GP-Journal (Archivversion)

Red Bull-TeamGestutzte FlügelDem MotoGP-Team des Engländers Peter Clifford und seines amerikanischen Partners Bob McLean werden die Flügel gestutzt: Red-Bull-Besitzer Didi Mateschitz bestätigte den seit dem Portugal-GP drohenden Rückzug zum Saisonende. Statt das ehrgeizige neue Projekt mit Honda-Fünfzylindermotoren und Fahrwerken von Mamoru Moriwaki in Angriff nehmen zu können, trommelte Clifford seine Crew in Rio zu einer Krisensitzung zusammen und tischte schonungslose Wahrheiten auf. Falls kein neuer Hauptsponsor gefunden wird, steht das Team mit den Fahrern Garry McCoy und John Hopkins vor dem Nichts und muss seine Startplätze im schlimmsten Fall an so begehrliche Bieter wie Bridgestone oder Pramac-Honda verhökern.250er für Poggiali?Sacchis TräumeDas neue KTM-Team formiert sich. Eine Fahrervorstellung von Roberto Locatelli war zwar voreilig und beschwor den heiligen Zorn des designierten Konstrukteurs Harald Bartol herauf. Zweifel an dem 125er-GP-Projekt im nächsten Jahr und MotoGP-Maschinen ab 2004 gibt es trotzdem nicht. So hat der australische Techniker Warren Willing bereits für KTM unterschrieben und wurde prompt von seinem bisherigen Team Suzuki für den Rest der Saion beurlaubt, um einem Geheimnisverrat vorzubeugen. Der Einzige, der noch nicht an Bartols Weggang glauben will, ist der bisherige Teammanager Giampiero Sacchi: Nicht genug, dass er 2003 weiterhin ein Gilera 125- und ein Derbi 125-Team mit jeweils zwei Fahrern betreiben will, redet er jetzt von der Konstruktion einer 250er für seinen Star Manuel Poggiali. »Reine Träumerei«, winkt Bartol ab. Schließlich sind alle bisherigen Maschinen in Bartols Tuningküche im österreichischen Straßwalchen entstanden – Sacchi verfügt in Italien bislang nicht einmal über eine taugliche Werkstatt.Sturz für NietoPortos BlitzschlagPetronas-Yamaha-Pilot Sebastian Porto brauste den Stars der 250er-Klasse auf feuchter Piste vom Start weg davon und feierte mit 14 Sekunden Vorsprung seinen ersten GP-Sieg. »Ich wusste, dass mir die schnellsten Honda- und Aprilia-Werkspiloten auf den langen Geraden hier jederzeit den Kragen abdrehen konnten. Deshalb lag meine einzige Chance darin, in den ersten beiden Runden auf Pokal oder Hospital zu setzen und eine große Lücke aufzureißen«, grinste der Argentinier, der schon in den letzten Jahren auf seinem Heimatkontinent immer wieder zu Glanzleistungen auflief. Lange Gesichter gab es dagegen im spanischen Telefonica MoviStar-Aprilia-Team: Fonsi Nieto begrub seine WM-Chancen durch einen Sturz, WM-Leader Marco Melandri konnte es nach der Havarie seines Herausforderers mit einem vorsichtig erwirschafteten vierten Platz hinter Roberto Rolfo und Franco Battaini bewenden lassen. Der Deutsche Dirk Heidolf wurde 14.Nöhles NeunterAzumas AngriffWM-Leader Arnaud Vincent holte im nassen 125erRennen Platz zwei, hängte Weltmeister Manuel Poggiali ab und baute seinen Vorsprung in der Tabelle auf 27 Punkte aus. Wie bei den 250ern zählt das spanische Telefonica MoviStar-Team zu den großen Verlierern, weil der 16-jährige Daniel Pedrosa seine Titelambitionen nach einem Sturz endgültig aufgeben muss. Die große Überraschung war die Armada der Bridgestone-Piloten: Masao Azuma wühlte sich bei für die Regenreifen des japanischen Herstellers idealen Bedingungen von Startplatz 18 an die erste Stelle durch, die ADAC-Sachsen-Honda-Piloten Gabor Talmacsi und Klaus Nöhles auf den Plätzen vier und neun sowie Italjet-Mann Stefano Perugini als Sechster machten den Bridgestone-Erfolg komplett. »Ich konnte den Hinterreifen auch dann noch schön kontrolliert sliden lassen, als die anderen längst hilflos durch die Gegend rutschten«, grinste Nöhles nach seinem bisher besten Rennen des Jahres. »Es wäre noch schneller gegangen, wenn ich die Kerbs gesehen hätte - mein Visier war verdreckt.« Steve Jenkner hatte mit seinen Dunlop-Standardreifen weniger Fortune: ein Ausrutscher und nur Rang 18.

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