Grand Prix Brasilien in Rio de Janeiro (Archivversion)

AsphaltbruchAchtung,BaustelleAm Freitag nachmittag wurde die Nelson-Piquet-Rennstrecke vor den Toren von Rio de Janeiro zur Baustelle. Ein rechteckiges Stück der frisch geteerten Fahrbahn, etwa so groß wie ein Fußballtor, war nach der letzten Streckenbesichtigung Anfang Juli wegen Bodenwellen nochmals von einer Spezialmaschine abgefräst und neu asphaltiert worden. Dieses frische Belagstück brach unter der Belastung des ersten freien Trainings auf und wurde mit einem schnelltrocknenden Spezialharz geflickt, von dem keiner wußte, ob er halten würde. »Erst Mitte Juli wurde die Strecke homologiert. Laut Reglement muß das zum 31.12. des Vorjahres passieren«, wetterte Michael Doohan. Das Happy-End bestand nicht nur darin, daß die Eilreparatur funktionierte. Dank des Fernsehsenders Globo, der die Rennen live in Südamerika ausstrahlt, ist der bislang chronisch gefährdete Rio-GP bis zum Jahr 2001 gesichert.Fans sauerPfiffefür RossiValentino Rossi steigt seine Siegesserie offenbar zu Kopf. Weil er lieber Flipper spielte, erschien er zwei Stunden zu spät bei einem Empfang in seinem Heimatort Pesaro und wurde von Tausenden wartender Fans ausgepfiffen. Sein Manager Gianpiero Sacchi ist sauer, weil Rossi einen Rechtsstreit mit Team-Sponsor Polini anzettelte, der angeblich widerrechtlich mit seinem Bild geworben hatte. Auch Max Biaggi, der sich in jüngster Zeit häufig verbale Sticheleien von Rossi gefallen lassen mußte, schoß mittlerweile zurück. »Rossi schürt eine Rivalität zwischen uns, die es nicht gibt. Mit ihm habe ich nichts auszufechten. Für mich ist er ein Niemand«, stellte der dreimalige 250er Weltmeister fest.Rainey und RobertsFischerund JägerDer gelähmte Yamaha-Teamchef Wayne Rainey verzichtete ebenso wie Modenas-Unternehmer Kenny Roberts von vornherein auf den anstrengenden Rio-Trip. Rainey ging auf dem kalifornischen Lake Tahoe mit dem Boot zum Fischen; von Roberts hieß es offiziell, er sei im Marlboro-Auftrag mit den Vorbereitungen für eine Aktion bei dem berühmten Harley-Davidson-Treffen in Sturgis beschäftigt. In Wahrheit freilich gönnte sich King Kenny jenen Sonderurlaub, der allen überanstrengten Mitgliedern der Tag und Nacht schuftenden Modenas-Truppe im Rotationssystem zusteht - und entspannte sich bei der Jagd auf seiner riesigen Ranch in Montana. Jean-Michel Bayle trieb die Modenas KR V3 auch ohne ihn zum Erfolg und wurde Achter.Regis LaconiDas großeComebackDer furchtlose Regis Laconi, seit seinem Sturz beim Österreich-Grand Prix mit Leberriß, Lungenquetschung, Brustkorbprellung sowie zahlreichen Brüchen außer Gefecht, feierte mit Platz neun in Rio ein strahlendes Comeback bei den 500ern. »Nur die Freude aufs Fahren hat mich zu sechs Stunden täglicher Physiotherapie getrieben. Mir ging´s dreckig, doch man muß auch die dunklen Seiten dieses Sports akzeptieren lernen«, meinte der Franzose. Die macht derzeit der Brite Jamie Robinson durch: Nach einem Fußbruch in Frankreich, einem weiteren Sturz in Holland, einem Wespenstich in Italien mit verheerenden Allergie-Reaktionen sowie einem erneuten Sturz am Nürburgring wegen Entkräftung wurde er von seinem 250er Suzuki-Team in Urlaub geschickt. Vertreter Johan Stigefeld nahm seine Aufgabe zu wörtlich - und baute in Rio den nächsten Rennsturz.

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