Goberts Comeback (Archivversion) Go für Go-Show

Die Drohung mit dem Rechtsanwalt wirkte: Suzuki-Star Anthony Gobert, wegen seines Schlüsselbeinbruchs und wegen seines ausschweifenden Lebensstils samt mancher Entgleisungen seit Saisonbeginn beurlaubt, wurde rehabilitiert und durfte in Mugello endlich im 500er Rennen starten. Das Risiko, nun doch mit der dreisten Frohnatur an die Öffentlichkeit zu gehen, war dem Suzuki-Team lieber als die Zwangsläufigkeit der hohen Kosten und der schlechten Presse, die eine Klage wegen Vertragsbruchs mit sich gebracht hätte.Gobert brachte den ersten Grand Prix seines Lebens auf einem umsichtig, mit kalkuliertem Risiko eingefahrenen 13. Platz zu Ende. Wenn er den eingeschlagenen Weg weitergeht und die Suzuki-Hoffnung auf einen neuen Kevin Schwantz auch nur zur Hälfte erfüllt, werden sich auch viele von Goberts Kritikern innerhalb des Teams bald nicht mehr an seinen mißglückten GP-Start erinnern können.Er begann mit massiven Motorproblemen im Februar. »Zunächst wurde es geheimgehalten, doch jetzt können wir offener darüber reden. Das Motorrad ging unter mir fest, ich stürzte und brach schon wieder mein rechtes Schlüsselbein. Es passierte in den ersten zehn Runden eines dreitägigen Tests in Phillip Island und warf mich ganz an den Anfang zurück. Denn weil ich einen so starken Siegeswillen habe, fuhr ich trotz des gebrochenen Schlüsselbeins weiter und stürzte erneut. Ein Problem folgte dem anderen, und es lag nicht in meiner Hand. Nur den Sturz in Malaysia zwei Wochen vor dem Rennen, bei dem ich die Platte im Schlüsselbein demolierte und wieder operiert werden mußte, habe ich mir selbst zuzuschreiben - ich habe einfach zu energisch versucht, den Rückstand aufzuholen.«Die Stimmung im Team war zu diesem Zeitpunkt bereits gedrückt, und weil Anthony Gobert guten wie schlechten Launen zu frei ihren Lauf und sich im persönlichen Umgang zu gelegentlichen Entgleisungen hinreißen läßt, war er als Sündenbock ideal. Statt das wahre Problem energisch in Angriff zu nehmen und für anständige Ergebnisse zu sorgen, wurden der Kaffeeklatsch um Goberts angebliche Verfehlungen zum neuen Feindbild aufaddiert und der junge Australier erst mal nach Hause geschickt. »Ich hätte in Japan und in Spanien fahren können. Daß ich in Jerez nicht erwünscht war, erfuhr ich einen Tag vor dem Abflug per Fax. Ich hatte keine Ahnung, ob mein Job in Frage stand«, schildert Gobert und bestätigt auch die Kontakte zu Ducati wegen eines Superbike-WM-Einsatzes. »Mir boten verschiedene Superbike-Teams einen Platz an. Das war für mich wie Medizin. Denn ich begann, mich ausgeschlossen zu fühlen«, sagt Gobert.Jetzt ist er wieder mittendrin, muß seine ehrgeizigen Ziele - so wollte er schon in diesem Jahr Weltmeister Doohan das eine oder andere Mal schlagen - aber etwas korrigieren. Zu Yamaha-Teamchef Wayne Rainey sagte Gobert, es sei sein Stil, sich beim Eintreffen an einer neuen Strecke den aktuellen Rundenrekord nennen zu lassen und ihn bis zum Mittagessen zu unterbieten.Doch alle Ratgeber, auch Mugello-Gast Kevin Schwantz, legen ihm ans Herz, die Sache ruhiger angehen zu lassen.

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