlerweile zu groß und die Preise zu hoch geworden seien.Der kommerzielle Handel mit gebrauchten Motorrädern hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Obwohl nahezu jeder Händler umfassende Finanzierungsmöglichkeiten bieten kann, bildet die Preisklasse zwischen 3000 und 6000 Mark den Löwenanteil bei den verkauften Maschinen. Manuel Wahl glaubt, den Grund zu kennen: »In einer unsicheren wirtschaftlichen Situation zahlen die Leute lieber nur das, was sie wirklich haben.«So gesehen wird der Händleranteil im Gebrauchtgeschäft auch in den nächsten Jahren sicher noch weiter wachsen - für den Kunden sicher kein Nachteil, denn Konkurrenz belebt das Geschäft.

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