GP-Fahrer, deutsche: Info (Archivversion) «Theorie und Praxis“

Arbeiten die Swissauto-Techniker bei der elf 500 von Jürgen Fuchs in die falsche Richtung?

Bei allem Respekt vor dem Swissauto- Konstrukteur-Team um Urs Wenger bleibt die Frage, ob es bei der elf 500 nicht zu viel Wert auf Maximalleistung legt, anstatt die 190-PS-Granate auf bessere Beherrschbarkeit zu trimmen. Bei fast allen Topspeed-Messungen rangiert die V4-Maschine unter den schnellsten Werksrennern, ein sicheres Indiz für brachiale Leistung und eine, zumindest bei Geradeausfahrt, optimale Aerodynamik. Doch beide Merkmale sind noch lange kein Garant für durchschlagende Rennerfolge. Speziell das Thema Aerodynamik birgt viele Unwägbarkeiten. So kann die großflächig angelegte Verkleidung in Schräglage bei hohem Tempo gravierende Probleme in Sachen Handling und Haftung mit sich bringen. Dann nämlich kann die massige Bugverkleidung einen starken unerwünschten Auftrieb bewirken. Die Folge: Der Anpreßdruck der Frontpartie nimmt ab, der Vorderrad-Grip läßt für den Fahrer kaum kalkulierbar nach. Die ansatzlosen Stürze bei hohen Geschwindigkeiten, die Jürgen Fuchs bereits vor Saisonbeginn erleben mußte, können durchaus aerodynamische Gründe haben. Auch die Swissauto-Idee, die 125er Honda von Dirk Raudies durch einen Zylinder mit einer drehmomentfördernden Auslaßsteuerung auf Trab zu bringen, entstand weniger auf der Rennpiste als auf dem Zeichenbrett. Denn unter dieser Modifikation leidet das bei den 125ern gefragte Drehvermögen. Nicht umsonst zog Honda derart umgerüstete A-Kit-Motoren wieder zurück. Was der Swissauto-Truppe fehlt, ist ein Mann wie Sepp Schlögel, der zwar gern vom elektronischen Data Recording den einen oder anderen Hinweis aufnimmt, sich bei der endgültigen und meist perfekten Abstimmung von Ralf Waldmanns Maschine aber immer noch auf sein Gespür und seine immense Erfahrung verläßt.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote