Gespann-Stars resignieren im Überlebenskampf (Archivversion) Das langsame Ende

Die Seitenwagen-Weltmeisterschaft wurde nach der Saison 1996 kurzerhand zum Weltcup degradiert. »Das muß nicht zwangsläufig ein Abstieg sein. Im Skisport sind Weltcups ungeheuer populär«, suchte Österreichs Gespann-Star Klaus Klaffenböck vor dem Rennen am A 1-Ring nach tröstlichen Worten.Doch angesichts der düsteren Wirklichkeit gleichen solche Formulierungen dem Versuch, einen freien Fall ins Nichts mit dem Regenschirm aufzuhalten. Denn die Degradierung und der damit einhergehende Preisgeldverlust von nahezu 80 Prozent - statt 120000 Schweizer Franken werden in diesem Jahr nur mehr 25000 pro Rennen ausgeschüttet - schnürt den Piloten finanziell und ideell die Luft ab. Die britischen Fahrer können vom Preisgeld nicht mal die Fähre aufs europäische Festland bezahlen. Vom gesamten Fahrerfeld kommen nur noch Rolf Biland und Klaffenböck dank ihrer Sponsoren verlustfrei durch die Saison. Und die wenigen Geldgeber, die es noch gibt, werden mit falschen Versprechungen verprellt. Trotz einer festen Übertragungszusage und fleißig filmender Kamerateams beim ersten Weltcuprennen im Rahmen der Europameisterschaft in Ungarn warteten die Zuschauer vergebens vor ihren Fernsehschirmen, weil Formel 1-Chef Bernie Ecclestone kurzfristig ein Autorennen zur GT-Serie auf den Programmplatz bugsiert hatte.Eine zusätzliche Belastung der kümmerlichen Budgets droht von technischer Seite. Wegen des neuerdings verordneten Tankstellensprits, so Biland, »verbraten die Teams ihre Kolben gleich reihenweise«. Weil der Billig-Kraftstoff viel leichter verdunstet als echtes Renn- oder zumindest Flugbenzin, fangen die Gespanne auch leichter Feuer. In Österreich brannte das Fahrzeug von Derek Brindley ab, weil sich Benzindämpfe an der glühend heißen Karbonbremse entzündeten. Auch als Markus Neumann wegen einer gebrochenen Vorderradaufhängung im Training gegen die Boxenmauer raste, fing sein Gespann Feuer. Der bewußtlose Neumann, der mit zwei gebrochenen Rippen noch glimpflich davonkam, mußte von Beifahrer Peter Höss aus dem brennenden Wrack gerettet werden. Im Rennen blieb Rolf Biland fast am Start stehen, weil er wegen des Billig-Sprits extrafett bedüst hatte, um keinen Schaden zu riskieren. »Ich muß wohl Starts üben - auch mit 46 kann man ja noch hinzulernen«, lächelte Biland nach seinem 82. Sieg. Schwamm drüber und gute Miene zum bösen Spiel - das machen Biland und seine Kollegen mittlerweile gegenüber der gesamten Gespann-Misere. »Der Verlust des WM-Status und das gekürzte Preisgeld sind eigentlich illegal. Doch was willst du ewig gegen Windmühlen kämpfen. Am Ende hast du vielleicht einen Prozeß gewonnen, aber trotzdem den Krieg verloren«, meint Biland philosophisch. Denn am Untergang der Gespannklasse hat er längst keinen Zweifel mehr. »Die meisten Piloten hören Ende des Jahres auf. Deshalb ist das ganz sicher die letzte Saison«, kündigt Biland an. »Vielleicht gibt es irgendwo im Rahmen einer Automobilserie einen ganz neuen Anfang. Aber bestimmt nicht mehr auf dem jetzigen Niveau - das kannst du vergessen!«Ergebnis Gespann-Weltcup in Zeltweg/A:1. Biland/Waltisperg (CH) LCR-BRM-Swissauto, 24 Runden oder 103,656 km in 38.53,380 = 159,923 km/h, 2. Klaffenböck/Parzer (A) LCR-ADM R4, 3. Güdel/Güdel (CH) LCR-BRM-Swissauto, 4. Webster/James (GB) LCR-ADM R4, 5. Abbott/Biggs (GB) Windle-ADM R4, 6. Brindley/Hänni (GB/CH) LCR-ADM R4, 7. Bösiger/Egli (CH) LCR-ADM R4, 8. Molyneux/Hill (GB) Windle-ADM R4, 9. Body/Peach (GB) LCR-BRM-Swissauto, 10. Muldoon/Gusman (GB) LCR-ADM R4, 11.Galross/Berglund (S) LCR-NGK 500.Schnellste Runde: Biland in 1.35,845 = 162,224 km/hWeltcup-Stand: 1. Biland 45 Punkte, 2. Webster 38, 3. Klaffenböck 36, 4. Güdel 29, 5. Brindley 21, 6. Molyneux 16, 7. Abbott 11, 8. Body 11, 9. Muldoon 11, 10. Reddington/Hetherington (GB) LCR-ADM R4 10.

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