Grand Prix Compact (Archivversion)

Spielverderber

Jorge Lorenzo pokerte im 250er-Training – und hatte nicht nur dabei Pech. Bei den 125ern sah Sergio Gadea wie der sichere Sieger aus – bis kurz vor dem Zielstrich.

Kalt lächelnd blieb Weltmeister Jorge Lorenzo in der Anfangsphase des Abschlusstrainings zum 250er-GP in Mugello in der Box und wartete unter dunkelst drohenden Regenwolken auf bessere Zeiten, obwohl bereits das erste Zeittraining verregnet gewesen war. Während der Großteil der Viertelliter-Welt die nur wenigen Minuten ohne Regen nutzte, stand für den überlegenen Rennstrategen Lorenzo am Ende keine einzige Runde auf auch nur halbwegs trockenem Belag zu Buche. Der große Meister war um 2,342 Sekunden hinter dem Qualifikationslimit, das eine gegenüber der Pole Position um höchstens sieben Prozent langsamere Zeit verlangt.
Doch die spanisch dominierte Renndirektion hatte ein Einsehen mit ihrem Landsmann und ließ, wie es offiziell hieß, »wegen außergewöhnlicher Wetterbedingungen« alle Fahrer zum Start zu, selbst wenn sie nicht das 107-Prozent-Limit erreicht hatten - ein Skandal.
Denn Lorenzo war eben nicht von außergewöhnlichen Wetterbedingungen an der Qualifikation gehindert worden, sondern von seiner eigenen dummen Taktik. Er hatte, wie alle anderen, die Gelegenheit, eine Qualifikationsrunde zu fahren, welche schnell genug gewesen wäre. Vom 20. Startplatz in der fünften Reihe machte sich der 20-jährige Mallorquiner wie ein Berserker auf den Weg. Schon am Ende der zweiten Runde räumte er ausgangs der Zielkurve im Kampf um Platz sechs Mika Kallio rüde Weise aus Weg. Lorenzo, in diesem Moment viel zu schnell für den weiteren Kurvenverlauf, benutzte die Werks-KTM des Finnen in kernigster Motocross-Manier als Anlieger, rettete sich damit wieder auf die Strecke und schickte den armen Kallio mit abgebrochenem Schalldämpfer direkt in die praktischerweise genau an dieser Stelle beginnenden Boxengasse.
In manch anderer Rennserie wäre Jorge Lorenzo für eine solche Aktion mit der schwarzen Flagge gestoppt worden. Der Meister-Rambo aber durfte weiterfahren – und erledigte sich in der letzten Runde selbst. Inzwischen ging es im Kampf mit seinem spanischen Landsmann und Aprilia-Markenkollegen Alvaro Bautista um den Sieg. Der 125er-Weltmeister hatte Lorenzo ausgetrickst, lag vorn und wurde so zum roten Tuch für den Titelverteidiger. Der zog abermals auf einer völlig unmöglichen Linie nach innen, touchierte den bereits führenden Bautista. Doch diesmal ging das Manöver schief. Bautista kam davon und gewann. Lorenzo konnte seine Werks-Aprilia nicht mehr stabilisieren, stürzte und rollte als wutschnaubender Achter ins Ziel. So schlug sich der Lorenzo-Skandal wenigstens nicht ganz so positiv in der WM-Tabelle nieder. Dirk Heidolf war vom 16. Startplatz aus bis auf Rang XX in Runde xx vorgefahren, blieb im Ziel als 17. jedoch ohne WM-Punkte.
Das begeisternde 125er-Rennen gewann der Spanier Hector Faubel auf der Ziellinie aus dem Windschatten gegen seinen Landsmann und Aspar-Aprilia-Teamkollegen Sergio Gadea. Der deutsche Sandro Cortese konnte während des gesamten Rennens das Tempo im Spitzenpulk mitfahren und wurde starker Siebter. mtr
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Kleine Schritte (Archivversion)

Die großen Sprünge überließen die deutschen Teilnehmer der GP-Nachwuchsserie Red-Bull-Rookies-Cup der Konkurrenz aus anderen Ländern.
Seinen Sieg im ereignisreichen Red-Bull-Rookies-Cup-Rennen auf nach Regen abtrocknender Piste feierte der Franzose Johann Zarco in der Auslaufrunde standesgemäß mit einem fast olympiareifen Salto rückwärts, von einer Begrenzungsmauer herunter über sein geparktes Rennmotorrad hinweg. Er rückt auf den zweiten Tabellenplatz vor, hinter den Italiener Lorenzo Savadori, der den Cup-Auftakt im März gewonnen hatte und in Mugello zwei Zehntelsekunden hinter Zarco Zweiter wurde. Die deutschen Markus Reiterberger und Christoph Schönberger fuhren auf die Ränge acht und neun, während Lucy Glöckner und Daniel Kartheininger beide in aussichtsreichen Positionen stürzten. In der Cup-Tabelle liegt Reiterberger als bester Deutscher auf Rang sechs.
Inzwischen wurden schon die ersten Weichen für den Red-Bull-Rookies-Cup 2008 gestellt. Erneut wird der Cup auf der Suche nach künftigen GP-Helden auf identischen 125er-KTM-Maschinen im Rahmen von sechs GP ausgetragen. Unter www.redbullrookiescup.com können sich Nachwuchspiloten der Geburtsjahrgänge 1992 bis 1994 bewerben, Meldeschluss ist der 12. August 2007. Aus allen Anmeldungen wählen KTM-Rennsport-Direktor Harald Bartol und Rookies-Cup-Cheftrainer und Ex-GP-Fahrer Gustl Auinger die Kandidaten aus, welche, abhängig von ihrer geographischen Herkunft, zu einer der Halbfinal-Ausscheidungen am 29./30. August auf dem Sachsenring respektive am 24./25. Oktober auf dem norditalienischen Adria-Raceway eingeladen werden. mt

Nichts geregelt (Archivversion)

Wie wird die Zukunft der Motorrad-WM aussehen? Eine Beratung der Hersteller brachte kaum Aufschlüsse.
Bei einem Treffen der MSMA, der Vereinigung im Motorradsport engagierter Hersteller, bei dem über die Zukunft der 250er-GP-Klasse und der Superbike-WM beraten werden sollte, kamen nach fast zwölfstündigem Sitzungsmarathon lediglich ein paar Vorschläge heraus. In Sachen 250er hat Honda definitiv erklärt, mit Ende des Jahres 2009 die Produktion jeglicher Zweitakt-Motoren, gleichgültig ob Rennmotorräder oder Rasenmäher, einzustellen. Da aber die zweitwichtigste GP-Klasse nicht eher unbedeutenden Herstellern wie Aprilia oder KTM überlassen werden soll, hält die MSMA mehrere Szenarien bereit. Die etwas ältere Idee mit reinrassigen Zweizylinder-400-cm³-Viertakt-Rennmaschinen scheint derzeit aus Kostengründen vom Tisch. Diskutiert werden vielmehr Supersport-600- oder Superstock-1000-ähnliche Motoren in freigegebenen Prototypen-Chassis. Beide Varianten haben jedoch einen entscheidenden Pferdefuß. Eine seriennahe 600er werde auch mit einem Rennfahrwerk deutlich langsamer sein als die bisherigen 250er, ist aus MSMA-Kreisen zu hören. Bei der 1000er-Idee stören sich die GP-Granden am gegenüber der 800er-MotoGP-Königsklasse größeren Hubraum – klare Vorgaben für die Zukunftsplanung gibt es nicht.
Dazu kommt noch ein Störfeuer aus ganz anderer Richtung. »Es wird definitiv keine auf Produktionsmaschinen basierende Technik bei den GP geben«, stellt Paolo Flammini, Vermarkter der Superbike-WM, klar, »denn es gibt mit dem Weltmotorradsportverband FIM vertraglich festgeschriebene Zuständigkeiten: Reinrassige Renn- und Prototypen-Maschinen fahren bei den GP, auf Serien-Produktion basierende Maschinen bei uns. Dies gilt auch für wichtige Einzelkomponenten wie den Motor.«
Zur Superbike-WM selbst brachte das Meeting ebenfalls nur unbefriedigende Ergebnisse: Vertagung der Bekanntgabe des neuen, ab 2008 gültigen Reglements auf den 15. Juni. Klar erscheint bisher nur, dass Honda den Ducati-Antrag auf Erhöhung des erlaubten Hubraums für Zweizylinder-Maschinen auf 1200 cm³ gegenüber den 1000er-Vierzylinder nützen will, um die gesamte Superbike-Klasse weiter in Richtung Seriennähe zu treiben. mt

Kurtis und die Kennys (Archivversion)

Auch im Dreierpack gelang es der US-Rennsportfamilie Roberts nicht, sich vom letzten Platz der Ergebnislsiten wegzubewegen.
Das Roberts-Team tauchte in Mugello mit einem zweiten Fahrer auf: Kenny juniors Bruder Kurtis Roberts. »Was wir durch diesen Einsatz herausfinden wollten, hat sich schnell bestätigt: Dass das Motorrad nicht zieht«, brummte Teamchef King Kenny. »Kenny junior kommt von der 990er, und wenn er sich auf eine 800er setzt und sagt, sie ist nicht schnell genug, dann ist das eine Sache. Doch Kurtis fährt normalerweise eine 600er – und wenn er behauptet, der Honda-Motor beschleunige nicht, dann demonstriert das in aller Deutlichkeit, womit wir hier zu tun haben.« Kurtis und Kenny fuhren in Mugello an xxx Position, von der Ursprungsidee Anfang 2006, das beste Fahrwerk mit dem besten Motor zu kombinieren, ist derzeit nichts als Ratlosigkeit geblieben.
Trotzdem hält sich Roberts mit harscher Kritik an Honda bedeckt, denn man braucht einander. Honda will die Meinungen und Erfahrungen aus dem Roberts-Team, Roberts stellt mit Honda-Hilfe erste Prototypen für eine kommende GP2-Kategorie mit 1000er- oder 600er -Produktionsmotoren auf die Räder, und Roberts braucht weiterhin einen Motorlieferanten für eine bessere Zukunft.
Die soll sich durch die »F1MAX«-Initiative einstellen, eine Agentur mit Basis im Piratenhotel »Treasure Island« in Las Vegas, die die »Passion für den Motorradsport, wie wir sie in Italien oder Spanien erleben«, auch nach Übersee bringen und auf diese Weise Sponsoren finden will. Beispielsweise laufen bei Fernsehübertragungen eines F1MAX-Partnerteams in der NASCAR-Serie bereits minutenlange Spots über das Roberts-MotoGP-Team.
Noch freilich fließen die Dollars spärlich. »Kenny junior und Kurtis fahren umsonst. Sonst hätte ich als Teamchef längst den Stecker gezogen«, erklärt King Kenny.

