Gewinde-Reparatur (Archivversion) EINSATZ-KOMMANDO

Schraube ausgerissen, Gewinde hinüber? Kein Grund zur Verzweiflung, jetzt sind Gewinde-Einsätze an der Reihe.

Das Schrauben an Motorrad-Motoren hatte schon immer etwas mit Gefühl zu tun - jeder kennt wohl noch den alten Spruch »nach fest kommt ab«. Doch nicht nur gefühllose Kraftprotze können ein Gewinde ruinieren. Manchmal reicht schon das häufige Rein- und Rausdrehen einer Schraube, um das empfindliche, direkt in das Leichtmetall geschnitte Gewinde zu zerstören. Oder Kontaktkorrosion sorgt dafür, daß sich nach dem Herausdrehen das komplette Leichtmetall-Gewinde auf der Schraube befindet.Es ist also passiert: Das Gewinde ist kaputt. Was tun? Die erste Möglichkeit: Das Loch aufbohren und ein neues Gewinde, eine Nummer größer, schneiden. Das geht jedoch nur selten, da das Umgebungsmaterial auf die ursprüngliche Gewindegröße ausgelegt ist, folglich nicht genug »Fleisch« vorhanden ist. Und manchmal ist diese Art der Reparatur ganz unmöglich: Zum Beispiel dann, wenn das Gewinde wie bei geteilten Lagerböcken von Nockenwellen unterhalb von Paßstiften sitzt.Die zweite Möglichkeit ist die Reparatur mit Gewinde-Einsätzen. Die Vorteile liegen auf der Hand: So wird zum einen die ursprüngliche Gewindegröße beibehalten, es braucht also später nicht mit verschieden großen Schraubenköpfen hantiert zu werden. Zum anderen ist die Schraubverbindung stärker belastbar als vorher, und bei der Verwendung rostfreier Einsätze ist Korrosion auch kein Thema mehr.Der wohl unter Motorradfahrern bekannteste Gewinde-Einsatz ist HeliCoil, eine Drahtspindel, die mittels eines Spezialwerkzeugs in ein vorgebohrtes Gewinde gedreht wird. Durch die Vorspannung des Drahtes bleibt die Spindel, wo sie hingehört, nämlich im Loch. Der Vorteil von HeliCoil: Der Gewinde-Einsatz braucht vergleichsweise wenig »Fleisch«. Für jede Gewindegröße wird zwar ein eigenes Einbauwerkzeug benötigt, doch spätestens nach zwei Reparaturen sind die Anschaffungskosten gegenüber der Instandsetzung in einem Fachbetrieb wieder eingespielt. Apropos Fachbetrieb: Wer sich unsicher ist, ob die Rest-Materialstärke der Wandung für ein Aufbohren noch ausreicht, der sollte sich dort besser erst einmal erkundigen. Bei zu dünner Wandung kann es nämlich passieren, daß beim ersten Festziehen der Schraubverbindung das Material einfach wegplatzt.Die selbstschneidenden Ensat-Einsätze benötigen etwas mehr Reststärke im Material, lassen sich aber beim Einbau mit Hilfe einer Schraube auch unter beengten Platzverhälntnissen montieren. Außerdem ist der Preis im Vergleich konkurrenzlos niedrig.Die Time-Sert-Reparaturkits von Würth sind dagegen relativ teuer und kompliziert einzubauen. Für den Privatmann also nicht unbedingt zu empfehlen, aber sowieso nicht zu erhalten, denn Würth-Produkte werden nur an Händler und Fachwerkstätten verkauft.Alle Gewinde-Einsätze gibt es natürlich in zahllosen unterschiedlichen Ausführungen, also zum Beispiel auch zur Reparatur von Zündkerzen- oder Ölablaßschrauben-Gewinden. Im Zweifelsfall lohnt eine Anfrage beim Hersteller, ob er für das jeweilige Problem den passenden Einsatz liefern kann.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote