Grand Prix Estoril/P (Archivversion) REGENTanz

Der Brasilianer Alex Barros hatte in Portugal Heimatgefühle – nicht nur, weil portugiesisch bei ihm zu Hause Amtssprache ist. Bestzeit in allen Trainings, schnellste Rennrunde, ein klarer Sieg.
»Ich bin überglücklich – ein so perfektes Wochenende habe ich noch nie erlebt«, schwärmte der Camel-Honda-Pilot. Valen-
tino Rossi wurde Zweiter und strahlte ebenfalls. »20 Punkte für die Weltmeisterschaft, das ist das Wichtigste. Im Trockenen war meine Yamaha schwerfällig, beim nächsten Rennen müssen wir uns um
ein besseres Set-up kümmern. Doch der Nieselregen am Sonntag machte das Rennen ohnehin zur Lotterie. Statt auf dem Podest hätte ich ebenso gut im Dreck
landen können«, meinte der Weltmeister.
So wie Sete Gibernau, der von Rossis großem Paradegegner zum großen Pechvogel wurde. Erst war da die Kollision mit dem Weltmeister in Jerez, bei der er sich neue Zerrungen und Schmerzen an seiner lädierten, im Winter operierten linken Schul-
ter zuzog. Wie viel von Setes Beschwerden echt und wie viel inszeniert war, wird sein Geheimnis bleiben, denn im Training zum Portugal-Grand-Prix stürzte der Spanier auf eben diese Schulter und beschädigte sie erneut. »Im Rennen werde ich nicht viel mehr als vier, fünf Runden mit vollem Tempo durchhalten können«, stöhnte er nach der zweitbesten Zeit im Abschlusstraining.
Da schien es zunächst gerade recht, dass am Sonntag Regenwolken aufzogen. Bei verhangenem Himmel, aber noch trockener Strecke brauste Gibernau als Erster davon und schien das große Los gezogen zu haben, als kurz darauf ein leichter Sprühregen einsetzte und das Fahren von harter Muskelarbeit in einen Balanceakt verwandelte.
Gleichzeitig wurde der Grand Prix in Estoril zum Probegalopp für die neue, zugunsten spannender Fernsehübertragungen eingeführte Flag-to-flag-Regel, nach der ein Rennen auch bei stärkerem Regen nicht mehr abgebrochen wird. Stattdessen hissten die Streckenposten weiße Flag-
gen: das Signal für die Fahrer, bei Bedarf
einen Boxenstopp einlegen und auf die mit
Regenreifen ausgerüstete Ersatzmaschine hüpfen zu können.
Freilich wollte bei der Premiere niemand der Erste sein, der einen solchen Zeit-
verlust in Kauf nimmt. Weil es bei feinem
Nieselregen blieb, gaben die MotoGP-
Piloten weiter Gas, wobei die Verfolger ihr Risiko schlau an das Tempo des führenden Gibernau anpassten.
Kurz nach Rennmitte bog der Spanier dann zu schnell in die erste Kurve ein und rutschte aus. »Ich war das Versuchskaninchen für die neue Regelung und habe
dafür mit einem Sturz bezahlt«, knirschte er. »Ich bin traurig über die entgangenen Punkte, doch nicht frustriert – immerhin war der Weltmeister und WM-Leader elf Sekunden hinter mir.«
Dank der Wetterlaunen und Gibernaus Pech feierte Max Biaggi einen unerwarteten Podestplatz. Im Training noch Achter, konnte er das Tempo von Valentino Rossi mitgehen und fand plötzlich wieder zur
Lebensfreude zurück. »Das ist kein Comeback – ich war immer zur Stelle«, kommentierte er, »doch ich weiß: Das Potenzial meiner Honda liegt noch höher. Wir müssen nur die Elektronik in den Griff kriegen fk

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