Ergebnisse Mugello: (Archivversion)

125 cm3

1. Hector Faubel (E) Aprilia 40.14,164 Faubel 102
2. Sergio Gadea (E) Aprilia +0,020 Talmacsi 95
3. Simone Corsi (I) Aprilia +0,066 Pesek 91
4. Gabor Talmacsi (HUN) Aprilia +0,134 Corsi 71
5. Tomoyoshi Koyama (J) KTM +1,662 Gadea 66
6. Mattia Pasini (I) Aprilia +1,691 Espargaro 46
7. Sandro Cortese (D) Aprilia +1,813 Olive 44
8. Bradley Smith (GB) Honda +2,959 Smith 44
9. Pol Espargaro (E) Aprilia +17,495 Koyama 43
10. Lorenzo zanetti (I) Aprilia +18,277 de Rosa 32
11. Michael Ranseder (A) Derbi +23,855 Ranseder 30
12. Nicolas Terol (E) Derbi +32,855 Cortese 27
13. Randy Krummenacher (CH) KTM +36,260 Rabat 26
14. Raffaele de Rosa (I) Aprilia +38,199 Zanetti 22
15. Dominique Aegerter (CH) Aprilia +1.05,054 Nieto 21

Trainingsbestzeit:
Faubel in 2.15,309 min = 139,547 km/h
Schnellste Rennrunde:
Gadea in 1.58,636 min = 159,159 km/h
Schnitt des Siegers: 156,426 km/h


250 cm3:

1. Alvaro Bautista (E) Aprilia 40.18,605 Lorenzo 128
2. Alex de Angelis (RSM) Aprilia +0,087 Dovizioso 101
3. Hector Barbera (E) Aprilia +7,665 de Angelis 95
4. Andrea Dovizioso (I) Honda +7,751 Bautista 89
5. Thomas Lüthi (CH) Aprilia +27,267 Barbera 63
6. Shuhei Aoyama (J) Honda +27,522 Simon 46
7. Julian Simon (E) Honda +27,774 Lüthi 43
8. Jorge Lorenzo (E) Aprilia +32,238 S. Aoyama 32
9. Marco Simoncelli (I) Gilera +51,455 Simoncelli 31
10. Anthony West (AUS) Aprilia +1.04,308 Kallio 30
11. Yuki Takahashi (J) Honda +1.04,318 Lai 28
12.Aleix Espargaro (E) Aprilia +1.04,462 West 25
13. Fabrizio Lai (I) Aprilia +1.04,556 Takahashi 22
14. Alex Baldolini (I) Aprilia +1.04,570 Espargaro 19
15. Taro Sekiguchi (J) Aprilia +1.05,162 H. Aoyama 17

Trainingsbestzeit:
Bautista in 1.57,435 min = 160,786 km/h
Schnellste Rennrunde:
Barbera in 1.54,061 min = 165,542 km/h
Schnitt des Siegers: 163,946 km/h


MotoGP:

1. Valentino Rossi (I) Yamaha 42.42,385 Stoner 115
2. Dani Pedrosa (E) Honda +3,074
3. Alex Barros (BRA) Ducati +5,956
4. Casey Stoner (AUS) Ducati +6,012
5. John Hopkins (USA) Suzuki +13,244
6. Toni Elias (E) Honda +19,255
7. Loris Capirossi (I) Ducati +19,646
8. Chris Vermeulen (AUS) Suzuki +22,810
9. Marco Melandri (I) Honda +22,837
10. Nicky Hayden (USA) Honda +24,413
11. Alex Hofmann (D) Ducati +24,781
12. Colin Edwards (USA) Yamaha +28,001
13. Shinya Nakano (J) Honda +36,733
14. Sylvain Guintoli (F) Yamaha +45,098
15. Makoto Tamada (J) Yamaha +45,145

Trainingsbestzeit:
Stoner in 2.00,359 min = 156,880 km/h
Schnellste Rennrunde:
Pedrosa in 1.50,357 min = 171,099 km/h
Schnitt des Siegers: 169,485 km/h


Termin: 3. Juni 2007
Streckenlänge: 5,245 km
Wetter: trocken
Zuschauer: 85480

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