Grand-Prix-Ausflug des KTM-Junior-Teams (Archivversion) Grand Prix Compact

Grand-Prix-Ausflug des KTM-Junior-Teams

Michael Ranseder, der amtierende deutsche 125er-Meister, war nach dem dritten GP-Einsatz seiner Karriere schon wieder beim Team-Transporter angekommen, hatte sein Motorrad abgeliefert, den Helm abgestreift und zahlreiche Glückwünsche entgegengenommen, als ihm eine nicht ganz unwichtige Frage einfiel: »Wievielter sammer dann?« fragte der Österreicher in die Runde. Die Antwort »Zwölfter« versetzte ihn in einen Freudentaumel: »Zwölfter, Zwölfter«, jubelte der 19-Jährige, während er von Mechaniker zu Mechaniker hüpfte, um sie zu herzen.
Daneben stand eher bedrückt Stefan Bradl, sein 15-jähriger Kollege im KTM-Junior-Team, der erst wenige Tage zuvor in Ungarn seinen ersten Sieg in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) feiern konnte – knapp vor Ranseder. »Ich wollte am Ende der
Gegengeraden einen Konkurrenten ausbremsen, war auch schon vorbei an ihm – da ist er
von hinten in mich reingefahren. Keine Ahnung warum.« Beide Fahrer kugelten ins Kiesbett.
KTM hat in der 125er-Weltmeisterschaft eine starke Truppe am Start: Mika Kallio und Gabor Talmacsi haben dieses Jahr beide schon einen Grand Prix gewonnen und liegen in der Tabelle mit knappem Rückstand auf die Spitze an dritter und vierter Stelle – entweder der eine oder der andere soll für KTM den ersten WM-Titel
auf der Straße gewinnen. Der 18-jährige Youngster Julian Simon fuhr in allen sechs bisher gelaufenen Saisonrennen in die
Top Ten. Ranseder und Bradl, hauptamtlich dafür zuständig, den IDM-Titel bei KTM
zu behalten (hochaktueller Report vom
IDM-Rennen am Nürburgring auf Seite 164),
passen da gut ins Bild.
Für Ranseder war der erste WM-Punkt beim dritten GP-Start nach Tschechien (Platz 16) und Valencia (18) im vergangenen Jahr rein rechnerisch Pflichtprogramm:
»In Valencia haben pro Runde nur drei Zehntel zu einem Punkterang gefehlt«, erklärte er, »im Qualifying hier war ich um zwei Sekunden näher an der Spitze dran
als damals.« In der 15. von 22 Runden war »Michi« auf Rang elf vorgerückt, konnte diese Position aber nicht halten: »Der Hinterreifen war ziemlich fertig, ich wollte kein Risisko eingehen.«
Stefan Bradl hatte schon nach dem Abschlusstraining Probleme, die Aufmunterungen seines Vaters Helmut, als ehemaliger 250er-Vizeweltzmeister auch sein Vorbild, in ein freundliches Gesicht umzusetzen. »Nicht immer böse Miene zum guten Spiel machen«, forderte Bradl senior. »Wenn ich auf Befehl grinsen muss, tut mir der Unterkiefer weh«, gab der Junior zurück. Dabei gab es keinen Grund für schlechte Laune. Bradls KTM zählte immer zu den schnellsten Motorrädern auf dem Platz, die vier Trainingssitzungen schloss er als 30., 22., 26. und mit Startplatz 33
ab – nur 0,067 Sekunden schlechter als GP-Dauer-
starter Sandro Cortese.
Bei allem Interesse für die KTM-Junior-Truppe – die beiden übrigen Deutschen im Feld waren zwar von Glanztaten à la Ranseder weit entfernt, zeigten außerhalb der Punkteränge jedoch eine zufrieden stellende Leistung, weil sie sich durch gelegentliche Rückschläge nicht entmutigen ließen und um ihre Positionen kämpften. Für Dario Giuseppetti sprang am Ende mit Rang 17 sein zweitbestes Saisonresultat heraus, Sandro Cortese konnte mit der Verbesserung von Startplatz 31 auf Platz 23 im Rennen bei drei Ausfällen im Feld vor ihm gerade noch so zufrieden sein. abs

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel