Geländewagen, Unfälle mit (Archivversion)

Rammbock

Die Kisten können Warzenschweine von der Piste bügeln. Das klappt aber auch mit Motorradfahrern.

Wer’s schafft, einen Mittelklasse-VW von einem Opel und einen Renault von einem Nissan zu unterscheiden, muß schon ein verdammt scharfes Auge haben. Weil selbiges bekanntermaßem immer mitfährt, schweift Gevatter Trend in solch uniformen automobilen Zeiten verschärft ins Flitzerliche, Cabriohafte oder eben ins schwer Rustikale des Geländewagenwesens ab. Da mutiert die Fahrt ins Büro oder zum Edelitaliener doch glatt zur abenteuergeschwängerten Großstadtsafari. Solche Kästen auf Rädern braucht hierzulande kein Mensch, von ein paar Förstern und Einödbauern mal abgesehen. Was freilich, wie die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hochrechnete, 62 Prozent der stolzen Eigner eines solchen Gefährts nicht davon abhält, die kecke Schnauze ihres guten Stücks mit einem brachialen Rammschutz savannenreif zu zieren. Fußgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer, die das Pech haben, diese Ramm-Beaus hautnah zu kontaktieren, nehmen davon, wenn sie’s denn überleben sollten, weniger schöne Erinnerungen mit. Auf 100 Unfälle zwischen Bikern und Geländewagen kommen, wie die BASt recherchierte, 31,8 getötete oder schwerverletzte Motorradfahrer, bei »normalen« Pkw sind’s deren 29,5. In absoluten Zahlen ein minimaler Unterschied, aber konkret heißt das: einmal Friedhof und einmal Rollstuhl mehr. Ingenieure der BASt haben daraufhin ein Safari-Gitter konstruiert, das weniger auf die Knochen geht. Hier ist jetzt die Industrie gefragt. Selbst wenn die reagieren sollte, ist Motorradfahrern dennoch kaum geholfen. Denn Geländewagen haben noch einen anderen entscheidenden Nachteil: Sie bauen höher als andere Pkw. Bei einem Seitenaufprall knallt der Biker-Schädel voll gegen die Blechbüchse. Und auch der Kuhfang vorn verhindert den - vielleicht - rettenden Abflug übers Dach. Alles wie bei einem Lastwagen. Bei geschätzten 500 000 zugelassenen Geländewagen in Deutschland für Biker eine ganze Menge Brummis mehr.
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Geländewagen, Unfälle mit (Archivversion)

Ich oute mich hiermit schonungslos: Nicht nur, daß ich Harley fahre, und das mit größtem Vergnügen, ich nenne auch einen mächtigen Pick-up mit 5,2 Litern Hubraum aus acht Zylindern mein eigen. Zugegeben, ein Kleinwagen wäre vernünftiger und benzinsparender. Aber Vernunft interessiert mich in diesem Zusammenhang nicht. Spaß will ich haben, Freude an der - in jedwedem Sinne - individuellen Fortbewegung. Dazu gehört unbedingt, daß mir das Gefährt gefällt. In diesem Punkt ist nur ein Kriterium maßgebend: mein Geschmack. Okay, wenn ein Motorradfahrer gegen meinen vierrädrigen Untersatz knallt, kann es ihm übel ergehen. Aber er kann auch von einem von der Brücke stürzenden Fiat Panda erschlagen werden. Gefahren lauern überall, und wer nur daran denkt, was ihm so alles passieren könnte, sollte den lieben langen Tag besser bei Muttern in der Stube hocken bleiben. Und noch was: Wenn’s nur nach der Vernunft ginge, müßte man das Motorradfahren ebenfalls verbieten. Schließlich werden auch an Bikes jede Menge legale, aber keineswegs ungefährliche Teile verbaut. Deshalb, höhere Verletzungsgefahr hin oder her, käme ich nie auf die Idee, Geländewagenfahrer schief von der Seite anzukucken. Weil ich mir sicher bin, daß diese uns Biker eher akzeptieren als die Fiesta- oder Polo-Fraktion. Weil sie - Heia Safari - selbst ein kleines bißchen verrückt sind.

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