Grand Prix Brasilien (Archivversion) Das Rezept der Weltmeister

Die Weltmeister der letzten Jahre könnten unterschiedlicher nicht sein. Wo sind die Gemeinsamkeiten der Sieger?

Als ich selbst noch gefahren bin, dachte ich, es gibt nur einen ganz bestimmten Weg zum Erfolg. Heute als »Eurosport«-Kommentator spreche mit den Fahrern, den Technikern, Mechanikern und den Teamchefs. Und bin überrascht, wie unterschiedlich die Vorgehensweise der Teams und Fahrer in jeglicher Hinsicht ist.Beispiel Technik: Manche Teams definieren das Motorrad von Rennen zu Rennen neu, andere verstellen nur einige Klicks am Fahrwerk. Welche Strategie die richtige ist, hängt vom Fahrer ab. Die einen können sich selbst nur dann das Letzte abfordern, wenn alles passt, wie die Kollegen Cadalora, Jacque, Harada, Roberts, um nur einige zu nennen. Und die anderen geben immer 100 Prozent, wie McWilliams, Checa, Doohan oder auch Rossi. Eines aber ist für alle gleich: Ohne bedingungslosen Siegeswillen geht es nicht. Doch auch der basiert auf unterschiedlichen Dingen. Es ist der Spaß am Fahren und Erfolg, das Geld, die Fans, das Talent, etwas beweisen zu wollen, ein Feindbild, der Ehrgeiz, technisches Interesse, Cleverness, Verbissenheit, die Steigerung des Selbstvertrauens. Von dieser Motivation bringen alle GP-Piloten etwas mit.Das Erschreckende dabei ist, dass Valentino Rossi scheinbar alle diese Eigenschaften auf einmal besitzt. Er riskiert so viel wie Doohan, verletzt sich jedoch nicht. Er ist der lockerste Typ und trotzdem konzentriert bei der Sache. Er puscht den Hersteller zu Verbesserungen wie Biaggi auch, aber eben ohne als Querulant dazustehen. Seine Feindbilder zerlegt er oft schon, bevor es auf die Strecke geht, und gewinnt dabei noch an Sympathie. Bei seiner Werbewirksamkeit stimmen die Finanzen. Und er hat das Glück des Tüchtigen. Wer soll ihn also stoppen? Mit seinem vierten WM Titel hat er mit 23 Jahren alles auf zwei Rädern gewonnen. Ob der Siegeswille bleibt?

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote