Grand Prix Deutschland (Archivversion)

Viel Action, wenig Fans

Sportlich war der deutsche Motorrad-Grand Prix am Nürburgring ein absoluter Hit. Knisternde Spannung in allen Rennen, ein deutscher Sieger und ein deutsches Team mit einem japanischen Fahrer als Gewinner - besser kann es kaum laufen. Dazu gab´s moderate Eintrittspreise und viel Rahmenprogramm. Trotz allem aber zeigten die Zuschauer dem GP die kalte Schulter. 50 000 Fans hatte Franz Rau, der Chef der Veranstalteragentur Moto Motion, für den Rennsonntag erwartetet. Doch am Ende waren an allen drei Tagen zusammen nur mickrige 34 000 Besucher auf den Tribünen gezählt worden - sicher viel zu wenig, um das mit vier Millionen Mark veranschlagte Budget für den Grand Prix zu decken.Nürburgring-Manager Walter Kafitz macht vor allem das schlechte Wetter am ersten Juli-Wochenende für die enttäuschende Resonanz des Publikums verantwortlich. Ex-Grand Prix-Star Martin Wimmer, heute Motorradsport-Chef beim ADAC und mit seinem Verband als sportlicher Ausrichter im Grand Prix am Ring integriert, sieht das anders. Er stellt das Konzept der Veranstaltung an sich in Frage (siehe Interviewkasten). Suzuki Deutschland-Sportchef Bert Poensgen kritisiert den in sich geschlossenen WM-Zirkus: »Die Fans wollen etwas zum Anfassen. Aber die Fahrer verstecken sich vor ihrem Publikum. Das Live-Erlebnis kommt nicht rüber.«Ob nach dem Zuschauer-Debakel am Ring ein weiterer Motorrad-Grand Prix in der Eifel stattfindet, ist fraglich.
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Sportchef Lothar Kutschera zu den Problemen des GP (Archivversion) - «Lieber nach Assen“

Lange Zeit war der deutsche GP der absolute Renner bei den Fans. Mittlerweile ist er ein Ladenhüter, der nur noch wenige Leute hinter dem Ofen hervorlocken kann. Die Rennfreaks gehen lieber nach Assen oder Brünn als zum Nürburgring - traurig, aber wahr. Oder zum Sachsenring und ans Schleizer Dreieck. Selbst Cross-Rennen im Osten mobilisieren mehr Leute. Nichts gegen diese Veranstaltungen, aber das Highlight der Saison sollte der Grand Prix sein.

Zuschauer-Debakel (Archivversion) - «Das Wetter war nicht schuld“

?Herr Wimmer, warum kamen nur so deprimierend wenig Zuschauer zum deutschen Grand Prix an den Ring?Das schlechte Wetter war für mich nicht ausschlaggebend, denn die Fans planen ihre GP-Besuche längerfristig. Das Konzept der Veranstaltung hat nicht genug Leute ansprechen können. Es stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, ob es richtig war, im Vorfeld des Grand Prix auf eine reine Rennsport-Fachzeitschrift als Medienpartner zu setzen. Die breite Masse erreicht man zum Beispiel mit der Tagespresse, aber das wurde total vernachlässigt.?Sie waren als ADAC-Mann auch in die Veranstaltung eingebunden. Wie lief die Zusammenarbeit mit dem Promoter Moto Motion?Ich persönlich war von der Vorgehensweise von Moto Motion nicht begeistert. Erst am Rennsonntag kam es in letzter Minute zur Unterzeichnung des Vertrags mit dem ADAC als sportlichem Ausrichter. Das halte ich nicht für professionell.?Wie bewerten Sie den deutschen Grand Prix aus sportlicher Sicht?Die Rennen waren phantastisch. Speziell Jürgen Fuchs hat mich überzeugt. Der Junge hat das Zeug zum Weltmeister. Beim Nachwuchs haben wir aber noch eine Menge Arbeit vor uns, denn von den fünf Wild Card-Fahrern, die aus dem ADAC-Junior-Cup kamen, erreichte nur einer das Ziel.

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