Gespann-WM: Eklat in Rijeka (Archivversion) Eklat in Rijeka

Ein Team, das trotz Disqualifikation Weltmeisterschaftspunkte erhält, in Strafzeiten konvertierte Handicap-Gewichte, Mängel bei der Streckensicherheit –
in der Straßen-Weltmeisterschaft der Gespanne herrscht heilloses Durcheinander. Nach dem Samstagsrennen im kroatischen Rijeka wurde es der deutsch/britischen Paarung Jörg Steinhausen und Trevor Hopkinson zu bunt: Sie reisten ab und
erklärten ihren Rückzug aus der Weltmeisterschaft (siehe Interview rechts). Weil Steinhausen/Hopkinson die Einzigen waren, die den englischen Brüdern Tim und Tristan Reeves im Titelkampf noch hätten gefährlich werden können, stehen die nun vorzeitig als Weltmeister fest. Mit Siegen in drei von vier Rennen nutzte das finnisch/
schwedische Duo Pekka Päivärinta/Peter Wall das Durcheinander optimal, kassierte 75 Punkte und steht jetzt auf Rang vier im WM-Zwischenklassement. abs

Herr Steinhausen, Sie sind während des Rennwochenendes aus der Gespann-WM ausgestiegen, weil Ihrer Ansicht nach Konkurrenten regelwidrig agieren und die Funktionäre nicht darauf achteten, dass diese Regeln eingehalten werden. War die WM für Sie nicht sowieso schon verloren?
Jein. Für mich ist die WM erst verloren, wenn das letzte Rennen
gefahren ist oder wir hoffnungslos
zurückliegen. Beides war nicht der Fall, und wir haben ja bereits am Samstag auf die führenden Reeves-Brüder 13 Punkte gutgemacht.

Die durch Ihren Ausstieg jetzt Weltmeister sind.
Wenn die das so sehen... Wir haben die WM ohne Rücksicht auf den Zwischenstand verlassen, weil die Verhältnisse nicht mehr tragbar waren. Ich kämpfe seit acht Jahren um diesen Titel, habe ihn schon
einmal knapp verpasst. Dann in einer
Situation wie dieser aufzugeben, in der der Gesamtsieg wieder möglich gewesen wäre, das tut schon weh.

Sie erheben schwere Anschuldigungen gegen die internationale Sport-Föderation FIM: Konkurrent Reeves würde die Handicap-Gewichte im Qualifying ausbauen, und die Regelwächter merkten es nicht, trotz seiner Disqualifikation in Schleiz hat er WM-Punkte bekommen. Wie haben Ihre Fahrerkollegen reagiert?
Auf jede denkbare Art, von Bedauern über Tränen bis hin zu Unverständnis. Wir hatten diesen Schritt ja zuvor angedroht. Wir alle wollen, dass die Serie weiterlebt, sie hat sich gut angelassen. Aber irgendwann kann man nicht mehr still hinter die Hecke gehen und sich auskotzen, um die Unzulänglichkeiten wegzustecken.

Wird es 2006 eine Gespann-Weltmeisterschaft geben?
Ich hoffe es sehr. Ich wollte
mit meiner Aktion keine zerstörende Bombe zünden, sondern einen Anstoß geben, die katastrophalen Missstände abzustellen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote