German Speedweek Oschersleben (Archivversion)

Born to be Wild

Der Anfang ist gemacht. Jetzt muß die Speedweek in Oschersleben nur noch zum europäischen Gegenstück von Daytona wachsen.

Am Sonntag morgen kurz vor elf war die Welt noch in Ordnung. Die erste German Speedweek im Motopark Oschersleben ging mit dem Finale des 24 Stunden-Rennens ihrem Ende entgegen. Und die Stimmung unter den vielleicht etwas weniger als offiziell angegebenen 21500 Zuschauern war ebenso gut wie beim Veranstalter der Fünf-Tage-Woche mit Rennsport-Action unterschiedlichster Prägung. Dann riß plötzlich die Kette an der führenden Suzuki GSX-R 600, und die Maschine des MOTORAD ACTION TEAM unter Gerhard Lindner rollte ohne Vortrieb an die Box, wo zu allem Überfluß eine defekte Kupplung als Folgeschaden diagnostiziert wurde. Wertvolle 18 Minuten verlor die fieberhaft arbeitende Crew, bevor Redaktionskollege Markus Barth mit acht Runden Rückstand statt wie zuvor zwei Runden Vorsprung gegen das WM-erfahrene Yamaha Superbike-Team Ziegenfuß Unlimited Endurance auf die Aufholjagd geschickt wurde, immer noch ohne Kupplung. Der entfesselte Barth - so ganz nebenbei fuhr er mit der waidwunden GSX-R die schnellste Runde des Rennens - sowie Lindner konnten in den verbliebenen fünf Stunden ihren Gegner Karsten Schmidt/Rüdiger Seefeldt/Markus Josch/Konrad Schittko zwar sieben der acht Runden wieder abjagen. Aber am Sonntag nachmittag um 16.00 Uhr fehlte noch eine Runde zum Sieg für die MOTORRAD-Aktionisten Lindner und Barth sowie ihre Kollegen Gerry Wagner und Hanns-Martin Fraas.Der Stimmung der knappen Verlierern wie auch der restlichen 22 Teams, die das Ziel erreichten, tat dies allerdings keinen Abbruch. Die Abschlußparty der German Speedweek, eingeleitet schon durch ein gigantisches Feuerwerk nach acht Rennstunden genau zu Mitternacht, nahm ihren Lauf. Auch die Organisatoren um Rennleiter Ottmar Bange und Ralf Bohnhorst, den neuen Veranwortlichen für Motorradbelange beim Motopark Oschersleben, zogen erfreut Bilanz. Die Speedweek wird es in jedem Fall auch in den nächsten Jahren geben.Angefangen hatte das Daytona-Fest in Sachsen-Anhalt etwas ruhiger. Mittwoch und Donnerstag waren hauptsächlich Trainingssitzungen und Nachwuchs- und Amateurrennen wie Minibikes, ADAC-Junior Cup, Aprilia Challenge, Battle of the Twins und Naked Bikes vorbehalten. Und so haben die Zuschauer die Speedweek bei ihrem Debut eher als Wochenendveranstaltung gesehen.Mit steigender Attraktivität des Programms aber stieg auch die Zahl der Fans. Und sie durften fast überall hin. Lediglich die reinen Arbeitsbereiche direkt an der Strecke und die Boxenmmauer waren für Zuschauer tabu. So wurde tatsächlich die vielstrapazierte Floskel »Rennsport zum Anfassen« in die Praxis umgesetzt. Dieses Konzept fand seinen ersten Höhepunkt im VIP-Rennen auf Ducati 900 Supersport-Maschinen. Angeführt wurde das Tableau aber vom 15fachen Weltmeister Giacomo Agostini auf der Dreizylinder-MV Agusta 500 aus seinen Glanzzeiten der frühen 70er Jahre. Auf den Ducati-Twins traten ihm die Weltmeister Phil Read, Jim Redman und Dirk Raudies gegenüber sowie weitere Top-Fahrer vergangener Epochen wie Peter Öttl, Peter Rubatto oder Stars aus DDR-Zeiten, wie Frank Wendler und Michael Freudenberg, dazu mehr oder weniger prominente Pressevertreter.Die Altstars waren auf Schritt und Tritt von Fans und Autogrammjägern jeden Alters umlagert. Auf der Strecke nahmen sie die Angelegenheit natürlich nur wenig ernst, auch wenn Jim Redman mit einem grinsenden Seitenblick auf Öttl, der an seiner Ducati den Seitenständer abgebaut hatte, und Wheelieking Rubatto anzumerken hatte: »Die Jungs haben uns Ältere fast wie Idioten aussehen lassen.«Aktuelle Weltmeister gab es in Oschersleben ebenfalls zu feieren, wenn auch keinen offiziellen. Steve Webster und David James holten sich mit einem überlegenen Sieg im Rennen zum Gespann-Weltcup vorzeitig den Titel. Ralph Bohnhorst, trotz schleichendem Rückzugs seit 1995 nach wie vor mit Abstand bester deutscher Gespannfahrer, gab eine weitere Abschiedsvorstellung. Im Rennen mußte er leider aufgeben, weil eine Hitze-Isolierung brach und er sich leichte Verbrennung am Oberschenkel zuzog. Ob’s wirklich das letzte Mal war? »Nun, wir werden sehen«, lächlte »Bohni« hintergründig, der andererseits als Ducati-Händler, Shell-Vertriebsleiter und Motopark-Mitarbeiter sicher mehr als genug zu tun haben wird.Die Organisation der German Speedweek 1999 liegt damit ebenfalls wesentlich in den Händen von Bohnhorst, zumal Shell als Hauptsponsor der Veranstaltung wie auch des Motopark Oschersleben insgesamt das Engagement längerfristig versteht und auf gesundes Wachstum der Idee Speedweek setzt.Dieser Optimismus ist berechtigt, da jetzt schon sehr gute Ideen zur weiteren Entwicklung der Gesamtveranstaltung vorliegen, wie Aufwertung der 24 Stunden zum Langstrecken-WM-Rennen, Supercross, Rockkonzerte mit namhaften Bands sowie Ausstellungen und Testfahrmöglichkeiten der führenden Motorradhersteller. Und dann sollte auch die Zeltstadt irgendwann aus den Nähten platzen, wo die Fans zusammen mit einem VIP-Ticket eine Grundausstattung an Kaltgetränken, Motorschmiermittel sowie das Zelt, in dem sie übernachten, gleich miterwerben können.
Anzeige

Interview (Archivversion) - «WM-Rennen ist angemeldet“

Ralph Bohnhorst über die Zukunft der German Speedweek in Oschersleben
Ralph Bohnhorst, Sie sind als neuer Vertriebsleiter für Shell Advance-Motorradschmierstoffe und Motorrad-Koordinator der Motopark Oschersleben Veranstaltungs GmbH gleich in doppelter Funktion in die German Speedweek involviert. Wie sieht die Bilanz der Premierenveranstaltung aus?Das Konzept ist aufgegangen und zeigt klar Wachstumsmöglichkeiten auf. Wir haben mehr als 21500 Karten verkauft. Die Organisation ist reibungslos gelaufen. Die Partner wie Shell, Jägermeister und Hasseröder haben langfristige Verträge mit der Motopark GmbH. Es wird also auf jeden Fall auch 1999 die German Speedweek in Oscherleben geben, natürlich mit einigen Verbesserungen und neuen Ideen.Das 24 Stunden-Rennen war gelungener Abschluß und Höhepunkt der Speedweek, hatte aber nicht die erwartete Teilnehmerzahl aus dem Amateurlager. Könnte dies dazu führen, sich 1999 um ein Langstrecken-WM-Rennen zu bemühen?Die 24 Stunden von Oschersleben sind, zunächst für 1999 und 2000, als WM-Rennen angemeldet. Wir gehen davon aus, daß wir ab 1999 die WM hier haben werden.Gibt es weitere Pläne, die Speedweek wachsen zu lassen?Nun, der Gespann-Weltcup wird auf jeden Fall weiter dabei sein. Darüber hinaus können wir uns vorstellen, noch mehr DM-Klassen oder Rennen zur Straßen-EM mit hereinzunehmen. Außerdem könnte im östlichen Anschluß an die bestehende Anlage eine Supercross-Strecke entstehen. Aber auch die Rahmenveranstaltungen zeigen Wachstumschancen. So sind die Buell-Demo Rides bei den Fans hervorragend angekommen. Wir werden uns bemühen, auch die restlichen Motorradhersteller zu bewegen, künftig hier solche Testgelegenheiten für jedermann anzubieten. Dazu noch etwas namhaftere Bands auf der Rockbühne und mehr Attraktionen im Vergnügungspark - und die Speedweek 1999 würde schon richtig gut daherkommen.Gibt es außer der Speedweek noch weitere Motorrad-Projekte in Oschersleben?Der Superbike-WM-Promoter Flammini will 1999 zwei Events in Deutschland haben. In diesem Fall sind wir ziemlich sicher, daß einer davon in Oschersleben stattfinden wird.Das würde aber auch der Speedweek selbst gut stehen: am einen Wochenende Superbike-WM und am anderen 24 Stunden?1999 wird es sicher nicht dazu kommen. Aber mittelfristig ist dies natürlich ein äußerst attraktives Denkmodell.

Ergebnisse (Archivversion)

1. Schmidt/Seefeldt/Josch/Schittko, Yamaha YZF 750, 2. Lindner/Barth/Wagner/Fraas, Suzuki GSX-R 600, 3. Bergerforth/Janshen/Schettki/Schröder, Suzuki GSX-R 750, 4. Knigge/Voss/Heuer/Wanninger, Kawasaki ZX-6R, 5. Klett/Lemberg/Meyer, Suzuki TL 1000, 6. Lorenz Scherg/Ludwig Scherg/Klüpfel/Wehrle, Honda CBR 600, 7. Blug/Ternes/Omlop/Gres, Suzuki GSX-R 750, 8. Lewien/Liebchen/John/Hauser, BMW R1100 S, 9. Heidger/Heiler/Müller/Goodley (D/D/D/GB) Bimota SB 8.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote