Grand Prix Australien (Archivversion) Das erste Mal

Marco Melandri, 20, der fast immer ein Lächeln auf den Lippen hat und zusammen mit seinem Mentor Loris Reggiani für jeden Schabernack zu haben ist, wurde zum ersten Mal Weltmeister – und erinnert sich auch an etliche andere Premieren.

Das erste Motorrad:»Eine Malaguti Grizzly 50, als ich vier Jahre alt war. Ein Weihnachtsgeschenk meiner Eltern.«Das erste Rennen:»In einem Einkaufszentrum in Ravenna mit einem BMX, mit dem ich im Alter von vier bis sieben Jahren herumturnte. Meine Rivalen waren alle älter, und ich wurde Letzter.«Das erste Motorradrennen:»1989 mit Minimotos in der Stadt Cattolica. Ich fuhr als Letzter hinterher, wurde überrundet und ausgelacht. Ich hatte eine Riesenwut und wollte mich im nächsten Rennen revanchieren. Leider waren die anderen abermals schneller.«Das erste eigene Minimoto:»1989, vor dem dritten Rennen der italienischen Meisterschaft. Ich weiß nicht mehr, was es kostete. Aber es war wie die Pepsi-Suzuki von Kevin Schwantz lackiert.«Das erste Mal mit dem Knie am Boden:»In Magione im Oktober 1994 auf der Aprilia 125 SP. Ich war so klein, dass ich nicht mit den Füßen auf den Boden kam. Beim Anhalten mussten meine Helfer das Motorrad abstützen.«Der erste Sieg:»1990 in San Giuseppe, wo ich auch heute noch mit dem Kart meinen Spaß habe. Es war ein Minimoto-Meisterschaftslauf. Die Bikes waren nicht besonders schnell, doch ich war klein und wog wenig.«Das erste Mal auf einem richtigen Motorrad:»Ende 1994 probiertre ich eine Aprilia 125 Sport Production von Loris Reggiani aus. Im März 1996 stieg ich erstmals auf eine GP-125er. Nach der ersten Runde hielt ich an – die Beschleunigung hatte mir derart Angst eingejagt, dass ich nicht weiterfahren wollte.«Das erste Rennen auf einer GP-125er:»September 1996 in Mugello. Ich fuhr zwei Läufe, in der italienischen Meisterschaft und dem Honda-Cup. Im verregneten Rennen wurde ich Sechster, im Honda-Cup fiel ich als Spitzenreiter wegen eines Defekts aus. Sonst wäre ich bestimmt gestürzt – ich fuhr jenseits von gut und böse.«Der erste WM-Lauf:»In Brünn 1997 – ein Desaster. An beiden Trainingstagen hat es wie aus Kübeln gegoosen, und mir wurde versehentlich ein längeres statt kürzeres Getriebe eingebaut. Fürs trockene Rennen bemerkte das Matteoni-Team den Fehler, und ich konnte mich von Startplatz 28 auf Rang 17 verbessern. Ein Happy End!«Das erste GP-Podium:»Der zweite Platz in Mugello 1998. Acht Mann kämpften um den Sieg, und ich war zum ersten Mal in einem solchen wilden Haufen. Ich hatte von Taktik keine Ahnung, wollte aber unbedingt nach vorn. Am Ende gewann Manako.«Der erste GP-Sieg:»Holland 1998. Mein Motorrad war langsamer als das von Sakata, doch ich wusste, dass dies mein Tag werden würde. In der letzten Runde setzte ich auf alles oder nichts und überholte Sakata außen herum in einer Linkskurve. Eines der schönsten Überholmanöver meiner Karriere.«Das erste Mal auf einer 250er:»In Jerez Ende 1998 mit der Honda NSR von Ukawa. Doch das Motorrad fühlte sich an wie eine 175er, denn in diesem Jahr zogen die Honda keine Wurst vom Teller.«Das erste Mal auf einer Aprilia 250:»Ein Jahr später in Jerez. Die RSW war so schnell, nervös und kräftig, dass ich nicht einmal in einer Linie geradeaus fahren konnte.«Die erste sportliche Enttäuschung:»1999 in Argentinien, als ich die 125er- Weltmeisterschaft verlor. Das nagt bis heute an mir.«Das erste Geld:»1996. Ich erhielt 2,4 Millionen Lire, etwa 1240 Euro, für einen Trofeo-Honda-Sieg. Für mich als 14-Jährigen eine astronomische Ziffer – mein Taschengeld betrug monatlich 30000 Lire.«Der erste Kuss:»In der zweiten Klasse, auf der Schultoilette.«Das erste Mal Sex:»Mit 15 Jahren. Sie kümmerte sich um alles...«Die erste Liebe:»2001, Giorgia. Es war die erste und einzige Liebe.«Die erste amouröse Enttäuschung:»Giorgia. Wir trennten uns. Ich brachte sie und meinen Job nicht unter einen Hut.«Das erste Auto:»Ein Aixam-Diesel-Zweizylinder. Ich war 16 und konnte das Ding mit dem Mopedführerschein bewegen.«Das erste Fernsehinterview:»Mit 14, nach dem Gewinn der Italienischen Meisterschaft. Ich weiß noch, dass ich steif wie ein Spazierstock war und in Panik geriet. Auch heute noch bin ich vor Kameras nicht natürlich.«

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote