Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion)

Wechsel-Jahre

Sinkenden Neuzulassungen zum Trotz erfreuen sich Gebrauchtmaschinen nach wie vor einer großen Nachfrage. MOTORRAD gibt einen Einblick ins wechselhafte Marktgeschehen.

Gebrauchtkäufer sind im Grunde höchst clevere Zeitgenossen. So überlassen sie Käufern von Neumaschinen bewusst das Privileg des Ersteintrags in die Fahrzeugpapiere, verzichten auf das zweifelhafte Vergnügen beim Einfahren der Maschine und gönnen den Erstbesitzern zudem von ganzem Herzen die kleinen Erfolgserlebnisse beim Auskurieren von Kinderkrankheiten, die speziell bei Neukonstruktionen nie ganz auszuschließen sind. Nach zwei oder drei Jahren, wenn die Wertverlustkurve einen flacheren Verlauf nimmt, sich Erfolg oder Misserfolg eines Modells herauskristallisiert haben sowie Garantie-bedingte Inspektionskosten kein Thema mehr sind, ist es mit der vornehmen Zurückhaltung jedoch vorbei. Dann mutieren sie zu Jägern im Dschungel der Kleinanzeigenblätter und lassen nicht locker, bis ihre Streifzüge von Erfolg gekrönt werden und das Secondhand-Traumbike in der heimischen Garage steht. MOTORRAD zeigt im Folgenden, wer Gebrauchte kauft, wo das größte Angebot besteht und was besonders gefragt ist.
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Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion) - Bestand* nach Bundesländern

*Motorräder und Motorroller, ohne Leichtkrafträder; Stand 1. 1. 2002
In den bevölkerungsreichsten Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg sind die meisten Motorräder zugelassen. Den höchsten Bestandszuwachs für 2002 verzeichnen Mecklenburg-Vorpommern (8,1 Prozent), Brandenburg (7,9 Prozent), Sachsen und Thüringen (je 7,2 Prozent) sowie Sachsen-Anhalt (6,5 Prozent), die deutlich über der durchschnittlichen Zuwachsrate von 3,7 Prozent liegen.

Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion) - Gesamtbestand

Die Entwicklung des Gesamtbestands ist nach wie vor eine Erfolgsgeschichte: Zum Stichtag 1. 1. 2003 vermeldet das Kraftfahrtbundesamt (KBA) 2981247 Motorräder und Roller über 125 cm3, 667945 Leichtkrafträder und -roller sowie insgesamt 7681 dreirädrige Fahrzeuge und Quads. In dieser Statistik sind jedoch nur angemeldete oder vorübergehend stillgelegte Fahrzeuge aufgelistet. Bikes, die seit mehr als 18 Monaten abgemeldet sind, werden darin nicht berücksichtigt. Somit lässt sich die tatsächliche Stückzahl einschließlich jener Motorräder, die als Liebhaberstücke in Kellern, Garagen oder gar Wohnzimmern die Zeit überdauern, nicht exakt feststellen. Der steile Anstieg der Bestandszahlen ab 1991 hat seine Ursache in der Wiedervereinigung.

Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion) - Bestand nach Hubraum*

Motorräder und Motorroller; Stichtag bis einschließlich 2000 jeweils 1. 7., ab 2001 jeweils 1. 1.
Der Fünfjahresvergleich bei der Bestandsentwicklung abhängig vom Hubraum der Motorräder macht deutlich, was bei den Bikern derzeit gefragt ist: Während die Zahl der Kräder bis 499 cm³, darunter also viele klassische Einsteigermotorräder, nahezu konstant bleibt, verzeichnen Maschinen ab 750 cm³ im selben Zeitraum einen rasanten Zuwachs von über 25 Prozent. Ebenfalls stark gewachsen sind die Bestandszahlen der bislang beliebtesten Hubraumkategorie zwischen 500 cm³ und 749 cm³, die auf den Markterfolg von Dauerbrennern wie beispielsweise Yamaha FZS 600, Suzuki GSF 600 und SV 650 sowie BMW F 650 zurückzuführen sind.

Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion) - Bestand nach Alter der Fahrzeughalter*

* Motorräder und Motorroller; Stichtag bis einschließlich 2000 1. 7., ab 2001 jeweils 1. 1.
Betrachtet man die Entwicklung der letzten fünf Jahre, stellt man zwei gegenläufige Entwicklungen fest: Während in den Altersgruppen bis 34 Jahren der Anteil von Motorradhaltern stetig abnimmt, konzentriert sich der Motorradbestand zunehmend auf die Altersgruppen ab 35 Jahren und älter, auf die mittlerweile rund 70 Prozent aller Bikes zugelassen sind. Weil diese Maschinen fast ausschließlich in der Freizeit bewegt werden, haben Gebrauchtkäufer nunmehr also bessere Chancen, gepflegte Exemplare mit geringen Laufleistungen zu erwerben.

Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion) - Besitzumschreibungen/Neuzulassungen*

* Motorräder und Motorroller; bis einschließlich 1990 nur alte Bundesländer
In den vergangenen 20 Jahren nahmen die Kurven von Neuzulassungen und Besitzumschreibungen einen ähnlichen Verlauf. Der Absatzeinbruch bei den Neufahrzeugen ab 1983 wirkte sich mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa zwei Jahren auch auf den Gebrauchtmarkt aus. Nach der Wiedervereinigung bescherte der rapide einsetzende Boom nicht nur den Herstellern bis Mitte der 90er Jahre immer neue Rekordergebnisse, sondern zog auch eine hohe Nachfrage nach Gebrauchtmaschinen nach sich. Diese hat sich – trotz leicht abnehmender Tendenz in den vergangenen beiden Jahren – seit 1993 auf ein anhaltend hohes Niveau von rund 350000 Besitzumschreibungen pro Jahr eingependelt.

Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion) - Besitzumschreibungen nach Hubraum*

* Motorräder einschließlich solchen mit Wankelmotor; ab 2001 einschließlich Motorroller
Die Tendenz zum großvolumigen Bike ist nicht nur am stark angewachsenen Bestand abzulesen, sondern manifestiert sich auch in einer gestiegenen Nachfrage nach hubraumstarken Motorrädern auf dem Gebrauchtmarkt. Obwohl die Zahl der Besitzumschreibungen im vergangenen Jahr insgesamt leicht rückläufig war, konnten Motorräder über 750 cm³ in der Relation überdurchschnittlich stark zulegen. Demgegenüber sinkt das Interesse an Zweirädern mit 126 bis 499 cm³ weiter und macht bei den Besitzumschreibungen nur noch knapp über 20 Prozent aus.

Gebrauchtmarkt-Analyse (Archivversion) - Besitzumschreibungen nach Alter der Halter

Statistisch gesehen gehört der typische Gebrauchtkäufer den Altersklassen zwischen 30 und 39 Jahren an, auf die in den vergangenen Jahren die meisten Besitzumschreibungen entfielen. Neben der Tatsache, dass es sich hierbei um die stärkste Bevölkerungsschicht handelt, spielt natürlich auch die vergleichsweise hohe Kaufkraft dieser Altersgruppe eine Rolle. Betrachtet man jedoch das über einen Zeitraum von fünf Jahren erfasste Käuferverhalten innerhalb der einzelnen Altersklassen, erhält man ein differenzierteres Bild. Danach verlieren die Jüngeren zunehmend das Interesse am Motorrad, während im Gegenzug die Älteren, besonders jene zwischen 40 und 44 Jahren, sich stärker dem Thema Motorrad widmen und bei den vom KBA erfassten Besitzumschreibungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zulegten. Die zum Vergleich dargestellten Stückzahlen der Neuzulassungen zeigen darüber hinaus die mit fortschreitendem Alter wachsende Bereitschaft zum Neu- statt Gebrauchtkauf.

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