Grand Prix Brasilien (Archivversion)

Drei Honda-Piloten schlugen auf
der Nelson-Piquet-Rennstrecke den Samba-Rhythmus an, und die zuletzt tief gedemütigten Honda-Manager tanzten dazu: Der Rio-Grand-Prix wurde zum Karneval für den weltgrößten Motorradhersteller, für einen Sonntag gerieten die Fahrwerksprobleme der Fünfzylinder-Werksmaschine RC 211 V in Vergessenheit.
Grund dafür war die extrem holprige Piste, auf der das besonders stabile Honda-Fahrwerk klare Vorteile hatte. »Unser Motorrad schlingert und verwindet sich, weder Fahrwerk noch Reifen funktionieren hier«, sah Yamaha-Star Valentino Rossi nach seinem achten Platz im Abschlusstraining Unheil aufziehen. Im Rennen kämpfte er sich trotzdem an die Spitzengruppe heran, doch als die Valentino-Fans schon zu hoffen begannen, ihr Idol könne das Ruder wieder einmal durch seine Fahrkunst herumreißen, zeigte sich, dass auch für das »Fenomeno« die physikalischen Grenzen gelten: In einer Linkskurve rutschte Rossi übers Vorderrad ins Aus.
Wobei es in genau jener Kurve zuvor schon seinen härtesten Rivalen erwischt hatte. Hondas Hoffnung Sete Gibernau, schnellster aller MotoGP-Piloten, der aus der zweiten Reihe starten musste, preschte in der zweiten Runde in den Spitzenpulk, geriet dabei abseits der Ideallinie auf eine Bodenwelle und verlor die Kontrolle übers Vorderrad. »Ein winziger Fehler, für den ich teuer bezahlt habe«, ärgerte sich der Spanier, der Rossi in der WM-Wertung um Längen hätte davonziehen können, so aber punktgleich Zweiter blieb.
Zum lachenden Dritten wurde ein Außenseiter. Camel-Honda-Pilot Makoto Tamada wühlte sich durch die verbliebene Schar der Spitzenkräfte an die zweite Stelle und machte dann Jagd auf den führenden Max Biaggi. Vier Runden vor Schluss zirkelte der Japaner in der Spitzkehre vor Start und Ziel gekonnt außen herum an Biaggi vorbei und distanzierte den Römer sowie den drittplatzierten Nicky Hayden im Endspurt um über zwei Sekunden.
Damit war der erste MotoGP-Sieg für den 27-Jährigen, gleichzeitig aber auch der erste MotoGP-Triumph für seinen Reifenhersteller Bridgestone perfekt. »Mein Vorderreifen hielt die Spur besser, mein Hinterreifen hatte mehr Grip«, zog Tamada den Vergleich zu Biaggi. In Mugello noch in tiefer Krise, weil die Laufflächen von Tamada und Shinya Nakano bei Tempo 330 in Fetzen gingen, hatte Bridgestone auf ein Notfallprogramm mit besonders stabilen Karkasskonstruktionen umgeschaltet und auf der Holperpiste von Rio trotz des vermeintlich geringeren Grips dieser Sicherheitsreifen nach der überraschenden Pole Position von Kenny Roberts (Suzuki) auch im Rennen einen Volltreffer gelandet.
Ebenso unerwartet endete das Rennen der 250er-Klasse. Der amtierende Weltmeister Manuel Poggiali hatte in den ersten sechs Rennen der Saison einen dritten Platz als Maximalergebnis, zusätzlich aber drei Nullrunden zu verzeichnen – niederschmetternd. In Rio jedoch, wo er auch im Vorjahr gewonnen hatte, schien er seine frühere Form wieder gefunden zu haben. Dabei kämpfte er in den ersten vier Runden die Spanier Daniel Pedrosa und Toni Elias nieder und hielt dann den Spitzenplatz bis ins Ziel. Zwar liegt er jetzt mit
67 Punkten Rückstand auf WM-Leader
Pedrosa erst auf dem siebten Rang, doch Poggiali ist überzeugt: »Ich bin noch nicht aus dem Rennen.« fk

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