Gerichtsurteil (Archivversion) Ohne Halt

Wer verliert schon seinen Sozius? Doch, das kann passieren und schreckliche Folgen zeitigen. Für alle Beteiligten: Ein Motorradfahrer muß seinen Sozius vor dem Beschleunigen warnen und ihn zum Festhalten - am Körper oder an den Haltegriffen - veranlassen. So urteilte das Berliner Kammergericht und sprach jetzt einem Beifahrer, der nach hinten heruntergefallen war und sich dabei eine Querschnittslähmung zuzog, teilweise Schadensersatz und Schmerzensgeld zu. (Aktenzeichen 12 U 137/95). Nach einer Fete im August 1991 bat ein Berliner Medizinstudent seinen Studienkollegen, ihn auf dessen Yamaha XTZ 750 mitzunehmen. Zunächst ging es einige Meter im Schrittempo über einen Gehweg, dann beschleunigte der Fahrer auf der Straße. Bei einem Tempo von etwa 50 Kilometer pro Stunde fiel der Sozius nach hinten vom Motorrad. Dabei brach er sich die Wirbelsäule. Vom Fahrer und dessen Haftpflichtversicherung verlangte er Schadensersatz, mindestens 200 000 Mark Schmerzensgeld und eine monatliche Rente. Ohne sich schon in der Höhe der Ansprüche festzulegen, erkannte das Berliner Landgericht diese Forderungen grundsätzlich an. Der Fahrer habe durch ruckartige Beschleunigung den Unfall verschuldet, so die Richter. Der Yamaha-Pilot ging in Berufung und bekam jetzt teilweise vom Kammergericht recht. Die Richter meinten zwar, er habe pflichtwidrig und fahrlässig gehandelt, sprachen aber dem Sozius ein erhebliches Mitverschulden zu. »Die Verursachungs- und Verschuldensanteile« des Fahrers und Beifahrers seien gleich hoch einzustufen, so die Richter. 50 Prozent Mithaftung muß sich der verletzte Medizinstudent anrechnen lassen. Die genaue Höhe des Schadens und des Schmerzensgeldes muß jetzt wiederum das Berliner Landgericht festlegen. Das Kammergericht verwies den Fall insoweit zurück. De Lange

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